„Die wilde Frau“ in Telfs: Fatalismus und Düsternis für Anfänger

Telfs (APA) - Das Theaterstück „Die wilde Frau“ von Felix Mitterer hat am Donnerstag in der Regie von Klaus Rohrmoser bei den Tiroler Volkss...

Telfs (APA) - Das Theaterstück „Die wilde Frau“ von Felix Mitterer hat am Donnerstag in der Regie von Klaus Rohrmoser bei den Tiroler Volksschauspielen Telfs Premiere gefeiert. Rohrmoser und sein Schauspiel-Ensemble mühten sich redlich ab, dem kompakten Einakter um eine stumme Frau und fünf Männer Intensität und Sogwirkung abzuringen, scheiterten aber. Auch der Applaus blieb eher verhalten.

„Die wilde Frau“ hat wenig zu erzählen, dafür aber viel zu zeigen. Eines Tages klopft in einer stürmischen Winternacht eine Frau an der Tür einer Waldhütte, in der fünf Männer hausen. Die Frau ist offenbar stumm. Rasch wird sie für die Männer zum Spielball und zum Lustobjekt, Besitzansprüche inklusive. Letztere gipfeln, drastisch in Szene gesetzt, in der Ankettung der Frau. Nach dem blutigen Showdown zwischen den Männern verlässt die bis dahin geschundene und missbrauchte Namenlose das Szenario.

Dass es so oder vergleichbar endet, ahnt man von Anfang an. Erzählerisch, schauspielerisch und atmosphärisch war am gestrigen Abend alles auf Sogwirkung und Intensität ausgerichtet, garniert mit einer guten Prise Fatalismus und Düsternis. Ersterer legt nahe und im Stück an, dass die Geschichte gar nicht gut ausgehen kann und in der Selbstzerstörung der Begehrenden enden muss, während Zweitere die Frau, durchaus überzeugend auf die Bühne gebracht von Lisa Hörtnagl, in ein dunkles Licht taucht und sie leicht blasphemisch im Zwischenraum von Hure und Heiliger verortet.

Da sich Sogwirkung und Intensität partout nicht einstellen wollten, blieben Fatalismus und Düsternis als Hauptelemente übrig. Bei genauerer Betrachtung erwiesen sich diese aber als wenig substanziell. Francesco Cirolini spielte bedeutungsschwer den Trinker und unter Potenzstörungen leidenden Lex, während Helmuth A. Häusler mit konziser Mimik als Jogg den untreu werdenden Ehemann gab. Unterstützt wurden die Bühnenfiguren von dezenten Schneefall-Effekten, eher dilettantisch anmutenden Sounds und Off-Stimmen, die den stetig rauer werdenden Ton der Frau gegenüber noch unterstreichen und die kippenden Stimmung illustrieren sollten.

Gut gemeint konterkarierten diese Stimmungserzeuger und Atmosphäre-Setzer die insgesamt gute Schauspielleistung der Agierenden. Statt dass diese Elemente dazu beitrugen das Publikum in die dunkle Geschichte hineinzuziehen, hielt es sie zunehmend auf Distanz und machte auch die eher schwächere Schauspiel-Performance etwa von Edwin Hochmuth alias Much gut sichtbar.

Der Applaus fiel anfangs verhalten aus, was womöglich nicht an der schweren Verdaulichkeit des Stücks lag, sondern an der intuitiven Wahrnehmung des anwesenden Publikums, dass bei der gestrigen Inszenierung in Telfs viel Potenzial verschenkt wurde. Dass es dennoch Begeisterungsbekundungen für die Hauptdarstellerin Lisa Hörtnagl, Francesco Cirolini und den anwendenden Felix Mitterer gab, vermochte diesen Eindruck nicht abzumildern.

(S E R V I C E - „Die wilde Frau“ von Felix Mitterer. Regie: Klaus Rohrmoser, Kostüme: Andrea Kuprian, Bühne: Karl-Heinz Steck. Mit: Lisa Hörtnagl (Frau), Helmuth A. Häusler (Jogg), Peter Mitterrutzner (Hias), Francesco Cirolini (Lex), Edwin Hochmuth (Much), Lucas Zolgar (Wendel). Nächste Vorstellungen am 30.7., 3., 4., 5. (17 Uhr) 6., 9., 10., 14., 15., 16., 20., 21., 24., 25., 26., 27. August um 19.30 Uhr, http://www.volksschauspiele.at/)


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