„Jugend Eine Welt“: Kinderhandel hat alarmierendes Ausmaß angenommen

Wien (APA) - Der weltweite Handel mit Kindern und Jugendlichen hat dem Hilfswerk „Jugend Eine Welt“ zufolge ein alarmierendes Ausmaß angenom...

Wien (APA) - Der weltweite Handel mit Kindern und Jugendlichen hat dem Hilfswerk „Jugend Eine Welt“ zufolge ein alarmierendes Ausmaß angenommen. Mit Jahresumsätzen von geschätzten 29,4 Milliarden Euro zähle dieser zu den einträglichsten Bereichen des organisierten Verbrechens, berief sich laut Kathpress die Organisation am Freitag in einer Aussendung auf Zahlen der Europol aus dem Jahr 2015.

Weltweit wird am 30. Juli der Tag gegen Menschenhandel begangen. „Leider ist den wenigsten Menschen bewusst, welche gigantischen Ausmaße das Problem Menschenhandel erreicht hat“, sagte Geschäftsführer Reinhard Heiserer. Betroffen seien schätzungsweise 40 Millionen Menschen, zwei Drittel davon jünger als 18 Jahre. „Sie werden zum Betteln oder Stehlen gezwungen, als Arbeitssklaven, Kindersoldaten oder Prostituierte ausgebeutet, müssen nackt vor Webcams posieren und werden als Kinderbräute an viel ältere Männer verkauft.“

In einem „dramatischen Ausmaß“ seien aktuell vor allem junge Flüchtlinge und Migranten auf dem Weg nach Europa von Menschenhandel betroffen. „75 Prozent der Migranten- bzw. Flüchtlingskinder, die über die zentrale Mittelmeerroute nach Europa kommen, sind von Missbrauch, Ausbeutung und Menschenhandel betroffen“, so Heiserer.

Menschenhandel komme praktisch in allen Ländern der Welt vor. Österreich gelte beispielsweise als besonders wichtiges Transitland. Rund 95 Prozent der Opfer hierzulande seien weiblich und stammen aus Rumänien, Bulgarien, Ungarn, der Slowakei, Bosnien und Serbien sowie aus Nigeria, Südasien, China und Südamerika, erläuterte der Geschäftsführer.

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Österreich gehe bei der Bekämpfung von Menschenhandel zwar couragiert vor, doch es gebe weder sichere Schutzunterkünfte noch bundesweit einheitliche Standards für die Betreuung betroffener Kinder, sagte Heiserer. Insofern brauche es mehr Schutz und Hilfe sowie verstärkte Aufklärungsprogramme.

„Jugend Eine Welt“ setzt deshalb in mehreren afrikanischen Ländern verstärkt auf Bildungs- und Aufklärungskampagnen, um zu verhindern, dass Jugendliche blauäugig auf die Versprechen von Menschenhändlern hereinfallen. Denn je geringer der Bildungsgrad eines Jugendlichen ist, desto gefährdeter sei er.

Der Kampf gegen Menschenhandel erfordere eine gut koordinierte Zusammenarbeit von Polizei, Justiz, Jugendämtern, Nichtregierungsorganisationen und vielen weiteren Akteuren, teilte das Hilfswerk mit. Für Schutz und Hilfe von Betroffenen stehe oftmals aber viel zu wenig Geld zur Verfügung, kritisierte „Jugend Eine Welt“.


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