Pakistan: Menschenrechtler in Sorge nach Imran Khans Wahlsieg

Islamabad (APA) - Der frühere Cricketstar Imran Khan (65) ist Pakistans künftiger Premierminister. Seine Partei „Pakistan Tehreek-e-Insaf“ (...

Islamabad (APA) - Der frühere Cricketstar Imran Khan (65) ist Pakistans künftiger Premierminister. Seine Partei „Pakistan Tehreek-e-Insaf“ (PTI) ging aus der Parlamentswahl am Mittwoch als stärkste Kraft hervor, wie pakistanische Medien am Freitag berichten. Die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ (GfbV) zeigte sich laut Kathpress besorgt über die Zukunft der religiösen und ethnischen Minderheiten in Pakistan unter Khan.

Khan wird eine Koalitionsregierung bilden müssen, da er nicht die absolute Mehrheit der Parlamentssitze gewonnen hat. Die unterlegene ehemalige Regierungspartei „Pakistan Muslim League“ (PML-N) sprach von Wahlbetrug; sie wolle das Wahlergebnis nicht anerkennen, hieß es.

Es werde „keine Liberalisierung der drakonischen Blasphemie-Vorschriften und keinen wirksameren Schutz von Christen vor islamistischer Gewalt geben“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Freitag in Göttingen. Der frühere Playboy und Frauenheld Khan sei in den vergangenen Jahren immer religiöser geworden und stehe heute streng islamischen Parteien nahe.

Auch mit Blick auf die ethnische Minderheit der Belutschen äußerte die GfbV Besorgnis. Khan gelte als „Mann der Armee“, die seit Jahren mit aller Gewalt Menschenrechte in Belutschistan verletze und Belutschen verfolge. Die Hoffnung, dass die Straflosigkeit dort beendet werde, sei durch seinen Wahlsieg zerschlagen worden. „Da Imran Khan als großer Bewunderer des türkischen Autokraten Recep Tayyip Erdogan gilt, ist auch nicht zu erwarten, dass sich Pakistan in Sachen Menschenrechte und Demokratie weiterentwickelt“, warnte Delius.

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Khan hatte im Wahlkampf ein „neues Pakistan“ und einen „islamischen Wohlfahrtsstaat“ nach dem Vorbild des Propheten Mohammed und der Vision des Gründers von Pakistan, Mohammed Ali Jinnah, versprochen. Zudem will er nach eigenen Aussagen die Vormachtstellung des Militärs in der Politik Pakistans brechen. Doch hatte er die Wahl mit massiver Unterstützung der Armee gewonnen. Die Generäle hatten vor der Wahl die Medien des Landes angewiesen, keine kritische Berichterstattung über Khan und die PTI zu veröffentlichen.

Den Wahlkampf hatte er auch mit stark religiösen Tönen geführt. Im Jänner heiratete Khan die 39 Jahre alte, tiefreligiöse Sufi-Anhängerin Bushra Maneka, die in der Öffentlichkeit nur verschleiert auftritt. Die beiden früheren Ehefrauen des einstigen Cricketstars trugen dagegen freizügige westliche Mode.


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