Imran Khan - Playboy, Sportstar und jetzt Wahlsieger in Pakistan

Islamabad (APA/dpa) - Vielleicht war es die Aufregung. Als Imran Khan den Stempel auf seinen Wahlzettel drückte und so seine Stimme bei der ...

Islamabad (APA/dpa) - Vielleicht war es die Aufregung. Als Imran Khan den Stempel auf seinen Wahlzettel drückte und so seine Stimme bei der pakistanischen Parlamentswahl am Mittwoch abgab, tat er dies verbotenerweise umringt von Dutzenden Kameras und Mobiltelefonen. Geht nicht, befand die Wahlkommission und zitierte ihn für die Folgewoche in ihr Büro. Das Stimmgeheimnis müsse gewahrt bleiben, sagten die Offiziellen - und drohten, seine Stimme zu annullieren.

Aber eine Stimme weniger dürfte Imran Khan nicht groß ärgern. Seine Partei Bewegung für Gerechtigkeit (PTI) hat die Parlamentswahl in der südasiatischen Atommacht mit großem Vorsprung gewonnen - vor der bisherigen mächtigen Regierungspartei Pakistanische Muslim-Liga (PML-N). Sollte der 65 Jahre alte Khan genug Partner für eine Regierungsmehrheit finden, verwirklicht sich sein „lange gehegter“ Traum: Ministerpräsident von Pakistan zu werden.

Khans letzter ganz großer Erfolg liegt 26 Jahre zurück. 1992, im Alter von 40 Jahren, ging er als Kapitän des Kricket-Nationalteams in die Sport-Geschichte seines Landes ein, als er Pakistan zum ersten und bisher einzigen Mal zum Weltmeistertitel führte.

Khan wuchs in einer Familie der oberen Mittelschicht in Lahore auf und besuchte eine pakistanische Eliteschule. Danach schickten ihn seine Eltern nach Oxford, wo er Philosophie, Politik und Wirtschaft studierte. Gleichzeitig mit seinem Aufstieg zum Kricket-Star wurde er als Playboy bekannt. Mitte der 1990er-Jahre aber legte er seine westliche Oberschichtkleidung ab - und trug fortan einen zumeist weißen Shalwar Kamiz - ein bis zu den Knien reichendes langes Oberhemd mit Hose, die Kleidung des einfachen Mannes in Pakistan.

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1996 gründete Khan die PTI, politisch widmete er sich dem Kampf der Korruption der alteingesessenen Polit-Dynastien. Doch anfangs hatte er wenig Erfolg, im Jahr der Gründung errang seine Partei bei der Wahl keinen Parlamentssitz. 2002 dann wurden von seiner Partei lediglich er und ein zweiter PTI-Kandidat in die Nationalversammlung gewählt. 2008 boykottierte Khan die Wahl.

Immer öfter begann er von der Religion und seinem wieder gefundenen Glauben zu sprechen. Seine Positionen wurden konservativer. Bald wurde er als „Taliban-Khan“ verspottet, weil er gegenüber den radikalislamischen Taliban wiederholt versöhnliche Töne anschlug oder deren Positionen verharmloste.

Bei der Wahl 2013 bekam die PTI schließlich starke sieben Millionen Stimmen. Die PTI ging auf nationaler Ebene in die Opposition, in einer nordwestlichen Provinz stellte sie die Regierung.

In den vergangenen fünf Jahren zeigte Khan wenig Interesse an politischer Detailarbeit. Selten tauchte er im Parlament auf. Er führte lieber Protestmärsche gegen die Regierung von Nawaz Sharif an. Es war auch Khans PTI, die nach den Enthüllungen der „Panama-Papers“, die Hinweise auf Geldwäsche enthielten, den Obersten Gerichtshof aufforderte, Untersuchungen gegen Sharif aufzunehmen. Der Ex-Premier sitzt nun wegen Korruption in Haft.

Doch auch Khans Shalwar Kamiz blieb nicht weiß - seiner Partei wurde Günstlingswirtschaft vorgeworfen. Parteigänger hätten immer wieder Regierungsaufträge erhalten, vor allem Bergbaulizenzen, hieß es. Auch politische Versprechen blieb Khans PTI schuldig.

Es heißt, das mächtige pakistanische Militär spiele schon seit längerem den Steigbügelhalter für Khans Aufstieg, indem es ihm kritisch gegenüberstehende lokale Medien einschüchtere und gemeinsam mit der pakistanischen Justiz seinen Hauptkonkurrenten Sharif verfolge.

„Gehe Kompromisse für deinen Traum ein, aber mache keine Kompromisse, was deinen Traum angeht“, hat Khan einmal gesagt. Dass er Kompromisse für seinen eigenen Traum in Form eines Pakts mit dem Militär eingegangen ist, der seine Entscheidungsfreiheit als Premier einschränken könnte, bestreiten aber beide Seiten.


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