Fußball: Schiedsrichter haben vor Liga-Start „Hausaufgaben gemacht“

Wien (APA) - Der Start in die neue Fußball-Bundesliga-Saison bedeutet nicht nur für die Clubs eine neue Herausforderung. Auch die Referees w...

Wien (APA) - Der Start in die neue Fußball-Bundesliga-Saison bedeutet nicht nur für die Clubs eine neue Herausforderung. Auch die Referees wollen sich in der kommenden Spielzeit von ihrer besten Seite präsentieren, wie Robert Sedlacek, der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission, gegenüber der APA erklärte. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, betonte der 63-Jährige.

In einem kürzlich abgehaltenen Lehrgang bekamen die Unparteiischen noch einmal letzte Informationen und Anweisungen über die wohl wichtigsten Themen der nächsten Monate. Im Mittelpunkt stand dabei das Handspiel. „Natürlich kann man nicht immer zu 100 Prozent sagen, wann bei einer Aktion auf Handspiel zu entscheiden ist oder nicht“, sagte Sedlacek. Es gebe aber bestimmte Richtlinien: Sollte sich etwa die Hand bei der Ballberührung über der Schulter befinden, sei dies zu ahnden.

Außerdem wurde klargestellt, dass ein mit der Hand erzieltes Tor keinesfalls zu geben ist. „Wenn der Ball zum Beispiel von der Stange zurückprallt, den Spieler an der Hand trifft und dann ins Tor geht, ist dieser Treffer abzuerkennen. Das versteht jeder, der mit Fußball zu tun hat“, meinte der Schiedsrichter-Boss. In der Vorsaison bugsierte Rapids Stefan Schwab in Mattersburg den Ball unabsichtlich mit der Hand ins gegnerische Netz, das Tor wurde gewertet und Rapid siegte 1:0 - ein derartiges Szenario soll es laut Sedlacek nicht mehr geben.

Ein besonderes Augenmerk wird auch auf besonders harsche Attacken gelegt. „Wir wollen die Spieler vor Brutalität und übertriebener Härte schützen“, sagte Sedlacek, der sich auch eine entschiedene Vorgehensweise gegen taktische Fouls wünscht. Ziel sei es, generell die Fehlpfiffquote zu minimieren. „Es hat in der letzten Saison zu viele klare Fehlentscheidungen gegeben, die aber in der Öffentlichkeit nicht so publik geworden sind, weil sie keinen Einfluss auf den Ausgang des Spiels genommen haben“, bemängelte der Wiener Verbandschef.

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Hier könnte der Videobeweis Abhilfe schaffen - auf den man in Österreich aber noch lange warten muss. „Die Schiedsrichter stehen dem positiv gegenüber. Doch zuerst muss die Liga evaluieren, was es kostet, dann muss geregelt werden, wer zahlt, und dann braucht es noch ein Jahr Vorlaufzeit“, umriss Sedlacek den Zeitplan.

Vorerst bleibt es dabei, dass sich heimische Schiedsrichter auf ihre eigenen Eindrücke und jene ihrer Assistenten verlassen müssen und dabei so fehlerlos wie möglich bleiben sollten. „Aber man kann niemanden verdammen, wenn eine Entscheidung schiefgeht. Das passiert auch den Allerbesten“, meinte Sedlacek.

Deshalb appellierte der Wiener schon jetzt an die Spieler und Trainer, sich in punkto Kritik zurückzuhalten. „Wir werden nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, aber ein gewisser Respekt ist notwendig.“ Dies gelte selbstverständlich auch umgekehrt im Verhalten der Referees gegenüber Vereinsvertretern, denn einem selbstherrlichen Auftreten von Schiedsrichtern kann Sedlacek nichts abgewinnen. „Wir brauchen keinen wilden Mann auf dem Spielfeld, sondern einen, der das Spiel lenkt. Einen, der Spielleiter, aber nicht Richter ist.“

Erreicht werden soll das mit Referees, die allesamt schon in der vorigen Bundesliga-Saison im Einsatz waren. An Erfahrung im heimischen Oberhaus mangelt es also nicht, dafür aber fehlt die Expertise aus großen internationalen Turnieren - seit Konrad Plautz bei der Heim-EURO 2008 gab es keinen österreichischen Unparteiischen mehr bei Welt- oder Europameisterschaften. „Wir gehören nicht zur absoluten Spitze, was wahrscheinlich auch an der Wertigkeit der Liga liegt. Aber wir sind bestrebt, diesen einen zu finden, der zu einer Endrunde fährt“, erklärte Sedlacek.


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