Segeln: Zajac steuert bei WM Nacra17-Quotenplatz für Olympia an

Aarhus/Wien (APA) - Im Segelsport geht es ab Donnerstag bei den Weltmeisterschaften der Olympische Bootsklassen vor Aarhus bereits um ein er...

Aarhus/Wien (APA) - Im Segelsport geht es ab Donnerstag bei den Weltmeisterschaften der Olympische Bootsklassen vor Aarhus bereits um ein erstes Kontingent an Quotenplätzen für Tokio 2020. Um einen der acht von insgesamt 20 Startplätzen bei den Sommerspielen in der Nacra17-Klasse werden auch Thomas Zajac und Barbara Matz kämpfen. Auf die weitere Planung würde sich ein nicht heuer geholtes Olympiaticket auswirken.

„Wir haben schon bewiesen, dass wir vorne reinfahren können. Drinnen ist es, aber wir müssen abliefern“, sagte Zajac zur APA - Austria Presse Agentur. „Wir haben kein Backup. Wenn der beste Engländer einen Aussetzer hat, wird der zweite oder dritte Engländer das Ticket holen. Wenn wir das Ticket nicht für Österreich holen, dann holt es keiner. Idealerweise gibt es zwei Teams, wir hoffen, das auch bei uns Junge nachkommen, es schaut aber eh danach aus.“ Die restlichen Nationentickets gibt es erst Ende 2019 und weil dann nach Kontinenten vergeben wird, bleiben für Europa nur noch zwei übrig.

Um sich verstärkt und gezielt in und für Aarhus vorzubereiten, verzichteten Zajac/Matz auf die EM-Teilnahme. Mit dem argentinischen Team ging man eine Sparringpartnerschaft ein, vom Olympia-Goldmedaillen-Duo Santiago Lange/Cecilia Carranza Saroli ist „Santi“ als langjähriger Tornado-Trainingspartner und Konkurrenz der Doppelolympiasieger Roman Hagara/Hans Peter Steinacher ein Altbekannter. Die Kooperation hat volle Unterstützung des Österreichischen Verbandes.

„Ich glaube, dass das eine starke Trainingspartnerschaft ist, weil jeder Vor- und Nachteile hat, Santi sehr erfahren ist und wir zwei Topteams sind. Außerdem sind wir jeweils alleine, da gibt es anders als bei den Franzosen etwa keinen Know-how-Austausch im eigenen Land. So müssen wir einen direkten Konkurrenten mit stark machen, aber das gehört dazu, um zu wachsen“, weiß Steuermann Zajac. Geplant wird gemeinsam bis zu Olympia 2020. „Wir sind nach der WM für fünf Wochen gemeinsam in Japan und trainieren den Winter über in für uns neuen Revieren in Südamerika. Dabei ist Uruguay, weil es was Wellen und Wind betrifft Ähnlichkeiten zu Tokio hat.“ Im Olympiarevier von 2020 gehen diesen Herbst ein Weltcup und die Preolympics in Szene, danach folgt für Zajac/Matz der Asia Cup in Shanghai.

In Aarhus wartet ein Flachwasserrevier mit sehr drehenden Bedingungen und schwierig zu berechnen. „Es wird sicher jeder irgendwo Fehler einbauen, wir erwarten toughe Weltmeisterschaften“, sagte Zajac. Wegen der Ähnlichkeiten zu Kiel hatte man sich auch entschlossen, dort den letzten Regattatest zu machen, den man im Weltklassefeld als Dritter abschloss. Mit der Saison insgesamt war das österreichische Team sehr zufrieden, das Material für Aarhus wurde in Kiel mit dem Olympia-Mast und Olympia-Großsegel gefunden.

Bei den Sommerspielen 2016 in Rio gewann Zajac mit Vorschoterin Tanja Frank die Bronzemedaille, diese ist nun im 49erFX am Steuer. Für Zajac sind die Situationen vor Rio und nun vor Tokio nicht vergleichbar, mit seiner neuen Partnerin klappt alles sehr zufriedenstellend. „Tanja und ich waren zusammen neu auf dem Boot und sind zusammen gewachsen. Dieses Mal ist es auch deshalb anders, weil die Konkurrenz stärker und viel dichter ist. Einige Nationen waren damals kein Thema, jetzt ist die Nationenbreite mehr da, weil es das Boot schon länger gibt. Und viele sind auf diese Bootsklasse aufgesprungen, weil es als einzige olympische Klasse foilend ist. Und weil die Zukunft wahrscheinlich Foiling bedeutet.“

Beim spektakulär aussehenden Foilen heben die scharfkantigen Tragflügel das Boot aus dem Wasser. Es hat bereits mehrere schwere Unfälle gegeben, die Verletzung-Grade reichten bis zu abgetrennten Körperteilen. „Es ist immer dasselbe. Wenn du vom Boot fällst, wirst du von den Foils überfahren, vor allem vom Ruder, das ist eher das Gefährliche. Das Ruder hat hinten einen Flügel, der ist spitz und bohrt sich in den Körper, fährt weiter und schneidet dich auf“, berichtete Zajac.

Messer zum Losschneiden aus Trampolin und Seilen, Helme und Protektoren sind mittlerweile für die „fliegenden“ Segler Pflicht. „Wenn man sich die Dellen im Helm anschaut, macht sich das bezahlt. Bei der Babsi schaut es aus, als ob sie einen Hagelschaden hätte“, meinte er lachend. Es werde derzeit auch überlegt, eine mit Kevlar verstärkte Unterwäsche zu tragen, weil sich die Schnittwunden so gehäuft hätten. „Sie wollten einführen, dass wir auch mit kleinen Sauerstoffflaschen fahren, aber das haben sie nicht durchgebracht.“ Trotz allem sei der Schritt zum Foilen richtig gewesen, man müsse sich aber um das Drumherum Gedanken machen und sicherere Foiling-Systeme bauen.


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