Feuerkraft und gut geölt: Judas Priest in der Wiener Stadthalle

Wien (APA) - Mit „Firepower“ haben Judas Priest am Samstag in Wien ihr Konzert eröffnet - Feuerkraft hat die Institution des Heavy Metal tat...

Wien (APA) - Mit „Firepower“ haben Judas Priest am Samstag in Wien ihr Konzert eröffnet - Feuerkraft hat die Institution des Heavy Metal tatsächlich noch genug. Die Jahre forderten zwar von der klassischen Besetzung Tribut und machten Umbesetzungen nötig. Aber die neuen Gitarristen gaben in der Stadthalle die Parts ihrer Vorgänger akkurat wieder. Und Sänger Rob Halford bleibt mit bald 67 DIE Stimme des Genres.

Auch wenn man ein starkes neues Album („Firepower“) am Markt hat, das beste von Judas Priest seit „Painkiller“ von 1990, konzentrierte sich die Setlist naturgemäß auf Klassiker der britischen Formation, quer durch die meisten Alben - samt seltener gespielter Perlen wie „Saints In Hell“. „Grinder“, „Sinner“ und „The Ripper“, Musterbeispiele aus jener Zeit Mitte bis Ende der 70er-Jahre, als Metal innovativ, aufregend und neu war, folgten auf den Opener und verdeutlichten die Qualität der Formation: hohen, glasklaren und aggressiven Gesang, schneidende Gitarren und treibenden Rhythmen in prächtige Songs zu verpacken.

Der Streifzug durch die Bandgeschichte führte außerdem vor (die wegen der immensen Lautstärke schlackernden) Ohren, wie geschickt Judas Priest innerhalb ihrer als konservativ geltenden Musikrichtung die Stil-Grenzen überschritten haben. Das kommerzielle „Turbo Lover“, von Gitarren-Synthesizern befeuert, reihte sich nahtlos an das hysterische „Tyrant“, gefolgt von der Ballade „Night Comes Down“ und dem Speed-Track „Freewheel Burning“, alles von einer geölte Maschine dargeboten und von den laut Veranstalter 6.000 Fans gleichermaßen bejubelt.

„Wir waren immer sehr vielseitig“, sagte dazu Bassist Ian Hill, das dauerhafteste Mitglied von Judas Priest, auf der Bühne standhaft auf einem Quadratmeter verweilend, im APA-Interview. „Ein Song wie ‚Painkiller‘ erschreckt die Leute, auf der anderen Seite haben wir Lieder im Repertoire, die dich zum Weinen bringen können. Dann gibt es noch das Zeug dazwischen. Aber am Ende ist es alles Heavy Metal.“ Tränen flossen im Publikum wohl eher vor Freude, besonders über besagtes „Painkiller“ mit den fantastischen Powerdrums von Scott Travis, die an den Grundfesten der Halle rüttelten - härter geht‘s kaum, auch nicht im Grunz- und Deathmetal-Nebenzweig.

TT-ePaper gratis lesen und iPhone 11 Pro gewinnen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

Jetzt mitmachen
TT ePaperTT ePaper

Waren die Gitarristen K.K. Downing und Glenn Tipton vor Jahren ohne dem zwischenzeitlichen ausgestiegen Halford als Judas Priest unterwegs, tourt dieser, auch im Sommer konsequent eingehüllt in Leder, nun mit den Neuzugängen Richie Faulkner und Andy Sneap unter diesem Logo. Erster ersetzte den in Pension gegangenen Downing, zweiter Tipton, der kürzlich wegen Verschlimmerung seiner Parkinson-Erkrankung kürzertreten musste. Beide fügten sich perfekt ein, wobei der munter posende Faulkner die Show abzog. Beim Finale mit den Hymnen „Metal Gods“, „Breaking The Law“ und „Living After Midnight“ gesellte sich zur Freude aller Tipton himself dazu. Vielleicht hat das manche der Nietenjacken tragenden und Bierdunst versprühenden Männer im Saal dann doch zu Tränen gerührt...

(S E R V I C E - Internet: judaspriest.com)


Kommentieren