,,Almbotschafter“ zeigen Sorgenfalten

In Serfaus machte der Tiroler Almwirtschaftsverein auf akute Herausforderungen aufmerksam: Bürokratie, Klimawandel, Finanznöte der kleinen Almen, Beutegreifer. BM Greiter stellte Serfauser Erfolgsmodell vor.

In Serfaus praktizieren Tourismus und Landwirtschaft seit Jahren eine erfolgreiche Partnerschaft.
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Von Helmut Wenzel

Serfaus –Mit dem Land werde man ein ernstes Wörtchen reden müssen, hob der Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereins, Josef Lanzinger, am Sonntag in Serfaus hervor. „Auch unsere kleinen Sennalmen haben bei ihrer Butter- und Käseproduktion irrsinnig viele Untersuchungen und Vorschriften einzuhalten, wie eine große Molkerei. Da werden wir das Land Tirol um Unterstützung bitten müssen. Diese Zusatzkosten müssen abgegolten werden.“ Andernfalls sei kostendeckendes Wirtschaften nicht mehr möglich, kleine Milchalmen würden in finanzielle Probleme geraten.

Hitze im Tal, ein angenehmes Lüfterl am Berg: Vor diesem Hintergrund „flüchteten“ Almfreunde aus nah und fern am Sonntag auf rund 1950 Meter Seehöhe – auf die Komperdell-Alpe bei Serfaus. Funktionäre des Almwirtschaftsvereins trafen ein, um heiße Themen aufzugreifen. Auf den Weiden der Umgebung bimmelten Kuhglocken, 180 Milchkühe machen derzeit Sommerfrische im Komperdell-Gebiet.

Bei der gut besuchten Feldmesse vor der Komperdell-Kapelle fand Pfarrer Willi Pfurtscheller kritische Worte zur Hungersnot in aller Welt.
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„Andererseits werden die gesunden Almprodukte immer mehr nachgefragt, von Einheimischen ebenso wie von den Touristen“, argumentierte Lanzinger. „Die Wissenschaft bestätigt die hohe Produktqualität.“ Milch, Butter, Käse und Fleisch vom Almvieh hätten den höchsten Anteil an gesunden Omega-3-Fettsäuren und Vitaminen. Eine faire Abgeltung der Leistungen sei nötig, um die Almbauern weiterhin zur beschwerlichen Arbeit zu motivieren. „Sie stehen um drei Uhr in der Früh auf und fallen abends um 10 Uhr ins Bett.“

Auch am aktuellen Thema Beutegreifer kam der Obmann nicht vorbei. „Der Wolf wird ein Riesenproblem für die Almwirtschaft. Fiss ist leider davon betroffen. Almwirtschaft und Wolf, das funktioniert nicht.“ Im dicht besiedelten und touristisch genutzten Ostalpenraum habe der Wolf keinen Platz. Diesen Standpunkt würden auch Nationalpark-Experten in den USA teilen.

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Bezirksbauernchef Elmar Monz machte auf Probleme wegen der andauernden Trockenheit im Bezirk aufmerksam.
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Mit dem Klimawandel und der momentan extremen Trockenheit in Teilen des Bezirkes Landeck befasste sich Bauernchef Elmar Monz. Einige Regionen müssten mit einem Totalausfall beim zweiten Grasschnitt rechnen und mehr Futter zukaufen. „Der trockene Boden ruiniert den Pflanzenbestand. „In nächster Zeit warten große Aufgaben auf uns, wie wir das bewältigen.“ Mit der Klimaerwärmung werde man sich intensiver beschäftigen müssen. Monz schlug verstärkten Einsatz von Beregnungsanlagen und „Nachsaat“ vor. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen solle der Bezirk weiterhin auf Regionalität setzen, plädierte der Bauernchef. „Das ist unsere Stärke.“

Dass der Tiroler Almwirtschaftsverein zum zweiten Mal in Serfaus gastiere, sehe er als „Wertschätzung des Serfauser Modells“, sagte Bürgermeister Paul Greite­r. „Ich glaube, nirgendwo ist es besser spürbar als bei uns, dass Landwirtschaft und Tourismus eine Schicksalsgemeinschaft sind.“ Gegenseitiges Verständnis und Unterstützung seien Voraussetzung für den gemeinsamen Erfolg, erläuterte er. Seit 50 Jahren praktiziere man eine Gesprächskultur auf gleicher Augenhöhe. Serfaus hat 40 aktive Bauern und erzielt 1,2 Mio. Nächtigungen im Jahr.


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