Rise Against: Vom Orchester ausgebremst

Schmalz statt Intensität: „Rise Against“ veröffentlichen ihr erstes Akustikalbum.

Normalerweise mit mehr Drive unterwegs: Rise Against legen erstmals ein Akustikalbum mit alten Songs in neuem Gewand vor.Foto: AFP/McIntyre
© GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Innsbruck –Seit 18 Jahren sind sie das gute Gewissen der USA. Die Chicagoer Combo Rise Against hat eben viel zu sagen, zu Tierrechten, Flüchtingskrise und sozialer Ungerechtigkeit. Das Engagement kauft man ihnen aber ab, die Szene schätzt die Philosophie des Quartetts.

Wie es sich für eine inzwischen volljährige Rockband eben gehört, muss irgendwann auch ein Akustikalbum auf den Markt gebracht werden. Auch das kann Rise Against mit dem frisch erschienenen, ruhigen Longplayer „Ghost Note Symphonies, Vol. 1“ nun von ihrer To-do-Liste abhaken.

Angefangen hatte alles um einiges härter: Gegründet wurde das musikalische Projekt 1999 von Sänger Tim McIlrath und Bassspieler Joe Principe. Letztgenannter kam damals von 88 Finger Louie, die die Chicagoer Hardcore/Punk-Szene mitbegründet hatten. Erste Unterstützung erhielt Rise Against beim Label von Nofx-Bassist Fat Mike. Obwohl die Band von Anfang an sehr melodische Stücke schrieb und von den großen US-Punkgrößen (etwa Bad Religion) inspiriert wurde, behielt sie in Rhythmik und Effekten gewisse Hardcore-Elemente bei. Gut, dass McIlraths Stimme beides kann: laut und leise.

Zur Geltung kommt das im aktuellen Akustikalbum. Gewildert wird hierfür im eigenen Repertoire: Der Song „The Violence“ vom letzten Longplayer „Wolves“ eröffnet die neue Platte. Und zeigt: Powerchords funktionieren auf der Akustikgitarre. Die Streicher lassen dann aber nicht lange auf sich warten – der Begriff „Symphonien“ im Titel ist also nicht umsonst gewählt. Um Drive bemüht sich das Streichorchester zwar, Emotionen erzeugt vor allem die Stimme von McIlrath, die in dieser Version noch stärker zum Ausdruck kommt.

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Beim zweiten Track „Audience of One“ (im Original auf dem 2008er Album „Appeal to Reason“) meint man beim Intro sogar, man hätte versehentlich zu Alanis Morissette weitergeklickt. Das nachfolgende „Faint Resemblance“ von 2001 bringt eine Ukulele ins Spiel. Besonders in puncto Percussion wird gespart, erst beim vierten Titel kommt Drummer Brandon Darnes zum Einsatz. Alles Überraschungen, die nicht unangenehm auffallen: Das Album hätte ein nettes Unplugged-Live-Album werden können. Bei einigen Nummern funktioniert der Anspruch, die Songs bekommen einen neuen Charakter. Bei anderen ist der Akustikanzug mit hochtrabender Orchestrierung aber zu dick aufgetragen. Die Texte wirken noch belehrender; diesen aufgekochten Pathos will man der Band nicht mehr so gerne abnehmen. (bunt)

Akustikrock Rise Against. The Ghost Note Symphonies, Vol.1, Capitol


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