Ein Netz der Fürsorge gespannt

Missionsärztliche Schwestern aus aller Welt besuchten die Heimat ihrer Ordensgründerin Anna Dengel in Steeg. Pfarrer Baumgartner verlangte „Antworten auf die Nöte der Zeit“.

© Nikolussi hans

Von Hans Nikolussi

Steeg –Als kleine Skulptur einer Klosterschwester, mit einem Stethoskop um den Hals, sich auf einen Äskulapstab stützend, auf einem Sockel mit dem Herzen Jesu – so „präsentierte“ sich Mutter Anna Dengel am Wochenende mitten unter ihren „Kolleginnen“ aus aller Herren Länder, als die sich in der Pfarrkirche St. Oswald einfanden. Mehr als 40 Missionsärztliche Schwestern (Medical Mission Sisters, MMS) aus 17 Ländern trafen sich zu einem interkulturellen Austausch in Europa, vom deutschen Ableger in Berlin organisiert. Da durften natürlich ein Besuch im Heimatort und die Besichtigung des Geburtshauses der Ordensgründerin in der Oberlechtaler Gemeinde nicht fehlen. Aus ihren Wirkungsstätten von England bis Uganda, von Peru bis Vietnam waren sie gekommen und wurden von Bischofsvikar Jakob Bürgler, Pfarrer Karlheinz Baumgartner, Bürgermeister Günther Walch und Reinhard Heiserer vom Verein „Freunde Anna Dengel“ begrüßt. Alle vier zeigten sich stolz, den Schwestern die Heimat der großen Sozialpionierin vorstellen zu dürfen.

Beim Besuch der Schwestern in Steeg wurde auch auf das kurz vor der Fertigstellung stehende Bühnenstück aus der Feder von Claudia Lang hingewiesen. Die Aufführung der Geierwally-Freilichtbühne in der Bernhardstalschlucht von Elbigenalp wird das Leben der Sozialpionierin aus dem Lechtal im kommenden Jahr beleuchten.

Der in Wien lebende Obmann des Vereins „Freunde Anna Dengel“, Reinhard Heiserer, ebenfalls gebürtiger Außerferner und sozial mit „Jugend – eine Welt“ engagiert über Anna Dengel: „Das Werk dieser überaus bemerkenswerten Frau zu ehren und auch weiterhin zu unterstützen, ist unserem Verein ein großes Anliegen. Ob in Ghana, Indien oder Peru. Es ist einfach wunderbar, zu sehen, wie von Tirol aus ein Netz der Fürsorge in die ganze Welt getragen wurde, von einer kühnen, aber bescheidenen Frau, die vorwärtsstrebte und doch am Boden blieb.“

Pfarrer Baumgartner berichtete von seiner Begegnung mit Anna Dengel in Innsbruck und richtete nicht nur an die Schwestern den Appell mit einer Aussage der Lechtalerin: „Ihr müsst Antwort geben auf die Nöte eurer Zeit. Die Nöte werden sich nicht euch anpassen.“

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Für die herzliche Aufnahme im privaten Bereich bedankte sich Schwester Kristina Wolf, die Leiterin der deutschen MMS, bei der Bevölkerung von Steeg.

Die Ordensgründerin wurde als ältestes von neun Kindern 1892 in Steeg geboren, starb im April 1980 und liegt auf dem „Campo Teutonico“ in Rom begraben. Schon in jüngsten Jahren war sie vom Gedanken, Ärztin und Missionarin zu werden, beseelt und setzte alles daran, ihren Traum zu verwirklichen. An der katholischen Universität von Cork in Irland erlangte sie 1919 ihren Doktortitel als eine der ersten österreichischen Frauen, bemühte sich um ein Visum für Indien und landete in Rawalpindi, damals noch zu Indien gehörig, heute zu Pakistan. Dort erlebte die junge Ärztin unsägliches Leid, Krankheit und Sterben.

Sie erwog den Eintritt in einen Orden, doch das hätte zum damaligen Zeitpunkt das Ende ihrer ärztlichen Tätigkeit bedeutet. Es reifte der Plan, eine eigene Gemeinschaft zu gründen. 1925 begannen die „Missionsärztlichen Schwestern“ in den USA gegen den Widerstand konservativer Kirchenkreise mit ihrer segensreichen Arbeit. Erst 1936 wurde den Ordensfrauen der ärztliche Dienst offiziell erlaubt. Die Gemeinschaft wuchs rasch. Heute wirken rund 500 Schwestern in Indien, Pakistan, Indonesien, auf den Philippinen, in Äthiopien, Ghana, Kenia, Malawi, Uganda, Peru, Venezuela, den USA, England, den Niederlanden und Deutschland. Der Orden hat NGO-Status bei der UNO und kümmert sich neben medizinischen Belangen um viele andere soziale Projekte in allen Weltgegenden.


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