Neue Heimat baut für Hoteliers

Ein soziales Wohnbauprojekt in Gerlos beinhaltet 115 Personalwohnungen, die an Wirte verkauft werden sollen. Das sei billige Immobilienbeschaffung für Hoteliers, wettern Kritiker. Die Neue Heimat sieht das anders.

Der 63-jährige Milovan leitete bis 1992 ein Hotel in Umag an der kroatischen Adriaküste. Heute arbeitet er im Ägidihof in Igls.
© Andreas Rottensteiner / TT

Von Angela Dähling

Gerlos –Es ist ein riesiges Projekt für die 790 Einwohner zählende Gemeinde Gerlos: 140 Wohnungen und 200 Stellplätze sollen von der Neuen Heimat Tirol (NHT) am linken Gerlosbachufer unweit des Hotel Waldhof errichtet werden. Bereits im Jänner fand die mündliche Verhandlung über den Bau von sechs neungeschoßigen Wohnhäusern samt Tiefgaragen auf einer Fläche von knapp 9200 m² statt. Das Areal gehört den Bundesforsten. Auf einer Parzelle soll auf Baurechtbasis gebaut werden, die zwei anderen Parzellen sollen um 100 Euro/m² an die Neue Heimat verkauft werden. Obwohl das Projekt seit 2010 im örtlichen Raumordnungskonzept verankert ist, sei der Grund bis dato weder gewidmet noch gekauft, wie Engelbert Spiß von der Neuen Heimat auf Anfrage der TT erklärt. Es laufen auch noch Erhebungen zur Befestigung des Hanges.

Der Akt ist zudem ein Fall für den Verwaltungsgerichtshof, nachdem ein Bauer Einspruch erhoben hat. „Ich habe zugestimmt, für den sozialen Wohnbau auf meine Weiderechte zu verzichten. Aber tatsächlich handelt es sich hier um eine billige Immobilienbeschaffung für Wirte unter dem Deckmäntelchen sozialer Wohnbau“, wettert der Zillertaler, der weitere Nutzungsrechte auf dem Areal hat. Errichtet werden sollen 14 Eigentumswohnungen, 11 Mietwohnungen und 115 Personalwohnungen. Letztere werden verkauft. „Ein Hotelier kauft ein ganzes Haus und die Gemeinde baut eine neue Brücke zur Erschließung“, weiß er. Bürgermeister Andreas Haas sieht darin kein Problem: „Für uns ist es wichtig, dass Mitarbeiterwohnungen gebaut werden. Ich finde nichts Verwerfliches dabei und wir sind heilfroh, dass die Neue Heimat das alles abwickelt.“ Das sei sinnvoller, als das Projekt zu filetieren.

Wie aber passt gemeinnütziger Wohnbau und der Verkauf ganzer Häuser an Hoteliers zusammen? Zumal die gemeinnützigen Wohnbauträger angewiesen sind, günstig zu bauen und lediglich kostendeckend zu vermieten und zu verkaufen (siehe Kasten rechts). Engelbert Spiß betont, noch seien viele Dinge offen, und bestätigt, der Verkauf der subjektgeförderten Personalwohnungen sei Plan. „Es handelt sich um geförderte Dienstnehmerwohnungen, für die es steuerrechtlich und die Größe betreffend klare Regelungen gibt“, sagt Spiß. Freizeitwohnsitze seien nicht möglich. Wie viel Miete der Hotelier von seinem Mitarbeiter für die Wohnung verlangt bzw. wie viel Lohnabzug dafür fällig wird, wisse er aber nicht. „Das haben wir nicht in der Hand“, sagt Spiß. Die NHT habe noch andere zu verkaufende Personalwohnungen in Planung. Fertig gestellt seien bisher keine. Spiß: „Unser Kerngeschäft ist das nicht.“

Gemeinnützigkeit

Das Prinzip: In Österreich existieren ca. 180 gemeinnützige Wohnbaugesellschaften. Sie unterliegen dem Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz (WGG) und zahlen keine Körperschaftssteuer. Grundprinzip der Wohnungsgemeinnützigkeit ist die Kostendeckung bei der Kalkulation der Wohnungsmiete bzw. des Verkaufspreises von Eigentumswohnungen.

Nicht gewinnorientiert: Gewinne müssen wieder für gemeinnützigen Wohnbau – z. B. für die Anschaffung von Grundstücken – eingesetzt werden. Im geförderten Wohnbau müssen angemessene Grundstückskosten beim Kauf der Baugrundstücke und angemessene Baukosten bei der Errichtung der Wohnanlagen eingehalten werden.

Keine Förderungspflicht.

Es gibt objektgeförderte und subjektgeförderte Wohnanlagen. Letztere müssen nicht zur Gänze die Wohnbauförderungsrichtlinien erfüllen und dürfen ohne Inanspruchnahme der Wohnbauförderung gekauft werden. Vermietet der Käufer sie, gelten WWG-Richtlinien für die Miethöhe.


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