Grettert mausert sich zum Stadtteil

Die einstige Südtiroler-Siedlung ist neu errichtet. Die Neue Heimat erweitert ihr Angebot von 86 auf stattliche 171 Wohnungen und verändert dadurch das Gesicht der Bezirkshauptstadt.

Am Grettert kann die Stadt Imst 171 Wohnungen vergeben.
© Parth

Von Thomas Parth

Imst –Die ehemalige Südtiroler-Siedlung am Grettert in Imst wurde noch während der Kriegsjahre ab 1940 errichtet. Es entstanden damals 86 Wohnungen für Südtiroler Optanten. Auch nach dem Krieg blieben die Gebäude bewohnt und bildeten das, was man gerne als eine klassische Arbeitersiedlung bezeichnet. Die gesamte Siedlung wurde nun vom gemeinnützigen Wohnbauträger Neue Heimat (NHT) großteils abgerissen und wieder neu errichtet und um weitere Gebäude auf heute 171 Wohnungen erweitert. Die Gesamtkosten für dieses so genannte „Reconstructing“ belaufen sich auf rund 27 Millionen Euro.

„Die Südtiroler-Siedlung wurde während einer schwierigen Zeit gebaut, als nicht gerade die besten Materialien zur Verfügung standen“, erinnert Engelbert Spiß, der Technische Leiter der NHT. Zuständig für Neubauten und Sanierungen, hat Spiß die Arbeiten während der vergangenen acht Jahre begleitet: „Wir haben die Anlage in vier Bauabschnitte gegliedert. Der erste Spatenstich fand vor acht Jahren statt, wobei alle zwei Jahre ein neuer Abschnitt dazugekommen ist. Für die letzten beiden zeichnete das Architektenduo Ewerz-Gamper oder teamk2 verantwortlich.“

Die alten, schlecht gebauten Gebäude der Südtiroler-Siedlung mussten neuen Baustandards weichen.
© Daum

Für die Stadtgemeinde, vertreten durch BM Stefan Weirather, sei mit der Grettert-Siedlung de facto ein neuer Stadtteil entstanden. Die Stadt trage der großen Nachfrage nach Wohnraum Rechnung. „In Zentrumsnähe konnten wir eine verdichtete Bauweise umsetzen“, so Weirather vergangenen Freitag, als die Schlüssel zu den letzten 46 Wohnungen übergeben werden konnten. Als Herausforderung empfindet Weirather den Spagat zwischen erschwinglichen Wohnungspreisen bzw. -mieten und den Vorgaben, die Barrierefreiheit und Tiefgaragenstellplätze vorschreiben. Die Wohnbauförderung mache eine Quadratmeter-Miete von 8,50 Euro möglich, zeigt Spiß auf.

Angelika Polak-Pollhammer, welche sich, zusammen mit Annemarie Regensburger, des Themas der Südtiroler-Siedlungen angenommen hat, berichtet von den damaligen Verhältnissen: „1941 sind die ersten 63 Wohnungen fertig geworden. In Erzählungen von ehemaligen Bewohnern wird deutlich, dass die Wohnungen beim Einzug noch feucht waren. 1942 kamen 23 weitere Wohnungen am Grettert dazu.“ Den Optanten wurde versichert, sich im Deutschen Reich ein neues Leben aufbauen zu können. Zwar hätten die vor dem italienischen Faschismus Geflüchteten Deutsch gesprochen und seien ebenfalls, wie die Bevölkerung in (Nord-)Tirol, katholisch gewesen, trotzdem seien sie als „Walsche“ und „Zuagroaste“ eher schlecht als recht aufgenommen worden. „In Zeiten, als der Großteil der Imster noch ein Plumpsklo hatte, war der Neid gegenüber den Südtirolern groß, weil ihre Siedlung bereits Errungenschaften wie Wasserklosetts, fließend Wasser in der Küche sowie einen Elektroherd hatte“, weiß Polak-Pollhammer. Am Grettert wurde die Nachbarschaftshilfe großgeschrieben. Es gab dort auch ein Geschäft, in dem man sich mit dem Nötigsten eindecken konnte. „In der Siedlung blieb man unter sich. Die Eltern sind oft Südtiroler geblieben. Auch die Kinder sind lange nicht angekommen. Nach dem Krieg sind viele in der neuen Heimat geblieben, einige wohnen noch immer dort“, weiß die Co-Autorin von „Ehe der letzte Schornstein fällt“.

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NHT-Prokurist Engelbert Spiß, NR Dominik Schrott, BM Stefan Weirather und StR Andrea Jäger nehmen Julia Auer, die ihre neue Wohnung am Grettert bezieht, in ihre Mitte.
© NHT/Ascher

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