Ex-Schwiegervater bei Scheidung in Wien die Nase gebrochen: Prozess

Wien (APA) - Rund ist es bei einer Scheidungsverhandlung am 9. November 2017 im Bezirksgericht Wien-Fünfhaus gegangen. Unter den beteiligten...

Wien (APA) - Rund ist es bei einer Scheidungsverhandlung am 9. November 2017 im Bezirksgericht Wien-Fünfhaus gegangen. Unter den beteiligten Familien kam es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung, die damit endete, dass ein 25-jähriger Mann - von Beruf Pflasterer - seinem Ex-Schwiegervater mit einen Faustschlag die Nase brach. Am Montag stand am Landesgericht für Strafsachen das Nachspiel am Programm.

Wegen schwerer Körperverletzung angeklagt waren neben dem 25-Jährigen, der sich am Bezirksgericht mit seiner um fünf Jahre jüngeren Ex-Frau auf eine einvernehmliche Scheidung einigen hatte wollen, auch seine beiden älteren Brüder. Der 27-jährige Betonierer und der 29-jährige Angestellte sollen vor dem Gerichtssaal den Schwiegervater an beiden Schultern festgehalten und dadurch den gezielten Faustschlag ermöglicht haben. Laut Anklage bewirkte dieser einen verschobenen Bruch der Nasescheidewand. Danach soll der offensichtlich wutentbrannte 25-Jährige den 46 Jahre alten Landsmann - sämtlich Beteiligte haben türkische Wurzeln - am Boden liegend noch so lange gewürgt haben, „bis dieser bewusstlos wurde und Harnabgang hatte“, wie dem Strafantrag zu entnehmen war.

Bereits im Verhandlungssaal war es während der Tagsatzung zu tumultartigen Szenen gekommen, als sich das scheidungswillige Paar zu beschimpfen begann. Der Mann soll seiner Ex schließlich mit dem Umbringen gedroht haben. „Jetzt schlag ich dich bis zum Tod“, vernahm eine junge Praktikantin, die aus Angst bis zum Eintreffen der Polizei nicht mehr ihren Platz verließ, wie sie nun als Zeugin vor Richter Stefan Romstorfer einräumte. Als die 20-Jährige vor dem Saal mit ihren Eltern den vom Bezirksrichter vermittelten Kompromissvorschlag, der einen längeren Rechtsstreit vermeiden hätte sollen, besprechen wollte, gerieten diese mit vor dem Saal wartenden Mitgliedern der gegnerischen Familie aneinander. Einer der Streitpunkte war Schmuck, den die 20-Jährige nach der Scheidung der Familie ihres Ex-Manns zurückgeben sollte. Das Geschrei vor dem Saal brachte den 25-Jährigen schließlich dazu, aus diesem zu stürmen und sich ins Getümmel zu werfen.

Der Hauptangeklagte dürfte am Ende völlig die Nerven verloren haben. Sein Scheidungsanwalt versuchte mäßigend auf den 25-Jährigen einzuwirken, hatte damit aber keinen Erfolg. „Es ist eskaliert, da war nix zu machen“, berichtete der Anwalt als Zeuge im Grauen Haus. Eine Richterin des Bezirksgerichts, die aufgrund der Schreierei auf das Ganze aufmerksam wurde, erinnerte sich vor allem an den mitgenommenen Schwiegervater: „Er ist bäuchlings am Boden gelegen. Die Szene hat sehr brutal ausgeschaut.“ Die Verhandlung wird am 3. September fortgesetzt.


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