Tödlicher Verkehrsunfall im Pinzgau: Unbedingte Haft für Tiroler

Salzburg/Landeck (APA) - Ein 57-jähriger Tiroler ist am Montagnachmittag am Landesgericht Salzburg wegen eines tödlichen Verkehrsunfalls zu ...

Salzburg/Landeck (APA) - Ein 57-jähriger Tiroler ist am Montagnachmittag am Landesgericht Salzburg wegen eines tödlichen Verkehrsunfalls zu einem Jahr Haft, davon neun Monate auf Bewährung, verurteilt worden. Der Mann war am 20. Juni 2017 in Piesendorf (Pinzgau) mit seinem Wagen völlig reaktionslos auf die Gegenfahrbahn geraten und frontal gegen das Auto eines Deutschen geprallt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Lenker aus dem Bezirk Landeck konnte sich auch heute noch nicht erklären, wieso es damals zu dem Zusammenstoß kam. Für wenige Sekunden vor dem Crash bis zum Knall der Kollision fehle ihm jede Erinnerung. Die Rekonstruktion durch den Unfallsachverständigen ergab, dass der Tiroler zumindest dreieinhalb Sekunden völlig reaktionslos am Steuer seines Wagens gesessen sein musste. Für eineinhalb bis zwei Sekunden habe sich das Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn befunden. Der 42-jährige Lenker aus Deutschland verriss noch seinen Wagen, konnte den Zusammenstoß aber nicht mehr verhindern. Der Deutsche starb noch im Wrack, seine 65-jährige Beifahrerin wurde schwer verletzt.

Den Grund für den Aussetzer des Lenkers konnte das Gericht heute nicht klären. Der Tiroler selbst sagte, er sei weder müde noch durch Handy, Navi, Radio oder anderes abgelenkt worden. Sekundenschlaf hielt der Gutachter für unwahrscheinlich, weil sich diese vorher durch auffällige Ermüdung bemerkbar mache. Das sei beim Angeklagten aber nach dessen eigenen Angaben nicht der Fall gewesen. Und eine Neuropsychiaterin konnte keinerlei Hinweis auf eine neurologische oder psychiatrische Ursache finden. „Der Beschuldigte war vor dem Unfall komplett gesund, nach dem Unfall auch, und er hat den von ihm geschilderten Zustand danach auch nie abklären lassen.“ Staatsanwalt Mathias Haidinger sprach gar von einem „medizinischen Phänomen, wie es vielleicht die ganze Welt noch nicht gesehen hat“.

Richterin Anna-Sophia Geisselhofer verurteilte den 57-Jährigen wegen grob fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu zwölf Monaten Haft, drei davon unbedingt. Es sei von einem Aufmerksamkeitsfehler auszugehen, was einen erheblichen Sorgfaltsverstoß bedeute. Angesichts der langen reaktionslosen Zeitspanne und der Tatsache, dass ein Mensch getötet und ein weiterer schwer verletzt worden sei, sei ein Teil der Strafe unbedingt auszusprechen gewesen. Weder der Staatsanwalt noch der Verteidiger gaben eine Erklärung ab, das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

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