Tausende Euro Strafe für ein Foul bei einem Unterhaus-Spiel

Ein Fall im Tiroler Fußball-Unterhaus fand kürzlich am Innsbrucker Landesgericht seinen Abschluss. Für ein Foul mit Verletzungsfolgen wird ein Akteur zur Kasse gebeten – und versteht die Welt nicht mehr.

Symbobild.
© imago sportfotodienst

Von Florian Madl

Zell/Z., Reith/K. –Der 24. September 2017 änderte das Leben von Daniel Aufschnaiter. In der 82. Minute des 1.-Klasse-Ost-Spiels zwischen Zell/Ziller und Reith/Kitzbühel, es stand bereits 4:0 für die Gastgeber, verletzte sich sein Gegenspieler David Amor nach einem Kopfballduell und einer darauffolgenden Szene am Boden schwer: Bruch des Nasenbeins, Bruch des rechten Augenhöhlenbodens, der Zillertaler litt noch Monate danach an Sehbeeinträchtigungen. Die Folge für Aufschnaiter: Rot, drei Spiele Sperre – doch dabei blieb es nicht, die Sache landete vor Gericht. Der Reith-Akteur wurde schuldig gesprochen, neben Schadenersatz (5000 €), Strafe und Verfahrenskosten könnte eine zivilrechtliche Klage anhängig sein. Eine bedingte achtmonatige Freiheitsstrafe (Probezeit: drei Jahre) ergänzt das Urteil. Einziger Lichtblick: Amor spürt die Nachwirkungen der Verletzungen zwar noch (Doppelbilder), die Nummer zehn von Zell/Ziller stand nach sechs Monaten allerdings wieder am Platz.

Was den Hergang betrifft, scheiden sich die Geister. Im Urteil ist nach der Hauptverhandlung am 12. Juli 2018 zu lesen: Der Angeklagte habe, wenn auch nur fahrlässig, eine schwere Verletzung mit Gesundheitsschädigung zugefügt, „indem er ihm mit dem Fuß ins Gesicht trat“. Von einem Verbrechen „der schweren Körperverletzung“ ist zu lesen, was der 25-Jährige nicht nachvollziehen kann: „Ich bin keiner, der nachtritt. Das war meine erste Rote Karte“, wehrt sich Daniel Aufschnaiter, derzeit in der Ausbildung zum Polier und Zimmermann. Nach dem verhängnisvollen Zwischenfall habe er sogar den Schiedsrichter gefragt, weshalb ihn dieser ausschließe. Geschätzte 17.000 Euro an Kosten kämen nun auf ihn zu, eine mögliche zivilrechtliche Klage miteingerechnet könne die Summe erhöhen.

Befund und Gutachten von Mediziner Walter Rabl belasten den 25-Jährigen indes schwer: Es bestehe „kein Zweifel daran“, dass die Verletzung aus einem aktiven Tritt mit der Ferse des Fußballschuhs herrühre. Ein Kontakt mit dem Schienbein oder Schienbeinschoner im Rahmen des Sturzes könne das Verletzungsbild von David Amor nicht erklären. Und auch Zell-Trainer Helmut Kraft, lange Zeit im Profifußball (u. a. FC Wacker, Wörgl, Wr. Neustadt, LASK, Untersiebenbrunn, Ried) tätig, schüttelt auf das Spiel angesprochen nur den Kopf: „Das habe ich in 30 Jahren Fußball noch nicht erlebt.“ Was für den 60-Jährigen schwer wiegt: „Der Spieler hat sich bislang nicht entschuldigt, der Aufforderung zur Stellungnahme war der Verein erst auf unser Anwaltsschreiben nachgekommen.“ Wenn auch nebensächlich, sei zudem die geringe Strafe des Tiroler Fußballverbands nicht nachvollziehbar (drei Spiele): „Wenn man den Schiedsrichter kritisiert, bekommt man um einiges mehr.“

Den Vorwurf, sich nicht entschuldigt zu haben, kann Daniel Aufschnaiter nicht nachvollziehen: „Ich blieb nach meinem Ausschluss in der Kabine, danach war mein Gegenspieler weg. Natürlich tut mir die Sache leid, das Urteil finde ich aber extrem.“ Der Torjäger spielte die Saison 2017/18 noch zu Ende, auf den Platz wolle er künftig aber nicht zurück. „Das kann ich mir nicht leisten.“ Josef Geisler, Präsident des Tiroler Fußballverbands, bedauert den Unfall: „Jeder dieser Vorfälle ist einer zu viel.“ Der Zillertaler hatte in seiner knapp zehnjährigen Tätigkeit als TFV-Oberhaupt erst einmal mit einem gerichtlichen Nachspiel zu tun. Der Strafrichter verweist allerdings darauf, dass folgenreiche Aktionen wie diese im Vollkontaktsport Fußball nicht an der Tagesordnung seien: „Wir haben 7100 Spiele pro Saison, davon 3500 auf Kampfmannschaftsebene. Fälle wie diese passieren nicht jede Woche.“

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