Schweizer Ort Bondo bereitet sich auf nächsten Felssturz vor

Bern/Bondo (APA/sda) - Knapp ein Jahr nach dem riesigen Felssturz bei Bondo im Bergell in der Schweiz haben die Behörden der Opfer gedacht. ...

Bern/Bondo (APA/sda) - Knapp ein Jahr nach dem riesigen Felssturz bei Bondo im Bergell in der Schweiz haben die Behörden der Opfer gedacht. Derweil bereitet sich das Tal auf einen möglichen erneuten Bergsturz vor. Die acht Opfer des großen Unglücks vom 23. August vergangenen Jahres werden immer noch vermisst - darunter ein Ehepaar aus der Steiermark.

Eine erneute Suche im Juli dieses Jahres im Seitental Bondasca blieb erfolglos, wie die Bergeller Gemeindepräsidentin Anna Giacometti am Montag in Stampa erklärte. Vertreter der Gemeinde, des Kantons Graubünden und des Bundes blickten in Bondos Nachbarort auf das Großereignis des vorigen Sommers zurück.

Die Suche nach den acht Vermissten sei nun definitiv eingestellt worden, sagte Giacometti. Der Tod von acht Menschen erfülle die Gemeinde weiterhin mit Trauer. Da nach dem Bergsturz und den verheerenden Murenabgängen weiterhin Gefahr für Bondo bestand, habe man kaum Zeit gehabt, innezuhalten und alles zu verarbeiten.

„Der Piz Cengalo kommt nicht zur Ruhe. Die Gemeinde hat sich vorbereitet“, sagte die Gemeindepräsidentin weiter. Ein größeres provisorisches Auffangbecken für Geröll sei erstellt, ein Konzept für ein definitives Becken habe man dem Bund vorgelegt. Mit der Bewältigung des Bergsturzes dürfte in Bondo und im Bergell dennoch keine Ruhe einkehren.

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„Seit diesem Juli gibt es wieder stärkere Bewegungen am Piz Cengalo“, sagte Martin Keiser vom Bündner Amt für Wald und Naturgefahren. In Bewegung seien drei Millionen Kubikmeter, fast so viel wie letztes Jahr. „Größere Bergstürze können diesen Sommer nicht ausgeschlossen werden und in den nächsten Jahren ohnehin nicht“, erklärte der Fachmann. Die Schutzbauten seien darauf dimensioniert. „Sie reichen für den ersten Moment bestimmt“, sagte Keiser. Danach könnten erneute Evakuierungen nicht ausgeschlossen werden. Das sei das Restrisiko: „Eine Nullrisikostrategie ist nicht möglich“.

Die Bevölkerung des Bergells versucht inzwischen, sich an die Gefahr zu gewöhnen. „So lange gutes Wetter herrscht, geht es“, erklärte Gemeindepräsidentin Giacometti. „Die Sorgen kommen, wenn es gewittert.“ Es gehe allen im Bergell so, nicht nur den Menschen in Bondo. Im Val Bondasca blieben sämtliche Wanderwege gesperrt.

Die Bevölkerung in Bondo war am 23. August 2017 um 09.30 Uhr vom großen Felssturz am Piz Cengalo überrascht worden. 3,1 Millionen Kubikmeter Fels stürzten von der Nordostflanke ins Seitental Bondasca. Acht Wanderer verloren dort ihr Leben, sie stammten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz Der Murenabgang danach drückte Material bis ins Haupttal Bergell nach Bondo, wo Häuser beschädigt wurden. Menschen im Ort wurden nicht verletzt.


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