Gemeinde Langkampfen fühlt sich überfahren

An der Landesstraße in Langkampfen-Niederbreitenbach soll Holzabfall aufbereitet werden. Die Bewohner des Gemeindeteils befürchten mehr Verkehrsbelastung, die Kommunalpolitik hat aber nichts mitzureden.

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Von Wolfgang Otter

Langkampfen –Die Aufregung im Langkampfner Ortsteil Niederbreitenbach ist groß. Gerüchte machen die Runde, selbst von einer geplanten Müllverbrennungsanlage an der Landesstraße nach Mariastein ist die Rede. Daher steht bei Bürgermeister Andreas Ehrenstrasser das Telefon nicht mehr still. Ein Auslöser für die wilden Gerüchte ist, dass in aller Stille ein Langkampfner um die Errichtung eines Altholzzwischenlagers samt einer Wiederaufbereitungsanlage angesucht hat. Die Behördenverhandlung nach dem Abfallwirtschaftsgesetz (AWG), die am Dienstagvormittag stattfindet, geht ohne Anrainer und Gemeinde über die Bühne, „da diese im AWG keine Parteienstellung haben“, wie seitens der Bezirkshauptmannschaft Kufstein erklärt wird. „Und das, obwohl die Bevölkerung im Ortsteil Niederbreitenbach durch den Verkehr direkt betroffen ist, wie Bürgermeister Andreas Ehrenstrasser betont.

Laut Gemeinderat Josef Greiderer, selbst ein Bewohner des Ortsteils, „sollen 2000 Lkw im Jahr fahren – nur in eine Richtung. Heißt also, es sind 4000 Fahrten, weil die auch zurückfahren. Dabei wohnt mehr als die Hälfte der Menschen unmittelbar an der Landesstraße.“ Nicht nur Niederbreitenbach wird das zu spüren bekommen, auch Mariastein, glaubt Greiderer. „Es geht hier auch um die Sicherheit der Kinder“, meint die Gemeinderätin Claudia Winkler. Was nun den Verkehr in der Projektbeschreibung anbelangt, die laut Bürgermeister allerdings mit „rosa Tinte“ geschrieben sei, rechnet der Antragsteller mit 250 Arbeitstagen und einem Verkehrsaufkommen von acht Zu- und Abfahrten an Arbeitstagen. Geplant sei, 7500 Tonnen Altholz jährlich zu schreddern, weitere 2500 Tonnen zwischenzulagern. Als Arbeitszeiten sind Montag bis Freitag von 7 Uhr bis 19 Uhr und Samstag von 7 Uhr bis 15 Uhr beantragt.

Nur durch Zufall, so Helmut Daum, Besitzer des Grundstücks neben der geplanten Anlage, habe er vom Projekt erfahren. Dabei sollen direkt neben seiner Wiese 5000 Quadratmeter genutzt werden. Zudem wird eine nicht weniger als sechs Meter hohe Wand zu seinem Grundstück entstehen. „Das wertet meinen Besitz komplett ab“, ärgert sich der Anrainer. „Ich bin nicht gegen Betriebsansiedlungen, aber Anlagen sollen da gebaut werden, wo sie hinpassen. Das ist ein Wahnsinn, wenn ganz Niederbreitenbach geschädigt wird, nur für den Profit von zwei Leuten.“

Für den Antragsteller Andreas Haas ist das Verkehrsaufkommen „nicht so schlimm“, er wohne ja selber an der Straße. „Ich habe 10.000 Tonnen Altholz, das ist ganz wenig“, sagt Haas. Das sei bei den vielen Lkw, die ohnedies schon fahren, kaum mehr spürbar, wie er auf Anfrage der TT meint. Zudem glaube er nicht, dass er die im Antrag angeführten maximalen 4200 Fahrten überhaupt erreicht. „Außerdem wird von der Behörde genau geprüft, ob das Projekt zumutbar ist oder nicht“, beruhigt Haas.

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Der Gemeindevorstand hat sich bereits gegen das Vorhaben ausgesprochen. Und wenn auch die Gemeinde oder die Anrainer keine Parteienstellung haben, angehört werden sie, wie die Bezirkshauptmannschaft erklärt. Die Befürchtungen und Einwände sollen dann auch geprüft werden. Aber es erwachse daraus kein Rechtsanspruch, so Referatsleiterin Anita Hofer. Wie stark das AWG ist, zeigt sich auch daran, dass, obwohl Flugdächer und Mauern errichtet werden, der Bürgermeister als örtliche Baubehörde diese nicht genehmigen muss, also entmachtet ist. Daher braucht es auch keine eigene Flächenwidmung. Was den Verkehr anbelangt, schließt das Grundstück direkt an die Landesstraße an, „und die ist kein Teil der Anlage“, wie es aus der BH heißt.

Die Gemeinde möchte einen Rechtsanwalt einschalten und auf landespolitischer Ebene Verbündete finden.


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