Temperament und Folklore im Kirchenraum

Innsbruck – Sanfte Harfenklänge eröffnen den Montagabend in der Innsbrucker Jesuitenkirche. In langsamen Schritten nähert sich von beiden Se...

Ein Brückenschlag zwischen Sakral- und Weltmusik: Die „Misa Criolla“ in der Jesuitenkirche.Foto: Zimmer

Innsbruck –Sanfte Harfenklänge eröffnen den Montagabend in der Innsbrucker Jesuitenkirche. In langsamen Schritten nähert sich von beiden Seiten des Kirchenschiffes der Chor und füllt den Raum mit seiner Stimmgewalt. Ein atmosphärischer Einstieg für ein Konzert der Festwochen der Alten Musik, der später durch temperamentvolle Rhythmen abgelöst wird. Das Ensemble La Chimera in Zusammenarbeit mit dem Coro del Friuli Venezia Giulia lud zur „Misa Criolla“.

Ein Programm, das Kirchenmusik mit kreolischen Klängen kombiniert und zugleich eine Verbindung von Alter zu Neuer Musik eingeht. Ins Arrangement des argentinischen Musikers Eduardo Egüez, der selbst an der Laute überzeugt, wurden nämlich sowohl Stücke aus dem 18. Jahrhundert als auch zeitgenössische Kompositionen eingebunden. Das Besondere: die folkloristischen Einflüsse, die auch in der Instrumentierung umgesetzt wurden. Neben klassischer Harfe oder Viola da Gamba kommen die „Zampoña“ (eine Panflöte) oder die „Quena“ (eine Kerbflöte) zum Einsatz – allesamt erstklassig gespielt von Luis Rigou. Der mit viel Leidenschaft auch die zweite Gesangsstimme besetzt. Dort aber nicht ankommt gegen Sopranistin Bárbara Kusa, die den Brückenschlag zwischen Sakral- und Weltmusik mit Bravour meistert.

Am Ende des Abends steht die titelgebende „Misa Criolla“, ein religiöses Werk des argentinischen Komponisten Ariel Ramírez von 1963. Diese „kreolische Messe“, bestehend aus den fünf Teilen der Messordnung, welche jeweils auf einem anderen argentinischen Rhythmus basiert, wurde vor allem in der Interpretation von José Carreras 1988 zum Welterfolg. Und heizt nach wie vor mit ihrem Temperament ein. Das zeigt der tosende Applaus an diesem verregneten Festwochen-Abend. (bunt)

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