EU-Vorsitz - Vertreter jüdischer Gemeinde kritisierten Gipfel-Datum

Brüssel/Wien (APA) - Mehrere Vertreter der jüdischen Gemeinde haben das Datum des EU-Gipfels unter der österreichischen EU-Ratspräsidentscha...

Brüssel/Wien (APA) - Mehrere Vertreter der jüdischen Gemeinde haben das Datum des EU-Gipfels unter der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft scharf kritisiert. Das Treffen der 28 EU-Staats- und Regierungschefs findet am 20. September in Salzburg statt - einen Tag nach dem wichtigsten jüdischen Feiertag Yom Kippur. Die Wahl des Datums sei respektlos, lautet Medienberichten zufolge der Tenor unter den Kritikern.

Der Terminkonflikt würde einen unglücklichen, aber nicht überraschenden Mangel an Aufmerksamkeit gegenüber ihrem religiösen Kalender widerspiegeln, beanstandeten Vertreter der jüdischen Gemeinde laut einem Bericht des Internetportals „Politico“. Alex Benjamin von der European Jewish Association (EJA) in Brüssel räumte aber auch ein: „Wenn wir bei jeder Gelegenheit verärgert wären, dass an jüdischen Feiertagen Treffen oder wichtige Ereignisse stattfinden, wären wir ständig verärgert.“ Mehrere prominente Vertreter der jüdischen Gemeinde wollten sich zu dem Terminkonflikt äußern.

Sehr wohl äußern wollte sich Willam Echikson von der European Union for Progessiv Judaism (EUPJ): „Es besteht kein Zweifel, dieses Treffen wäre nie für den Abend des 24. Dezember angesetzt.“ Dabei gehe es weniger darum, ob Juden oder Muslime davon betroffen wären, sondern ob „Institutionen oder Regierungen aufgeschlossen genug sind“, um auf solche wichtigen Ereignisse Rücksicht zu nehmen.

Auch der ungarische Sozialist und EU-Abgeordnete Peter Niedermüller glaubt, dass das Datum absichtlich gewählt wurde, um den europäischen Rechten eine subtile Botschaft zu vermitteln. „Vielleicht ist das der erste Schritt, um herauszufinden, was und was nicht möglich ist“, sagte er. Der schwarz-blauen Bundesregierung wirft er „unausgesprochenen Antisemitismus“ vor. In Europa sprach er mit Verweis auf den ungarischen Ministerpräsident Viktor Orban von einer „Zeit zunehmend christlicher Rhetorik“.

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Steve Brummel vom International Jewish Center (IJW) in Brüssel macht hingegen nicht die Bundesregierung für den Terminkonflikt verantwortlich. Ihn habe die Rede von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in Israel überzeugt. Allerdings, so Brummel, sei die Unaufmerksamkeit gegenüber dem religiösen Kalender mehr als ein Versehen: „Es ist unwissend.“

Die Freiheitlichen sind besonders seit ihrer Regierungsbeteiligung im In- und Ausland stets unter Beobachtung, wie sie mit Österreichs Nazi-Vergangenheit umgehen. Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat Israel mehrfach besucht und betont immer wieder, dass Antisemitismus und Rassismus keinen Platz in der Partei hätten. Auch Kurz bekräftigt stets, Kampf gegen den Antisemitismus und die Unterstützung für Israel „sind für uns zentral“. Die israelische Regierung meidet unterdessen Kontakte mit FPÖ-Ministern.

In einer Erklärung betonte der österreichische EU-Vorsitz laut „Politico“, dass der Gipfel einen Tag nach dem Feiertag angesetzt sei. „Es ist sehr schwer ein Datum zu finden, das für alle 28 EU-Staaten funktioniert.“ Die Präsidentschaft räumte aber auch ein, dass EU-Staats-und Regierungschefs mit Delegation sowie Journalisten vermutlich bereits am Nachmittag des 19. Septembers - also an Yom Kippur - für das Abendessen anreisen werden.

Keiner der 28 EU-Staats-und Regierungschefs ist dem Bericht zufolge dem Judentum zugehörig. Unter den EU-Kommissaren befindet sich mit Pierre Moscovici - zuständig für Finanzen und Wirtschaft - ein Jude. Dieser kommentierte den Bericht vorerst nicht, er ist auf Urlaub.

Yom Kippur (hebräisch: Tag der Sühne) beginnt mit Sonnenuntergang und endet ebenfalls bei Sonnenuntergang. Es ist der wichtigste religiöse Feiertag im Judentum. Am Tag der Reue, Buße und Umkehr erhoffen sich Gläubige die Vergebung ihrer Sünden und Versöhnung mit ihren Mitmenschen. An dem Tag verzichten gläubige Juden im In-und Ausland auf Nahrung, Wasser und Körperpflege und erhoffen sich eine Vergebung ihrer Sünden. Auch ist Reisen und Arbeiten verboten.

(Politico-Bericht: http://go.apa.at/Kd349XFu)


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