Innsbrucks vergessene Heldin: Dianas aktuelle Botschaft

Diana Budisavljevic rettete im Zweiten Weltkrieg Tausenden Kindern das Leben. Der Todestag von Innsbrucks vergessener Heldin jährt sich am 20. August zum 40. Mal.

Die Innsbruckerin erkannte die Not und gründete eine Hilfsaktion.
© Nachlass/Tyrolia

Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck — Die in Innsbruck als Diana Obexer geborene Humanistin konnte während des brutalen Ustascha-Regimes fast 12.000 Kinder aus kroatischen Konzentrationslagern befreien und sie so vor dem Tod bewahren. Das waren zehnmal so viele Menschen, wie Oskar Schindler retten konnte, doch gewürdigt wurde sie für ihren Mut und ihr Lebenswerk kaum — zumindest in ihrer Heimat.

Ihre Taten wurden erst bekannt, als ihre Enkelin ein altes Tagebuch auf dem Dachboden fand.
© Nachlass/Tyrolia

„Ihr Todestag ist ein Anlass, sich an eine Frau zu erinnern, die uns auch heute viel zu sagen hätte", sagt Wilhelm Kuehs, Autor des biografischen Romans „Dianas Liste", der im vergangenen Jahr erschien und inzwischen auch ins Serbische übersetzt wurde. „Weil heute wird wieder darüber diskutiert, ob Migranten geholfen werden soll. Sie würde es einfach tun, auch unter schwierigen Umständen. So wie sie im KZ jederzeit erschossen werden hätte können."

Die Tochter einer Unternehmerfamilie — im Obexer-Haus in Innsbruck ist heute die Tyrolia-Buchhandlung untergebracht — hatte während des Ersten Weltkriegs ihren späteren Mann kennen gelernt, einen aus Kroatien stammenden Serben, später folgte sie ihm nach Zagreb. Als die deutsche Wehrmacht 1941 Belgrad bombardierte und darauf der Unabhängige Staat Kroatien ausgerufen wurde, begann die Verfolgung von Juden, Serben, Roma und Sinti, schreibt Kuehs im Nachwort seines Buches, das auf Angaben im Tagebuch von Budisavljevic beruht. Die Gestapo besetzte das Büro der jüdischen Gemeinde, gleichzeitig wurden an die Nürnberger Rassegesetze angelehnte Gesetze erlassen.

Als der Mutter zweier Töchter die Ausmaße der Verfolgung klar wurden, zögerte sie nicht lange und rief mit mehreren Helfern die private Hilfsaktion unter dem Namen „Aktion Diana Budisavljevic" ins Leben. Sie kümmerte sich um die Versorgung mit Hilfsgütern, um die Freilassung und Unterbringung von Kindern und Frauen mehrheitlich serbischer Herkunft aus den Ustascha-Todeslagern. Mithilfe von Transportlisten und weiteren Quellen führte sie zusammen mit ihren Mitarbeitern eine Kartei, die gegen Kriegsende Angaben von ca. 12.000 Kindern enthielt.


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