Bosnisch-serbischer Präsident will neue Kommission zu Srebrenica

Sarajevo/Banja Luka (APA) - Der Präsident der serbischen Teilrepublik Srpska in Bosnien-Herzegowina, Milorad Dodik, will einen neuen Bericht...

Sarajevo/Banja Luka (APA) - Der Präsident der serbischen Teilrepublik Srpska in Bosnien-Herzegowina, Milorad Dodik, will einen neuen Bericht zum Srebrenica-Massaker. Dazu forderte er das Parlament der kleinen Entität am Dienstag zur Bildung einer Kommission auf, die die Geschehnisse in der ehemaligen bosniakischen (muslimischen) Enklave erneut unter die Lupe nimmt. Der Bericht soll innerhalb eines Jahres vorliegen.

Dodik bezeichnete den Bericht von 2004 als „nicht relevant“. Eine bosnisch-serbische Regierungskommission hatte sich damals mit dem Massaker befasst und die Zahl der Todesopfer mit rund 7.800 beziffert. Auf die Kommission sei damals Druck seitens der internationalen Staatengemeinschaft und des damaligen Hohen Bosnien-Beauftragten Paddy Ashdown ausgeübt worden, sagte der bosnisch-serbische Präsident, der mehrmals den Völkermord von Srebrenica geleugnet hatte. Vor der Sitzung hatte Dodik noch betont, es gehe ihm nicht darum, die Zahl der Todesopfer von Srebrenica zu verringern. Dabei regte er auch an, eine Untersuchungskommission ausschließlich für serbische Kriegsopfer (Zeitspanne 1991-95) einzusetzen.

Nach der Einnahme der UNO-Schutzzone Srebrenica im Juli 1995 wurden von bosnisch-serbischen Truppen in der Umgebung der ostbosnischen Kleinstadt rund 8.000 Männer und Buben ermordet. Ihre Leichen wurden später in vielen Massengräbern entdeckt. Die bosnisch-serbische Regierung hatte im Oktober 2004 den Bericht der Untersuchungskommission akzeptiert. Noch Ende Juli hatte sich Dodik für eine Annullierung des Berichts eingesetzt. Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hatte das Massaker von Srebrenica 2007 als Völkermord eingestuft.

In Bosnien-Herzegowina finden im Oktober allgemeine Wahlen statt - in den beiden Landesteilen Föderation und Republika Srpska sowie im Gesamtstaat, wo das Staatspräsidium gewählt wird. Dodik kandidiert für das Amt des serbischen Mitgliedes der dreiköpfigen Staatsführung. Kritiker werfen ihm vor, das Massaker von Srebrenica für die Stimmenjagd zu missbrauchen.

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