Lira-Erholung verschafft Europas Börsen Verschnaufpause

Frankfurt/Ankara (APA/Reuters) - Eine Atempause in der türkischen Währungskrise lockt einige Anleger an die europäischen Börsen zurück. Dax ...

Frankfurt/Ankara (APA/Reuters) - Eine Atempause in der türkischen Währungskrise lockt einige Anleger an die europäischen Börsen zurück. Dax und EuroStoxx50 legten am Dienstag jeweils 0,2 Prozent auf 12.378 und 3.417 Punkte zu. Der Leitindex der Istanbuler Börse gewann 0,8 Prozent und die türkische Währung wertete wieder etwas auf.

Ein Dollar verbilligte sich im Gegenzug um 5,3 Prozent auf 6,496 Lira, nachdem der Kurs in den vorangegangenen Tagen um gut 36 Prozent auf ein Rekordhoch von 7,24 Lira gestiegen war.

Entscheidend sei, ob sich der Wechselkurs auf dem aktuellen Niveau stabilisieren könne, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. „Fällt der Kurs der Lira jetzt nicht mehr weiter, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass das Türkei-Thema für die Börsen durch ist. Das wäre dann das notwendige Signal für eine Erleichterungsrally im deutschen Aktienindex.“

Anlagestratege Viraj Patel von der ING Bank warnte dagegen vor überzogenen Erwartungen. „Wir haben heute trotz ordentlicher deutscher Konjunkturdaten kaum einen Euro-Anstieg gesehen.“ Die aktuelle Entspannung an den Finanzmärkten könnte daher von kurzer Dauer sein. Ungeachtet des Handelsstreits mit den USA beschleunigte sich das deutsche Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal. Der Euro stagnierte bei 1,1405 Dollar.

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Positiv werteten Börsianer die geplante Telefonkonferenz des türkischen Finanzministers Berat Albayrak mit rund 1.000 Investoren. „Erstmals seit längerem ist wieder verhaltener Optimismus zu spüren“, sagte ein Devisenhändler. Wasser in den Wein goss dagegen Recep Tayyip Erdogan. Der türkische Präsident rief zu einem Boykott elektronischer US-Produkte wie iPhones auf. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Apple deswegen allzu besorgt ist“, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. „Aber es wirft ein Schlaglicht auf die besorgniserregende Verschlechterung der Beziehungen zwischen Ankara und Washington.“

Die Turbulenzen am Bosporus ziehen auch Ceconomy in Mitleidenschaft. Der Betreiber der MediaMarkt/Saturn-Märkte will sein Expansionstempo in der Türkei überprüfen. Außerdem sei das Konzernwachstum im abgelaufenen Quartal enttäuschend ausgefallen und die Gesamtjahresziele lägen unter den Markterwartungen, betonten die Analysten der Baader Helvea Bank. Ceconomy-Aktien fielen zeitweise um knapp elf Prozent und waren mit 6,23 Euro so billig wie noch nie seit der Abspaltung vom Mutterkonzern Metro.

Die Titel von RWE stiegen dagegen um bis zu 4,2 Prozent. Zwar verdiente der Versorger im ersten Halbjahr weniger. Das Ergebnis sei jedoch besser ausgefallen als erwartet, betonte Analyst Sven Diermeier von Independent Research. Positiv sei auch die bekräftigte Gesamtjahresprognose.

In Italien löste der Einsturz einer Autobahnbrücke mit zahlreichen Toten einen Ausverkauf bei Atlantia aus. Die Aktien des Mautstrecken-Betreibers fielen um zehn Prozent und steuerten auf den größten Tagesverlust seit zwei Jahren zu.

Schlusslicht an der Londoner Börse war Antofagasta mit einem Kursminus von bis zu sieben Prozent. Die Experten der Investmentbank Goldman Sachs bezeichneten die Halbjahreszahlen und den Ausblick des Kupferminen-Betreibers als enttäuschend. Wegen Spekulationen auf ein sinkende Nachfrage des weltgrößten Abnehmers China steht der Kupferpreis seit Monaten unter Druck. Am Dienstag verbilligte sich das Industriemetall um ein Prozent auf 6090 Dollar je Tonne.


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