Schnee-Streit eskaliert, Hörl stellt Nordische WM in Frage

Zusatzstoffe für Kunstschnee: Seilbahnsprecher fordert Förderstopp für Seefeld und ein kritisches Hinterfragen des Austragungsortes für die WM.

Die Kunstschnee-Debatte schwappt jetzt auch auf die WM über.
© gepa

Innsbruck –Die Emotionen gehen hoch: Zwischen Seilbahnwirtschaft und Seefelder Bergbahnen herrscht bei hochsommerlichen Temperaturen Eiszeit. Schließlich dürfen die Seefelder nach einer Entscheidung des Landesverwaltungsgerichts den umstrittenen Zusatzstoff „Snomax“ für die Erzeugung von Kunstschnee verwenden. Dieser enthält abgetötete Bakterien. Seefelds Bürgermeister und Seilbahn-Vorstand Werner Frießer kündigte einen Feldversuch an. Sehr zum Missfallen der Landespolitik und Seilbahnsprecher NR Franz Hörl (VP). Selbst in der gestrigen Sitzung der Landesregierung sorgte der Kunstschnee für Aufregung.

Denn Tourismusreferen­t und Landeshauptmann Günthe­r Platter (VP) will kein­e Kompromisse eingehen. Bakteriell­e Zusätze bei Beschneiungsanlagen sind für ihn tabu. „Wir werden bei der Gesetzgebung prüfen, welche Riegel wir künstlichen Zusatzstoffen vorschieben können.“ Für die Tiroler Böden komme in der Beschneiung nur Trinkwasserqualität in Frage. Einen Förderstopp für Vorhaben in Tiroler Skigebieten, die beim Kunstschnee Zusätze verwenden, hat Platter bereits angekündigt.

Den verlangt Franz Hörl sofort. Als Konsequenz nennt der VP-Nationalrat die sofortige Einstellung von öffentlichen Förderungen für die Errichtung des Schneiteichs in Seefeld. Doch Hörl legt noch eins drauf: Mit Blick auf die Vorgangsweise Seefelds und die nahende Nordische Ski-WM müsse der Skiverband (ÖSV) den Austragungsort Seefeld „ehrlich und kritisch hinterfragen“. Hier geht es dem Seilbahnsprecher nicht um einen Einzelfall, sondern um einen fahrlässigen Umgang mit dem hart erarbeiteten Ruf als nachhaltige und verantwortungsbewusste Branche. „Sowohl bei der Bevölkerung als auch bei unseren Gästen.“

Hörl befürchtet vor allem negativ­e Schlagzeilen. „Unser Ruf als Wintersport-Destination steht auf dem Spiel.“ Das österreichische Reinheitsgebot „klares Trinkwasser, Luft und sonst nix“ sei bisher ein unverrückbares Bekenntnis der gesamten Branche gewesen. „Wenn dies bröckelt, geht das völlig falsche Signal von Tirol hinaus in die Welt. Und aus einem wichtigen, international vorbildhaften Beitrag zum verantwortungsvollen Umgang mit unserer Natur wird ein fragwürdiger Rückzieher, der mehr Schade­n bringt als Nutzen“, fordert Hörl klar­e Positionen vom Land Tirol und dem Skiverband.

Der Organisationsdirektor der WM 2019, Christian Scherer, nimmt Hörls Aussagen indes gelassen. „Das ist eine Angelegenheit der Seefelder Bergbahnen, das hat mit der Nordischen WM im Februar nichts zu tun.“ Der ÖSV sei die falsche Adresse, „denn wir garantieren für eine nachhaltige und umweltgerechte Veranstaltung. Es wird auch eine entsprechende Umweltcharta geben.“ Das gelte selbstverständlich für die Präparierung der Loipen und der Sprungschanze. (pn)


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