Neuer Bluatschink appelliert an „Herz und Hira“ der Leute

Bei zwei Konzerten auf der Geierwally-Bühne in Elbigenalp werden neue Songs wie „Bei mir ums Eck“ erstmals öffentlich präsentiert.

© Marie-Christin Wolf

Von Helmut Mittermayr

Elbigenalp –„Kopieren und vervielfältigen erwünscht“ stand auf der ersten Kassette, die Toni Knittel vor bald 30 Jahren selbst produziert hatte. Ein kämpferischer Bluatschink hatte sich Anfang der 90er-Jahre mit Öko-Songs auf die Seite des Lechs gestellt. Jetzt kommt wieder ein Tonträger mit neuen Bluatschink-Songs heraus, kopieren und vervielfältigen ist definitiv nicht mehr erwünscht. Mit viel Herz und immer noch dem Umweltgedanken folgend sind neue Lieder im Lechtaler Dialekt, aber wieder als Kampfansage an Gedankenlosigkeit, an ein unbedachtes Leben im globalen Konsum, entstanden.

Das Ehepaar und Liedermacherduo Toni und Margit Knittel präsentiert am 31. August und 1. September auf der Geierwally-Freilichtbühne in Elbigenalp in zwei Sonderkonzerten um 20 Uhr sechs bis sieben neue Songs. Der Titel „Bei mir ums Eck“ aus der CD „Herz und Hira“ ist quasi Programm. „Äpfel aus Südafrika, Urlaub auf den Malediven. Wer braucht so etwas? Wir müssen die lokale Wirtschaft, den Bäcker, den Metzger, den Buchladen stärken und damit den Transit bremsen“, ist der Meister der Öko-Songs in seinem Fach angekommen. Da der Bluatschink aber immer auch herzlich bleibt, ein Lächeln sein Narrativ begleitet, ist er willkommen und gern gesehen, kommt nicht als bitterernster Öko-Fundamentalist über die Rampe. Der Vorlauf für die beiden Konzerte – und die neuen Melodien – dauerte ein Jahr. Im September 2017 schrieb Knittel den Song „Der Wildbach“ als Start zu einer Handvoll neuer Lieder.

In freier Natur im Lechtal, etwa am „Hahberg“, dem Heuberg in Häselgehr, kann man dieser Tage leicht auf Toni und Margit Knittel stoßen. Wer mitten im Wald alte Gassenhauer wie „Funka fliaga“ hört, hat keine Halluzinationen. Dann ist der Bluatschink nicht weit und auf Stimmtraining. „Bei den beiden Open-Air-Konzerten werden neben den neuen Songs auch alte Schinken – gut abgehangen – serviert“, erklärt Knittel in seiner typischen Bildsprache. Wenn er dann weiter von „alten Perlen“ spricht, „die vom Grund des Lechs heraufgetaucht werden“, dann betreibt er während des Interviews ungeniert Werbung für seinen Auftritt, lässt aber auch den sprachgewandten Erzähler durchklingen, der Altbewährtes in neuem Gewand zu präsentieren versteht.

Mit seiner Erzählkunst ist es dem Entertainer Knittel übrigens gelungen, dem Projekt Ritter Rüdiger, das auf Ehrenberg eingestellt werden musste, wieder neues Leben einzuhauchen. Auf der Burgarena Reinsberg in Niederösterreich ist das Familienmusical derzeit ein Publikumshit. Dem Ritter jubeln längst nicht nur (Tausende) Kinder zu, auch Erwachsene werden dort emotional mitgerissen.

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In Elbigenalp wird am 31. August und 1. September auf der Geierwally-Bühne aber mehr gesungen als erzählt. Downloadportalen wie Spotify oder YouTube zum Trotz (Knittel: „Die CD ist tot“) werden nicht nur selbst gefertigte Low-Budget-CDs der neuen Lieder als Unikate in Umlauf gebracht, eine weitere Besonderheit wird der Gastauftritt des Duos Zweikanalton aus Oberösterreich, das gerade in den Ö3-Charts nach oben schießt, sein. Die Brüder haben ihre Karriere unter anderem mit Bluatschink-Songs begonnen. Inzwischen wird ihr Hit „Ohne dich kann das kein Sommer sein“ von den Radiostationen des Landes rauf und runter gespielt. Mit auf der Bühne werden auch weitere Ausnahmemusiker wie Johannes Bär mit seiner Tuba, bekannt von HMCB (Vo Mello bis ge Schoppornou), und Maria Ma mit ihrem Hackbrett Platz nehmen.

Der Kartenvorverkauf läuft blendend. Von den zweimal 500 Sitzplätzen der Elbigenalper Bühne sind schon 700 vergeben. Das Ehepaar Knittel freut sich, dass einige Fans für diese Sonderkonzerte im Lechtal eine Anreise von über 600 Kilometern auf sich nehmen werden.


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