Europas Börsen treten auf der Stelle - Anleger in der Defensive

London/Paris/Frankfurt (APA/dpa-AFX) - Angesichts der anhaltenden internationalen Handelsstreitigkeiten lassen die Anleger an Europas Börsen...

London/Paris/Frankfurt (APA/dpa-AFX) - Angesichts der anhaltenden internationalen Handelsstreitigkeiten lassen die Anleger an Europas Börsen weiter Vorsicht walten. Nach anfänglichen Gewinnen trat der europäische Leitindex EuroStoxx 50 gegen Mittag mit plus 0,04 Prozent bei 3.410,86 Punkten auf der Stelle.

Der DAX in Frankfurt hat sich etwas von seinem Sechswochentief abgesetzt. Bis zu Mittag legte der deutsche Leitindex um 0,16 Prozent auf 12.378,39 Punkte zu. Über der zwischenzeitlich übertroffenen Marke von 12.400 Punkten konnte er sich damit aber nicht halten.

Auch in Paris rührte sich der französische CAC 40 kaum vom Fleck, hier stand zuletzt ein moderater Verlust von 0,05 Prozent bei 5.400,97 Zählern auf der Anzeigetafel. In London gab der FTSE 100 um 0,130 Prozent auf 7.601,60 Punkte nach. In Österreich, Italien, Griechenland und Polen blieben die Börsen feiertagsbedingt geschlossen.

Nach der Türkei rückte zur Wochenmitte laut Börsianern der Fokus der Investoren wieder stärker auf die Probleme in China, dessen Wirtschaft zunehmend unter den Folgen des Handelsstreits mit den USA leidet.

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Einem positiven Abschluss an der Wall Street am Vorabend waren teils hohe Verluste an den asiatischen Börsen gefolgt. Der chinesische Yuan fiel am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit rund eineinhalb Jahren. Die Börsen übersetzten den Verfall der Währung in eine wachsende Gefahr einer harten Landung der chinesischen Volkswirtschaft, schrieb Jochen Stanzl von CMC Markets.

Beobachter befürchten, dass neben China auch viele andere Schwellenländer in eine Schieflage geraten könnten. Die Eskalation der Streitigkeiten rund um die Türkei bleibt Stanzls Kollegen Michael Hewson von CMC Markets UK zufolge ebenfalls ein Stimmungsdämpfer für die Anleger.

Die Sorge um eine womöglich rückläufige Nachfrage ließ zuletzt die Preise etwa für Aluminium und Kupfer sinken und mit ihnen die Aktienkurse der Rohstoffkonzerne. Als größter Verlierer in Europa gab die Branche im Schnitt mehr als ein Prozent nach. Aktien der Bergbauriesen BHP Billiton, Rio Tinto und Glencore verbilligten sich jeweils um rund eineinhalb bis zwei Prozent. Der Bankensektor, der in den vergangenen Woche am stärksten unter der Währungskrise in der Türkei gelitten hatte, notierte leicht im Minus.

Der Windkraftanlagenbauer Vestas überraschte mit seinen Quartalsergebnissen, gut kam am Markt auch die Ankündigung eines Aktienrückkaufs an. Die Aktien standen zuletzt rund 4 Prozent höher. In der Spitze hatten die Papiere am Morgen mehr als 9 Prozent zugelegt und damit so viel gekostet wie seit Ende Mai nicht mehr.

In London beflügelten Übernahmespekulationen die Aktien der mit sinkenden Ergebnissen kämpfenden Warenhauskette Debenhams. Der Kurs, der sich seit mehr als drei Jahren nahezu ungebrochen im Tiefgang befindet, schoss um mehr als 8 Prozent nach oben. Presseberichten zufolge wird das Unternehmen derzeit vom Händler Sports Direct umgarnt, dem neuen Eigner des Konkurrenten House of Fraser. Letzterer soll den Plänen zufolge mit Debenhams zusammengelegt werden, sollte es zur Übernahme kommen.

Die Papiere des Autoversicherers Admiral Group führten den „Footsie“ nach besser als erwartet ausgefallenen Zahlen mit einem Kursplus von rund 5 Prozent an. Anteile am Pharmakonzern GlaxoSmithKline legten nach der Präsentation der Ergebnisse einer HIV-Studie um knapp 2 Prozent zu.


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