Gladbecker Geiseldrama - NRW-Innenminister räumt Fehler im Umgang ein

Köln (APA/AFP) - Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hat Fehler im Umgang mit der Geiselnahme von Gladbeck vor 30 Jahren e...

Köln (APA/AFP) - Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hat Fehler im Umgang mit der Geiselnahme von Gladbeck vor 30 Jahren eingeräumt und das Drama als „Weckruf“ für die Polizei bezeichnet. „Anders als die Verantwortlichen in der Politik haben die Verantwortlichen in der Polizei aus Gladbeck relativ schnell ihre Lehren gezogen“, sagte Reul dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Donnerstagsausgabe).

Anfang der 90er Jahre sei bei der Polizei „so Manches im Verborgenen verändert“ worden, sagte Reul. Dazu zähle etwa die Einführung des taktischen Grundsatzes, eine Einsatzlage nach Möglichkeit schon am ersten Tatort zu beenden und gar nicht erst mobil werden zu lassen. „Heute kann man sagen: Gladbeck 1988 war für die NRW-Polizei ein ähnlicher Weckruf wie München 1972 für die Polizei im Bund“, sagte Reul mit Blick auf die damalige tödliche Geiselnahme bei den Olympischen Spielen in München.

Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ räumt das nordrhein-westfälische Innenministerium in einem internen Vermerk schwere Polizeifehler im Umgang mit der Geiselnahme ein. So habe es „keine durchgängige Führungsverantwortung“ gegeben, das taktische Vorgehen sei „schlecht beziehungsweise unzureichend“ gewesen. Gleich mehrere Möglichkeiten für einen Zugriff seien ausgelassen worden, zitiert das Blatt aus dem Papier. Damit distanziere sich das NRW-Innenministerium heute ausdrücklich von den Einschätzungen der Landesregierung im Jahr 1988.

Zuletzt hatte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Angehörigen der drei Todesopfer und die weiteren Opfer um Entschuldigung gebeten. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hatte er kritisiert, dass es eine Entschuldigung des Staates nie gegeben habe. Laut „FAZ“ galt in Düsseldorf seit 30 Jahren die offizielle Linie, die eigenen Sicherheitsbehörden hätten sich im Fall Gladbeck nichts vorzuwerfen.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Nach einem Banküberfall am 16. August 1988 in der Ruhrgebietsstadt Gladbeck waren die beiden vorbestraften Kriminellen Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski mit wechselnden Geiseln in mehreren Fluchtfahrzeugen 54 Stunden lang durch Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und die Niederlande gefahren. Bei dem Verbrechen wurden zwei junge Geiseln getötet, ein Polizist starb während des Einsatzes bei einem Verkehrsunfall.


Kommentieren