EU-Abgeordneter Karas versteht Logik hinter Putin-Einladung nicht

Auch der ÖVP-Europaabgeordnete Othmar Karas sieht die Teilnahme von Kreml-Chef Wladimir Putin an der Hochzeit von Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) kritisch.

Othmar Karas.
© APA/Hochmuth

Wien –Ein „Bravo“ ruft FPÖ-Regierungskommunikator Heimo Lepuschitz FPÖ-Außenministerin Karin Kneissl via Twitter zu. Österreich präsentiere sich „als Brückenbauer in bester Tradition Bruno Kreiskys“ – weil der russische Präsident Wladimir Putin zu Kneissls Hochzeitsfeier kommt. Andere Blaue orten „eine schöne Anerkennung für Österreich“.

Polit-Konkurrenten sehen das anders. Michel Reimon, EU-Abgeordneter der Grünen, befindet: „Ein Despot ist nie privat.“ Die schwarz-blauen Koalitionäre würden „als verlängerter Arm des russischen Regimes in der EU wahrgenommen – und verspielen die gute Reputation des Landes“. Kneissl sei dafür verantwortlich. „Sie sollte, um diesen Schaden von Österreich abzuwenden, sofort zurücktreten.“ Tue sie das nicht, sollte sie Kanzler Kurz „dem Bundespräsidenten zur Entlassung vorschlagen“.

So weit geht der ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, Othmar Karas, nicht. Kneissls Vorgangsweise missfällt ihm aber. Der Tiroler Tageszeitung sagt er: „Mir ist die Logik und die Absicht, ein so persönliches Fest auf diese Art und Weise politisch zu inszenieren und missbrauchbar zu machen, verschlossen. Für mich bleibt eine Hochzeit ein zutiefst persönliches und privates Ereignis mit den engsten Freunden, sodass ich beiden alles Gute wünsche.“

Grüner Reimon befindet, Kneissl solle zurücktreten.
© APA

Was sagen die ÖVP-Spitzen zur Angelegenheit? Nichts. Auch die SPÖ-Oberen äußern sich nicht dazu. Inoffiziell heißt es gegenüber der TT, dass mit einer parlamentarischen Anfrage zu den Kosten für Putins Schutz „zu rechnen“ sei.

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Eine solche wird es auch von den anderen beiden Oppositionsparteien, den NEOS und der Liste Pilz, geben. Dort wie da wird moniert, dass die Steuerzahler für eine Privatsache aufkommen sollen. Im Gegensatz zu Putins Staatsbesuch im Juni sei der nunmehrige ein solcher nicht – auch wenn er im Außenministerium als Arbeitsbesuch qualifiziert werde.

In Kneissls Ressort versucht man zu kalmieren: „Es ist in erster Linie eine private Feier und ein persönlicher Besuch – und daraus ergibt sich keine Änderung der außenpolitischen Positionierung Österreichs.“ (kale)


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