Die Königin des „Respect“: Aretha Franklin ist tot

Die Musikwelt trauert um eine Legende: Songs wie „Respect“ und „A Natural Woman“ lassen Sängerin Aretha Franklin in den 60er-Jahren zur „Königin des Soul“ aufsteigen. Nach schwerer Krankheit ist die 76-Jährige nun in Detroit gestorben.

Ihren letzten Auftritt hatte Aretha Franklin im vergangenen November bei einer Party der Elton John AIDS Foundation in New York.
© AFP

Washington/Wien – Die Welt des Soul muss nun ohne die legendäre Aretha Franklin auskommen: Die „Queen of Soul“ verstarb am Donnerstag im Alter von 76 Jahren in Detroit, wie ihre Sprecherin bekannt gab. Die Sängerin hatte bereits 2010 ihre Krebserkrankung publik gemacht.

Wie die Lokalzeitung „Detroit News“ berichtete, wurde Franklin seit Wochen palliativmedizinisch behandelt. Die Zeitung berief sich auf mehrere Vertraute der Sängerin, darunter der Sänger und Radiomoderator Tom Joyner.

Viele Prominente in den USA hatten der erkrankten Soulsängerin wenige Tage vor ihrem Tod noch Genesungswünsche zukommen lassen. „Wie Menschen auf der ganzen Welt denken auch Hillary und ich heute Nacht an Aretha Franklin und hören ihre Musik, die in den vergangenen 50 Jahren solch ein wichtiger Teil unserer Leben gewesen ist“, schrieb etwa der frühere US-Präsident Bill Clinton. Er rief die Menschen dazu auf, die Musik der „Queen of Soul“ zu hören und zu teilen.

18 Grammys und bleibende Eindrücke

Und apropos Präsident: 2015 brachte sie sogar Barack Obama zum Weinen, wischte sich der US-Präsident doch eine Träne aus dem Auge, als Franklin sich zu Weihnachten im Kennedy Center im langen Pelzmantel an den Flügel setzte und „(You Make Me Feel Like) A Natural Woman“ anstimmte. Songschreiberin Carole King, aus deren Feder die Soulballade stammt, war bei jener Gala in Washington völlig fassungslos, als Franklin die Bühne betreten und die ersten Takte angestimmt hatte. Deren Interpretation wird die wohl endgültige Version von Kings Hit bleiben.

Nach 18 Grammys, Hits wie „Respect“, „Chain Of Fools“ und „I Say a Little Prayer“, die längst eine Art Eigenleben entwickelt haben, hat Franklin einen festen Platz im Olymp des Soul. So wie die in Memphis im Südstaat Tennessee geborene und in Detroit aufgewachsene Franklin aus dem Soul nicht wegzudenken war, war der Gospel aus dem Leben Aretha Franklins nicht wegzudenken. Mit ihren Schwestern Carolyn und Erma, die beide ebenfalls Musikerkarrieren einschlugen, sang sie in den 1950ern in der Kirche ihres Vaters. Der Pastor war selbst erfolgreicher Gospel-Sänger – der Ruhm seiner Tochter sollte seinen aber weit überstrahlen.

Auch Symbol für ein „schwarzes, stolzes Amerika“

Schon mit 14 Jahren nahm Aretha Franklin ihre erste Gospel-Platte auf. Dem Produzenten Jerry Wexler vom Label Atlantic war es schließlich gelungen, genau die Mischung zu zaubern, die Franklin-Fans in vielen Ländern über Jahrzehnte begeistern sollte: eine leidenschaftliche, helle Stimme vor dunkleren, souligen R&B-Arrangements mit Background-Sängern.

Franklin wurde 1942 in Memphis geboren, wuchs allerdings in Detroit auf.
© imago stock&people

Mit „Respect“ landete sie 1967 ihren ersten Nummer-Eins-Hit in den USA. Der Song wurde mit zwei Grammys ausgezeichnet. 1987 wurde Franklin als erste Frau in die „Rock & Roll Hall of Fame“ aufgenommen.

Als Franklin 1967 Otis Reddings Titel „Respect“ einsang, setzte sie sich damit nicht nur acht Wochen auf den ersten Platz der R&B-Charts, sondern an die Spitze der schwarzen Bürgerrechtsbewegung gleich mit. Für viele wurde Franklin ein Symbol für ein politisch turbulentes Jahrzehnt und für ein schwarzes, stolzes Amerika.

Die Sängerin erhielt 2005 von George W. Bush die Freiheitsmedaille des US-Präsidenten, die höchste zivile Auszeichnung der USA.
© AFP

Auch dank ihrer Auswahl an musikalischen Vorlagen hielt sich die Sängerin nach dieser Hochphase im Gespräch. Sie sang Stücke der Beatles, von Simon & Garfunkel und Sam Cooke, 1980 nahm sie mit George Michael ein Duett auf. Ihr eindringliches Klavierspiel, das sie auch im Kennedy Center in Washington wieder unter Beweis stellte, wurde wohl auch wegen der Kraft ihrer Stimme oft verkannt.

Auf dem 2014 erschienen Album „Sings the Great Diva Classics“ nahm Franklin sich Stücke von Gladys Knight und Barbra Streisand, aber auch der britischen Popsängerin Adele vor. „Was für großartige Musik! Ich habe mir gleich die CD gekauft“, sagte Franklin. Auch mit Soulsänger Babyface und Andre 3000 von der Rap-Kombo Outkast arbeitete sie bei dem Album zusammen. Ihren letzten Auftritt hatte sie im vergangenen November bei einer Party der Elton John AIDS Foundation in New York. Nun ist die vielleicht berühmteste Livestimme ihrer Zunft für immer verstummt.

Aretha Franklin: Ihr Leben im Schnelldurchlauf

Die im Alter von 76 Jahren gestorbene US-Souldiva Aretha Franklin hatte in ihrer rund 60 Jahre umfassenden Karriere zahlreiche Hits und große Auftritte. Im Folgenden die wichtigsten Daten ihres Lebens:

25. März 1942:

Aretha Franklin kommt in Memphis, Tennessee, als Tochter eines Baptistenpredigers zur Welt.

1956:

Ihr erstes Album mit Gospel-Songs erscheint.

1967:

Für ihre Version des Otis Redding-Songs „Respect“ wird Franklin mit den ersten zwei ihrer insgesamt 18 Grammys ausgezeichnet.

1968:

Bei der Trauerfeier für den ermordeten Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. singt Franklin „Precious Lord, Take My Hand“.

1977:

Die Soul-Diva singt bei der Amtseinführung von Präsident Jimmy Carter „God Bless America“. Auch bei den Zeremonien für die demokratischen Präsidenten Bill Clinton 1993 und Barack Obama 2009 tritt Franklin auf.

1987:

Als erste Frau überhaupt wird Franklin in die Rock‘n Roll Hall of Fame aufgenommen.

2005:

Die Sängerin erhält von George W. Bush die Freiheitsmedaille des US-Präsidenten, die höchste zivile Auszeichnung der USA.

2017:

Franklin kündigt ein letztes Album an. Im November singt sie bei einer Gala der Aidsstiftung von Elton John ein letztes Mal auf der Bühne. Die Sängerin wirkt sehr abgemagert.

16. August 2018:

Franklin stirbt im Alter von 76 Jahren in Detroit.


Kommentieren


Schlagworte