Abschied von der Queen of Soul - Aretha Franklin ist tot

Detroit (APA/AFP) - Keine Ehrbezeugung scheint zu hoch gegriffen für Aretha Franklin. Sie war Diva, Legende, Ikone - die unumstrittene Queen...

Detroit (APA/AFP) - Keine Ehrbezeugung scheint zu hoch gegriffen für Aretha Franklin. Sie war Diva, Legende, Ikone - die unumstrittene Queen of Soul. Und sie war eine Galionsfigur der Schwarzen- und der Frauenrechtsbewegung in den USA: Die am Donnerstag im Alter von 76 Jahren gestorbene Franklin hat Generationen von Soul- und R&B-Sänger und -Sängerinnen inspiriert.

Der Song „Respect“ wurde in ihrer Interpretation eine Hymne für Feministinnen und Bürgerrechtler gleichermaßen. Franklin starb nach langer Krankheit in ihrem Haus in Detroit - der Stadt, in der sie den Großteil ihres Lebens verbracht hatte. Freunde und Angehörige begleiteten die schwer kranke Sängerin in ihren letzten Tagen.

Aretha Franklins kraftvolle und sinnliche Stimme umfasste vier Oktaven und beeinflusste zahlreiche jüngere US-Souldiven von Whitney Houston über Mariah Carey bis Alicia Keys und Beyonce. Geboren wurde Aretha Franklin am 25. März 1942 in Memphis als Tochter eines Baptistenpredigers und einer Gospelsängerin, kurze Zeit später zog die Familie nach Detroit. In Franklins Elternhaus verkehrten berühmte Musiker wie Mahalia Jackson, aber auch die Bürgerrechtsikone Martin Luther King Jr., ein Freund von Arethas Vater.

Schon als Kind lernte Franklin Klavierspielen und sang im Kirchenchor, mit 14 Jahren nahm sie ihren ersten Song auf. 1960 unterzeichnete sie einen Vertrag mit dem Plattenlabel Columbia. Zur Berühmtheit wurde Franklin 1967 mit ihrem ersten Album für Atlantic, „I Never Loved a Man (The Way I Love You)“.

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Es folgte ein Hit nach dem anderen, von „(You Make Me Feel) Like a Natural Woman“ über „Think“ und „Chain of Fools“ bis zu „Respect“, das vom Magazin „Rolling Stone“ auf Platz fünf der besten Songs aller Zeiten gewählt wurde. Mit „Respect“ gewann Franklin 1967 auch die ersten zwei ihrer insgesamt 18 Grammys.

„Wenn ein Song von etwas erzählt, was ich selbst erlebt habe oder was mir hätte passieren können, ist es gut. Aber wenn er mir fremd ist, kann ich ihm nichts von mir geben“, sagte Franklin 1968 dem Magazin „Time“: „Das ist Soul.“

Während die Soul-Diva die Hits aneinanderreihte, war ihr Privatleben von Schicksalsschlägen und schweren Zeiten geprägt. Ihre Mutter Barbara starb, als Aretha zehn Jahre alt war. Ihren ersten Sohn bekam sie mit 13, den zweiten mit 15, zwei weitere Söhne folgten.

Franklin zog die Kinder mit Unterstützung ihrer Großmutter allein groß. Ihre zwei Ehen scheiterten, sie selbst hatte zeitweise Alkoholprobleme. Ihr Vater wurde 1979 von einem Einbrecher angeschossen und lag jahrelang im Koma, bis er starb.

Neben ihren Grammys wurde Franklin im Laufe der Jahre mit zahlreichen weiteren Preisen ausgezeichnet. 1987 wurde sie als erste Frau in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, 2005 erhielt sie vom damaligen Präsidenten George W. Bush die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA. Vielen ist noch Franklins bewegender Auftritt bei der Amtseinführung von Präsident Barack Obama, dem ersten schwarzen Staatsoberhaupt der USA, im Jänner 2009 in Erinnerung.

2010 wurde bei Franklin Krebs diagnostiziert. Trotz ihrer Gesundheitsprobleme zog sie sich nicht völlig aus der Öffentlichkeit zurück, sondern trat weiter vereinzelt auf. Im November 2017 sang sie bei der jährlichen Gala der Aids-Stiftung von Elton John noch einmal in New York. Im Frühling dann sagte sie eine Reihe von Konzerten aus gesundheitlichen Gründen ab. Nun ist ihre Stimme endgültig verklungen. Unvergessen bleibt sie dennoch.


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