Noch viele Konfliktpunkte in Syrien

Istanbul (APA/AFP) - In Syrien strebt der Kampf zwischen den Rebellen und Machthaber Bashar al-Assad nach sieben Jahren einem Ende zu. Nach ...

Istanbul (APA/AFP) - In Syrien strebt der Kampf zwischen den Rebellen und Machthaber Bashar al-Assad nach sieben Jahren einem Ende zu. Nach dem Verlust von Ost-Ghouta und Deraa (Daraa) kontrollieren die Aufständischen nur noch die Provinz Idlib. Vorbei ist der Krieg aber noch lange nicht, denn es bleiben noch viele Konfliktpunkte.

Wenn die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag den russischen Staatschef Wladimir Putin trifft, wird Syrien weit oben auf der Tagesordnung stehen. Anfang September wollen Deutschland, Russland, Frankreich und die Türkei zudem in Istanbul über den Konflikt beraten.

OFFENSIVE AUF IDLIB

Der akuteste Konfliktpunkt ist die Provinz Idlib. Assad hat bereits Truppen am Rande der letzten Rebellenhochburg zusammengezogen, die vor allem islamistische Gruppen und Jihadisten kontrollieren, und die Armee hat mit Luftangriffen begonnen. Russland hat signalisiert, dass es eine Offensive gegen „Terroristen“ in Idlib unterstützt. Die Türkei fürchtet, dass dies zu einem „Massaker“ führt und Hunderttausende Syrer zur Flucht über ihre Grenze treibt. Die türkische Armee unterhält zwölf Beobachtungsposten in Idlib, um eine Waffenruhe zu überwachen, kann aber eine Offensive kaum verhindern.

TÜRKISCHES PROTEKTORAT

Assad hat bereits klar gemacht, dass er sich von der Türkei nicht von der Rückeroberung Idlibs abhalten lassen wird. Gelingt ihm die Einnahme der Provinz, stehen seine Truppen direkt südlich der Region Afrin und des Gebiets um Al-Bab, die die türkische Armee mit verbündeten Rebellen seit August 2016 von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und der Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) erobert hat. Langfristig wird Assad dieses türkische Protektorat kaum dulden.

STATUS DER KURDEN

Während der Nordwesten von der Türkei besetzt ist, wird der Nordosten von den Kurden kontrolliert. Mit der Duldung Assads und zum Unmut der Türkei haben die kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD) und ihr bewaffneter Arm, die YPG, dort eine eigene Verwaltung aufgebaut. Unterstützt werden sie im Kampf gegen die IS-Miliz von rund 2.000 US-Spezialkräften. Seit einiger Zeit verhandelt die PYD mit Assad über den Status ihrer Gebiete in der Hoffnung, ihre Autonomie zu bewahren.

IRANISCHE TRUPPEN

Im Kampf gegen die Rebellen ist Assad auf die Unterstützung der russischen Luftwaffe und der iranischen Revolutionsgarden angewiesen. Zwar lässt der Iran vor allem schiitische Milizen aus dem Libanon, dem Irak und Afghanistan kämpfen, doch ist auch eine große Zahl iranischer „Militärberater“ in Syrien stationiert. Israel sieht ihre Präsenz als Bedrohung und fliegt regelmäßig Luftangriffe auf iranische Stellungen. Dauerhafte Stützpunkte seines Erzfeinds in Syrien will Israel nicht akzeptieren.

FLÜCHTLINGE UND WIEDERAUFBAU

Da sich der Krieg in vielen Landesteilen seinem Ende nähert, stellt sich die Frage nach der Rückkehr der fünf Millionen Syrer, die ins Ausland geflohen sind. Die Türkei, Jordanien und der Libanon dringen auf die Heimkehr der Flüchtlinge, die für sie eine schwere Last sind. Zudem richtet sich der Fokus auf den Wiederaufbau des zerstörten Landes. Weder der Iran noch Russland haben dazu die Mittel, weshalb die Regierung in Damaskus auch die Hilfe der Europäer und der Golf-Staaten gewinnen will.

UMGANG MIT ASSAD

Die Golf-Staaten und die Europäer sind allerdings kaum gewillt, Assad den Wiederaufbau seines Landes zu finanzieren, für dessen Zerstörung ihm eine große Schuld gegeben wird. Wie auch die Türkei wollen sie einen Verbleib Assads an der Macht bestenfalls für eine Übergangsphase akzeptieren. Es ist aber weder absehbar, dass er gestürzt wird, noch dass er die Macht freiwillig abgibt, die zu bewahren er so viel Blut vergossen hat. Internationale Verhandlungen über eine Nachkriegsordnung stecken nicht zuletzt wegen des Umgangs mit Assad seit Jahren fest.


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