Kollektives Arbeiten am „Klapperdings“

In der Musizier- und Kompositionswerkstatt der Klangspuren erhalten junge Talente einen neuen, gemeinsam erarbeiteten Zugang zur Musik.

In den unterschiedlichen Instrumentalgruppen (Percussion, Streicher) können die Kinder die Bandbreite an Klängen austesten.
© Thomas Boehm / TT

Von Barbara Unterthurner

Imsterberg –Harfenklänge, eine knarzende Geige, langsames Tippeln auf kleinen Trommeln. Und immer wieder Stimmengewirr und Kindergelächter. Ein Klangteppich, der vergangene Woche in der Volksschule Imsterberg zu hören war. Insgesamt 46 Kinder und Jugendliche wuselten sich hier durch acht Tage „Klangspuren Lautstark“, der Komponier- und Musizierwerkstatt der Klangspuren Schwaz.

Noch vor dem Klangspuren-Festival im September geht hier zum elften Mal eine Sommerfrische der anderen Art über die Bühne: gemeinsam essen, gemeinsam den Abend verbringen und vor allem gemeinsam musizieren. Mit dabei waren heuer Nachwuchsmusiker und -musikerinnen von 9 bis 16 Jahren, die in mehreren Formaten gemeinsam ein Konzert erarbeiten.

Das Prinzip, das Leiterin und Oboistin Catherine Milliken vor zehn Jahren entwickelt hat, ist simpel und funktioniert nach wie vor. In spezifischen Instrumentalgruppen nähern sich die Jugendlichen ihren jeweiligen Instrumenten. Sie loten die Bandbreite der Klänge aus und dürfen frei experimentieren. In den Kompositionsgruppen wird neu gemischt, die unterschiedlichen Instrumente jetzt auf die Gruppen aufgeteilt. Gemeinsam mit den Dozenten komponieren die Kinder hier konkrete Musikstücke.

Die Percussion-Gruppe bei der Arbeit.
© Thomas Boehm / TT

Und da dürfen auch die Schüler mal den Ton angeben: „Das Klapperdings war schöner, wenn wir alle gemeinsam laut gespielt haben“, meint ein­e junge Flötistin. Gemeinsam mit ihrer Gruppe erarbeitet sie gerade eine Sequenz zum Thema Planeten.

Ein Teil des diesjährigen Mottos, das mit „Planeten und Schwärme“ festgesetzt wurde. Es soll – wenigstens thematisch – die Richtung vorgeben. „Wir haben verschiedene Vorgaben, wie wir uns dem Thema als Erstes nähern“, erklärt Dozent Klaus Niederstätter. „Die Kinder können sich etwa überlegen, welche Geschwindigkeit ein Planet haben kann, das arbeiten wir in den Rhythmus ein; die Masse könnte in die Lautstärke einfließen“, so Niederstätter weiter.

Stilistisch orientiert sich das Programm von Milliken noch an weit Höherem; an „Gruppen“ von Karlheinz Stockhausen. Die wegweisende Komposition für Neue Musik wurde 1958 vom deutschen Komponisten verfasst und gilt nach wie vor als Musterbeispiel für serielle Orchesterpolyfonie. An diesem Punkt setzt Milliken an: Mithilfe serieller Kompositionstechniken entdecken die jungen Musiker verschiedene klangliche Formationen und Muster. Jede Kompositionsgruppe erbringe dabei ihre eigenen Ideen, Experimente sind ausdrücklich erwünscht, ebenso wie viel Eigenengagement.

Viele Inputs fließen schließlich in ein großes Ganzes: Nicht nur unterschiedliche Instrumente werden in die Gruppen eingebracht, sondern auch unterschiedliche Vorkenntnisse und unterschiedliche Altersstufen. „Die Kompositionsgruppen sind bunt durchgemischt, stets kommt in der Zusammenarbeit etwas Neues heraus“, erklärt Klangspuren-Geschäftsführerin Angelika Schopper. Und spielt damit auf das „Tutti“ an, das dritt­e Format neben Instrumental- und Kompositionsgruppen, in der alle Kleingruppen mit ihren selbstkomponierten Stücken an einem großen Abschlusskonzert arbeiten, das morgen Vormittag in Imsterberg stattfinden wird. Das offizielle Highlight der Werkstattwoche – auch wenn es für die teilnehmenden Kinder auch um das abwechslungsreiche Rahmenprogramm geht. Ob Sternschnuppen-Schauen oder das große Fußballturnier: Die jungen Musiker und Musikerinnen wollen auch abends unterhalten werden.

Andreas (16) aus Innsbruck ist schon seit acht Jahren dabei. Und nach wie vor großer Fan von „Lautstark“. Den größten Spaß bereite ihm das gemeinsame Komponieren, bei dem sich jeder einbringen und einfach drauflos improvisieren könne, erzählt der Cellist. Und die Statistik zeigt: Wer einmal Fan ist, bleibt es auch. Gerade heuer habe eine große Gruppe 18-Jähriger leider nicht mehr mitmachen dürfen, erklärt Angelika Schopper. Trotzdem sind wieder 16 neue Kinder bei „Lautstark“ dabei.

Und diese kommen bei Weitem nicht nur aus der unmittelbaren Umgebung. So etwa auch Jakob (13) aus Wien. Der Schlagzeuger ist das erste Mal in Imsterberg. „Ich habe das Instrument und die vielen Möglichkeiten und Techniken, darauf zu spielen, neu kennen gelernt“, meint der Drummer. Das gemeinsame Musizieren will er nun sogar in einer Band weiterbetreiben.

Das aktive und gemeinsame Konzipieren von konkreten Inhalten ist der Kern der Klangspuren-Werkstatt. Während in den Musikschulen vor allem alleine am eigenen Instrument gearbeitet wird, wird hier gemeinsam etwas erschaffen. Ein Konzept, das neben Horizont­erweiterung auch viel Spaß bietet.


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