Gschnitzer Wirtsleute fühlen sich ungerecht behandelt

Rund um die Überprüfung eines Gasthofs und einer Pension durch die BH setzt sich ein langer Konflikt zwischen Wirt und Gemeindeführung fort.

© Schafferer

Von Michael Domanig

Gschnitz –„Wir denken ernsthaft darüber nach, unseren Gasthof zu schließen und nur noch den Hotelbetrieb weiterzuführen“, erklärt Helmut Schafferer aus Gschnitz. Er ist Wirt des örtlichen Gasthofs Alpenrose – wobei den Betrieb inzwischen seine Frau Nina führt, die auch Besitzerin der Pension selben Namens gleich nebenan ist.

Der Grund sei, dass man sich seitens des Bürgermeisters ungerecht behandelt fühle, sagt Schafferer. In der Gemeinderatssitzung im Juli habe man erfahren, dass Gasthof und Pension nach einer „Anzeige“ von BM Christian Felder „auf Einhaltung sämtlicher gesetzlich vorgeschriebener Richtlinien für eine Betriebsanlage überprüft“ werden sollen. Für Schafferer – der mit der Gemeindeführung seit Jahren wegen diverser Bau- und Grundstücksangelegenheiten im (teils auch gerichtlich ausgetragenen) Streit liegt, unverständlich: Schließlich gebe es „überhaupt keine Anhaltspunkte“ für irgendwelche betrieblichen Versäumnisse. Er sehe in der „Anzeige“ einen „reinen Racheakt“ des Bürgermeisters. Dabei handle es sich beim Wirtshaus, das 2019 60 Jahre alt wird, um „einen der letzten alteingesessenen Betriebe“ in Gschnitz. „Ich bin jetzt 67, meine Frau 66, wir haben keine Nachfolger und überlegen, den Gasthof zu schließen“, so Schafferer.

BM Christian Felder weist Schafferers Vorwürfe strikt von sich, die Hintergründe seien völlig andere: Schafferer liege seit Jahren wegen baulicher Fragen im Clinch mit einem Nachbarn. In diesen Konflikt sei auch er als Bürgermeister „hineingezogen“ worden.

Negativer Höhepunkt im Streit zwischen Wirt und Gemeindeführung war dann der 8. Juni 2017: BM Felder wurde vom Wirt durch einen tätlichen Angriff zu Sturz gebracht, der folgende Prozess am Landesgericht endete, wie berichtet, mit einer Diversion – nach einem „vollen Schuldeingeständnis“ Schafferers, wie Felder betont. Der Gastwirt zahlte 900 Euro Geldbuße, Felder erhielt 200 Euro Teilschmerzensgeld, das er spendete.

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Doch zurück zum jetzigen Streitpunkt: Einer der Vorwürfe Schafferers ist, dass der Nachbar sein Haus zu hoch gebaut habe – und Felder als Baubehörde erster Instanz auf einen entsprechenden Hinweis fünf Jahre lang nicht reagiert habe. Daher hat Schafferer – der seit Anfang des Jahres übrigens selbst im Gschnitzer Gemeinderat sitzt – nun „Säumnisbeschwerde“ beim Landesverwaltungsgericht eingebracht.

Dass das Haus, das seit rund 45 Jahren so dastehe, womöglich um einige Zentimeter zu hoch gebaut worden sein könnte, sei eine „reine Mutmaßung“ Schafferers, so Felder. Laut Sachverständigem, den er, Felder, eingeschaltet habe, sei die Höhe aufgrund des Urgeländes nicht genau eruierbar. Jedenfalls habe Schafferer seine jüngste Säumnisbeschwerde noch erweitert: Er fühle sich durch das Nachbarhaus brandschutzmäßig gefährdet.

Nachdem der Nachbar wiederum ähnliche Vorwürfe gegenüber Helmut Schafferer geäußert habe – dessen Haus sei brandschutz- und höhentechnisch nicht in Ordnung etc. –, habe er handeln müssen, so Felder. „Wenn sich zwei Bürger gegenseitig brandschutztechnische Gefährdung vorwerfen und der Bürgermeister nichts unternimmt, handelt er grob fahrlässig.“ Damit beide Gemeindebürger gleich behandelt werden, habe er die BH als unabhängige und neutrale Stelle um eine „gleichberechtigte Untersuchung“ in beiden Fällen ersucht. Eine „Anzeige“ sei das nicht.

Das Gewerbereferat wird nun den Gasthof Alpenrose und die Pension Nina in gesamter baulicher, gewerberechtlicher und brandschutztechnischer Sicht prüfen, das Haus des Nachbarn wird brandschutztechnisch überprüft. „Ich bin meiner Aufgabe als Bürgermeister nachgekommen und habe die Sache an die BH weitergegeben, die nun entscheidet“, sagt Felder.


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