Seufzend floh das raue, wilde Leben

Der hoffnungsvolle Sieg Davids über Goliath bei den Festwochen der Alten Musik.

Alexander De Marchi (Mitte) erzählte mit seinem Ensemble die Geschichte von David und Goliath.
© Festwochen/Putzhuber

Innsbruck – Der klingenden Streichquartett-Geschichte des casalQuartetts folgte am Samstag im Dom zu St. Jakob das Oratorium „Davidis pugna et victoria“ von Alessandro Scarlatti, jenes um 1700 hochberühmten Meisters, der mit seiner vierstimmigen Sonate eine Vorform des Streichquartetts geschaffen hat. Innerhalb der Komposition des laufenden Festwochen-Programmes ergab sich noch ein weiterer Verweis: Der anonyme Librettist des Oratoriums zitiert einen Satz aus Vergils „Äneis“ und erinnert damit an den trojanischen Helden Aeneas, dem die verzweifelte „Didone abbandonata“ nachtrauert. Alessandro De Marchi hat die Oper zu Beginn der Festwochen wiedererweckt.

Nun also widmete sich De Marchi, Spezialist für die neapolitanische Oper, dessen Haupt Scarlatti war, dessen Oratorium vom Sieg des Hirtenjungen David über den kriegerischen Riesen Goliath, der fluchend, mit Vergils Worten aber doch so poetisch endet: „Sein Leben floh mit einem Seufzer unwillig zu den Schatten.“

Scarlatti brauchte nicht mehr als 75 Minuten für einen Bilderbogen, erzählt von fünf Solisten, satten Streichern, zwei Continuo-Gruppen und Doppelchor. De Marchi machte mit seiner sehr präsenten Academia Montis Regalis ein dichtes Szenario daraus, mit Kampfgetümmel und frommer Einkehr, rauem Streit und sattem Klang, der ohne Bläser auskommt und in der Architektur Widerhall fand. Den wild drohenden Koloraturen Goliaths von Luigi De Donatos fülligem Bass setzte Arianna Vendittelli mit ihrem strahlenden, wendigen Sopran Davids innige, vom Glauben erfüllte Lyrik entgegen. Giulia Semenzatos heller Sopran gehörte dem Jonathan, Lawrence Zazzo war gerade auch in seinen Bedenken ein würdevoller Saul. Jeffrey Francis verlieh dem Erzähler einigen Nachdruck. Die beiden Gruppen des eindrucksvollen Turiner Coro Maghini machten die Gleichzeitigkeit von Sieg und Verlust ebenso wie die Sopranistinnen ihre melodiösen Verschränkungen zu dramaturgischen Höhepunkten. (u.st.)

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Kommentieren


Schlagworte