Leise rollt das E-Taxi gegen Lärm und Gestank in der Stadt

Es sind noch wenige, werden aber mehr: Taxler, die auf E-Autos umsteigen. In Villach, Graz und Wien gibt es bereits starke Initiativen, in Innsbruck erste Vorreiter.

© Foto TT / Rudy De Moor

Von Liane Pircher

Innsbruck — Im ersten Moment fällt einem nichts auf, wenn man zu Herbert Walch ins Taxi steigt. Spätestens wenn das Auto aber anrollt und bei der nächsten roten Ampel zum Stehen kommt, fällt es auf: Man hört nichts, kein Motorgeräusch, keine typische Vibration. In solchen Situationen wird dann bei den Kunden die Neugier groß: „Die Leute wollen alles über das E-Auto wissen, wie viel Reichweite, welche Kosten, wie das mit dem Aufladen funktioniert. Sogar über Achtzigjährige hören nicht auf zu fragen und sind begeistert", erzählt Walch.

Seit dem Oktober 2017 setzt der Taxiunternehmer auf die neue E-Technik, rund 13.000 Kilometer ist er mit dem Kia mittlerweile gefahren. Pannenfrei. Walch fährt vorwiegend im städtischen Bereich, übernimmt auch kleinere Überlandfahrten — etwa nach Seefeld, Telfs oder ins Sellrain. Nur zum Flughafen stellt er sich nicht. Die Sache mit der Reichweite sei nicht so kompliziert, wie viele denken würden, sagt er, während er auf sein Display drückt: „Schauen S', jetzt habe ich noch 70 Prozent Energie, das geht sich heute locker aus."

Taxler skeptisch, keine Initiative seitens der Stadt

Insgesamt sei die Reichweite von etwa 190 Kilometern im Winter und 230 Kilometern im Sommer pro Ladung bisher genug gewesen. Auftanken tut er sein Auto hauptsächlich über Nacht in seiner Tiefgarage, an einer „gewöhnlichen Haushaltssteckdose", wie er sagt. Tagsüber gebe es im Falle genügend Aufladestationen im Land, fehlen würden welche u. a. an Taxistandplätzen: „Ich fahre im Ein-Schicht-Betrieb, da langt mein Konzept, für Zwei-Schicht-Betriebe bräuchte es Ladestationen an Standplätzen", so Walch.

In Sachen E-Taxi bewege sich in der Stadt Innsbruck noch zu wenig: „Leider sind einige Taxler skeptisch, aber es gibt auch seitens der Stadt keine wirkliche Initiative, die das Thema ankurbeln würde. Ich habe das Gefühl, alle warten, dass der andere etwas tut."

Neben Walch gibt es bis dato nur einen weiteren Taxiunternehmer, der auf Elektroantrieb setzt. Es sei das Interesse an einer neue­n, für die Umwelt besseren Technik gewesen, die Walch persönlich auf den Umstieg brachte. Förderung bekam er minimale: 485 Euro vom Land, 1500 Eur­o vom Bund (und der Händler ließ 1500 Euro nach). Dafür seien die Erhaltungskosten des Autos gering — etwa 1,50 Eur­o pro 100 Kilometer. Kein Ölwechsel. Die Bremsen werden viel weniger beansprucht. Klar sei die Technik rund um Batterie (und Entsorgung) nicht perfekt ausgereift, aber hier werde sich künftig noch viel bewegen und „irgendwer muss ja mit der neuen Technik anfangen und nicht am Diesel hängenbleiben", sagt Walch. Ähnlich sieht es Gabriel Klammer, Fachgruppengeschäftsführer der Sparte Transport der Tiroler Wirtschaftskammer: „E-Taxis wären ein toller Multiplikator, im Taxi unterhält man sich über die neue Technik, man müsste von politischer Seite mehr Anreize setzen."

Fakt ist, dass es an die Stadt Innsbruck — so die Auskunft dort — momentan dank steigendem Bewusstsein in der Bevölkerung viele Förderwünsche gebe, die alle handgestrickte Lösungen für ihre Produkte wollen. Man wolle das aber lieber konzeptiv und nachhaltig angehen. Zudem setze man eher auf Infrastruktur — also Ladenetz ausbauen statt Kaufpreis der E-Mobilität mit öffentlichen Geldern stützen. Dazu werde sich die für Mobilität zuständige Stadträtin Uschi Schwarzl mit dem städtischen Energieversorger IKB demnächst einen Überblick über alle Initiativen schaffen. Man arbeite mit IKB, IVB, VVT und Energie Tirol daran, die E-Mobilität-Initiativen zusammenzufassen.


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