,,So was von da“: Abgedrehter Abgesang samt Abrissbirne

Die letzte Hochfrequenz-Sause am Hamburger Hafen: Jakob Lass hat Tino Hanekamps Clubroman „So was von da“ verfilmt.

Clubbesitzer Oskar (Niklas Bruhn) lässt es zu Silvester ein letztes Mal krachen. „So was von da“ läuft heute um 15 Uhr im Innsbrucker Leokino.
© GORDON Photographie

Von Marian Wilhelm

Innsbruck –Deutsches Kino und Coolness finden nur noch selten zusammen. Die Filme der Brüder Lass widersprechen dieser – zugegeben etwas voreilig formulierten – These vehement. Lass-Filme sind verdammt cool.

Während Tom Lass’ großartiger „Blind & Hässlich“ 2017 quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Fernsehen gesendet wurde, legt dessen älterer Bruder Jakob nach der mitreißenden Emanzipationsgeschichte „Tiger Girl“ (2017) nun schon wieder einen Langspielfilm vor. „So was von da“ ist die Verfilmung von Tino Hanekamps gleichnamigem Debütroman. Hanekamp war Betreiber des Hamburg Clubs „Uebel & Gefährlich“ – und man darf davon ausgehen, dass er weiß, worüber er spricht, wenn er vom wilden Nachtleben an der Alster erzählt. Nun ist Hamburg nicht Berlin – und nordische Partybereitschaft abseits von Reperbahn-Romantik kaum besungen. Auch filmisch also quasi Neuland.

Im Zentrum von „So was von da“ steht Clubbesitzer Oskar (Niklas Bruhn). Ausgerechnet in der Silvesternacht will er seinen Club für immer dichtmachen. Er ist verschuldet beim Kredithai „Kitz-Kalle“ (Szene­größe Kalle Schwensen spielt eine Variante seiner selbst). Zusammen mit seinem Kompagnon will er den Abschied richtig zelebrieren. Bei der Party treffen alle ein letztes Mal zusammen: die beste Freundin Nina, die verloren geglaubte große Liebe Mathilda. Und allerlei schräge Vögel drumherum. In der „Rakete“ treten echte Bands auf und reichern den Film mit Cameo-Auftritten an. Bela B von den Ärzten gibt sogar den kranken Vater eines jungen Rockmusikers, der aus den Händen einer Frau (Corinna Harfouch) befreit werden muss. Die entpuppt sich als stockkonservative Innensenatorin – und sorgt für gutbürgerlichen Kontrast zum feierwütigen Rausch der letzten Sause. Und „So was von da“ ist im Grunde eine Hochfrequenz-Sause sondergleichen: Es geht drunter und drüber, großes Drama, ordentlich Haudrauf, immer mittendrin, immer voll dabei. Dass Jakob Lass und sein junges Ensemble dieses Energie-Level mehr oder weniger durchhalten, ohne dabei wirklich repetitiv und fad zu werden, ist eine Leistung.

Die Lass Brothers sind übrigens auch für ihre anti-elitären Partys während der Berlinale bekannt (Mott­o: „No Guestlist. No Bull­shit.“). Kurzum: Sie wissen, wie man feiert. Und sie wissen, wie man feiern filmt. Schon mit ihrem Überraschungserfolg „Love Steaks“ (2013) formulierte Jakob Lass, was lebendiges und lebensnahes Kino ausmacht. Mut zum Risik­o, Flow, „kein Drehbuch, sondern ein dramaturgisches Skelett“ fordert er in seinem Fogma-Manifest. Dieser Philosophie bleibt er auch mit „So was von da“ treu. Herausgekommen ist ein atmosphärisch dichter, überdrehter Partyfilm. Vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber das war Opas Kino auch nicht.

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