Tennis: Graz wird letzter Davis Cup des ÖTV im „best of five“-Modus

Wien (APA) - Die einschneidende Davis-Cup-Reform des Internationalen Tennisverbands (ITF) ist in der Tennis-Szene in aller Munde. Für das We...

Wien (APA) - Die einschneidende Davis-Cup-Reform des Internationalen Tennisverbands (ITF) ist in der Tennis-Szene in aller Munde. Für das Weltgruppen-Play-off vom 14. bis 16. September in Graz zwischen Österreich und Australien bedeutet die Entscheidung von Orlando aber eine Aufwertung: Es wird der letzte Davis Cup mit ÖTV-Beteiligung überhaupt, bei dem es noch zu einem Fünf-Satz-Klassiker kommen kann.

Bei näherem Hinsehen auf das neue Regulativ gibt es ja nicht nur beim Finalturnier im November 2019, sondern auch in der ersten Runde im Februar keine „best of five“-Matches mehr. Sollte Österreich in Graz gewinnen, spielt die ÖTV-Equipe im Februar, im Falle einer Niederlage geht es fix und in nur in einem einzigen Länderkampf im September 2019 in der Euro-Afrika-Zone I um den Aufstieg. In den unteren Klassen wird schon seit heuer nur auf zwei Gewinnsätze gespielt.

Herwig Straka ist einerseits Organisator des Davis Cups in Graz und Turnierboss beim Wiener Stadthallenturnier, andererseits sitzt der Steirer im Turnier-Council der ATP. Im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur verriet Straka am Freitag u.a., dass der Großsponsor Kosmos zunächst lange mit der ATP verhandelt hatte, er äußerte sich zum Machtkampf ATP-ITF und auch darüber, ob er nun für Graz zusätzliche Zuschauer-Kapazitäten plant.

APA: Was halten Sie von der beschlossenen Davis-Cup-Reform?

Straka: „Es überrascht mich nicht. Ich bin ein bisschen befangen durch meine ATP-Tätigkeit, weil wir der Meinung waren, dass es nicht so gescheit ist, zwei Teambewerbe (ATP World Team Cup ab 2020, Anm.) zu veranstalten.“

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APA: Der Machtkampf zwischen ATP und ITF scheint nun voll ausgebrochen zu sein.

Straka: „Ich will das gar nicht auf den Machtkampf zuspitzen. Der Punkt ist, dass die ITF lange gewusst hat, dass man den Davis Cup reformieren muss, weil er so nicht mehr funktioniert. Dazu braucht sie die Spieler, und sie haben halt versucht, die Spieler mit Geld zu kaufen, sage ich ganz banal. Ich glaube nicht, dass das die ideale Lösung einer Davis-Cup-Reform ist, aber es ist sicher besser als bis jetzt.“

APA: Haben die enormen Summen den Ausschlag gegeben?

Straka: „Kosmos war ja zuerst bei der ATP. Wir haben ja mit Kosmos lange verhandelt. Sie haben dann diese Punkte, die für unsere Spieler wichtig sind, nicht akzeptiert. Die Idee von Kosmos war am Jahresende, und wir haben gesagt, am Jahresende kann es einfach nicht funktionieren. Der Überzeugung bin ich nach wie vor.“

APA: Ist denn die Chance, dass die Topstars für ihr Land spielen gestiegen, wenn man direkt nach den ATP World Tour Finals noch ein Großevent ansetzt?

Straka: „Entweder finden sie einen neuen Termin ab dem Jahr 2020, oder die Spieler werden trotz des vielen Geldes nicht mitspielen. Die, die im Masters spielen, sind fertig, und die, die nicht spielen, müssen ihre ‚off season‘ verkürzen. Das ist für mich von der Spielerseite ein Wahnsinn.“

APA: Eigentlich würden ja nun einige Davis-Cup-Termine im April oder Juli frei werden. Könnte man mittelfristig den gesamten Turnierkalender daran anpassen?

Straka: „Das würde nur gehen, wenn die ITF mit der ATP zusammen eine Lösung findet. Ich glaube, dass es mittelfristig eine Lösung geben muss, wo man nur einen Weltcup hat.“

APA: Als Veranstalter können Sie den Davis Cup in Graz nun noch besser verkaufen, weil es eben auch ein Abschied vom „best of five“-Modus wird.

Straka: „Klar, könnte man machen, aber wir sind eh schon sehr gut verkauft. Ich sehe es mit einem lachenden und weinenden Auge, weil die Chancen, zukünftige Heimspiele zu haben, sind relativ gering geworden. Es gibt ja nur noch eine Runde.“

APA: Was bedeutet die Reform aus Ihrer Sicht für die Fans?

Straka: „Es fehlen die Geschichten, die legendären Davis-Cup-Heimspiele. Am Ende des Tages geht es darum, dass du deinem eigenen Publikum, - Gott sei Dank gibt es in Österreich Turniere -, eine Länderspiel-Atmosphäre, die es sonst nicht gibt, zeigst, und das hat nachweislich vielen Leuten die Karriere geöffnet. Weil sie gesagt haben, ich war damals im Praterstadion oder in Unterpremstätten dabei. Dieser Transfer findet jetzt nicht mehr statt. Man kriegt halt direkt mehr Geld und setzt das hoffentlich richtig ein, für die Entwicklung des Sports in Österreich.“

APA: War die Skepsis angesichts der hohen versprochenen Sponsorensummen für 25 Jahre nicht auch da?

Straka: „Ein sehr bekannter Spielermanager, dessen Namen ich nicht sage, hat gesagt, Finger weg. Immer dann wenn Milliarden im Spiel oder im Gespräch waren, hat es in der Geschichte des Tennissports noch nie was Gutes gebracht. Der Grand-Slam-Cup hat damals auch viel kaputt gemacht. Eine gewisse Skepsis gibt es auf der ATP-Seite, wenn jemand mit Milliarden herumwirft auf 25 Jahre.“

APA: Wird der World Team Cup der ATP in Australien vom Modus her ähnlich aussehen?

Straka: „Ja, es ist ähnlich in einem Gruppensystem. Ursprünglich war ja die Idee, dass man es gemeinsam macht und dann hätte es 1.000 Punkte gegeben. Gemeinsam wäre das schon ein Event gewesen. Ich schätze trotzdem, dass die Tür noch nicht ganz zu ist.“

APA: Glauben Sie, dass der neue Davis Cup offen boykottiert werden könnte?

Straka: „Das glaube ich nicht. Es wird sich keiner offen dagegenstellen, weil die ITF ist immerhin der Mutterverband. Aber es werden sicher viele nicht mitspielen, woraufhin im Jahr darauf wahrscheinlich das vom Termin her geändert wird.“

APA: Noch ein Blick nach Graz: Werden Sie die Zuschauerkapazität erhöhen?

Straka: „Man hat ja Tage, die nachgefragter sind als andere. Die Frage ist, ob es Sinn macht, die Kapazität für einen Tag zu erhöhen. Mir ist lieber, es ist drei Tage voll, als es sind an einem Tag 1.000 Leute mehr da. Wir haben eine sehr hohe Latte gehabt, wo es beginnt, sich zu rechnen. Die lag bei einer 80-prozentigen Auslastung, und da sind wir schon im Positiven.“

(Das Gespräch führte Gerald Widhalm/APA)


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