Ronaldo-Debüt mit Trauerflor: Unglück trübt Italiens Euphorie

Nach dem tödlichen Einsturz einer Brücke steht Italien unter Schock. Die Trauer überschattet auch das Liga-Debüt von Cristiano Ronaldo. Den Saisonauftakt hätte sich Italiens Fußball anders erträumt.

Cristiano Ronaldo betritt am Samstag in Verona erstmals die Serie-A-Bühne.
© Reuters

Von Alberto Cagliano, Larissa Schwedes und Lena Klimkeit, dpa

Rom – Wochenlang haben die Tifosi in Italien auf das erste Pflichtspiel des neuen Superstars Cristiano Ronaldo hingefiebert - doch der Brückeneinsturz in Genua mit Dutzenden Toten drängt den Fußball in Italien zum Saisonstart in den Hintergrund. Mindestens 37 Menschen starben, Italien ist erschüttert. Vor jeder Partie soll in den Stadien zum Saisonauftakt der Serie A am Wochenende eine Minute lang Stille herrschen. Gespielt wird mit schwarzem Trauerflor.

In Genua, dem Schauplatz des Unglücks, bleibt sogar das gesamte Stadion leer. Die Liga verschob sowohl das Heimspiel von Sampdoria Genua gegen Florenz als auch die Begegnung von CFC Genua und ACMailand auf unbestimmte Zeit. Die Entscheidung sei ein „wichtiger Akt der Solidarität für Genua und die Genoveser, die Tage des tiefen Schmerzes und der Bestürzung erleben“, sagte Sampdoria-Präsident Massimo Ferrero, der sich für die Anteilnahme bedankte.

Der aus Genua stammende italienische Parlamentsabgeordnete Luca Pastorino kritisierte, dass der Spieltag nicht ganz abgesagt wurde. „Am nationalen Trauertag erscheint es absurd, dass die Meisterschaft der Serie A regulär mit Chievo - Juventus beginnt. Wie viel ist das Leben wert, wie viel sind die unter einer eingestürzten Brücke zerissenen Herzen wert? Was ist der Schmerz der Familien, Kinder, Männer und Frauen wert? Nichts?“ Ferrero sagte dagegen:„Es ist richtig, dass auf den anderen Plätzen gespielt wird, das nimmt uns nichts von der Nähe, die uns ganz Italien gezeigt hat.“

Ronaldo-Transfer wie ein „Lottogewinn“

Die Welt schaut derzeit nach Italien - doch die Club-Verantwortlichen hatten sich zumSaisonstart eigentlich eine andere Art der Aufmerksamkeit erhofft. Ex-Juve-Spieler Christian Vieri bezeichnete den Transfer Ronaldos vonReal Madrid zu Juve als „Lottogewinn“, der der italienischen Liga wieder mehr Beachtung aus dem Ausland schenken werde. Über die Serie A habe man zuletzt wenig gesprochen, weil die Superstars fehlten. Diese Zeit soll nun vorbei sein.

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Serie A - 1. Spieltag

Samstag

Chievo Verona - Juventus Turin 18.00 Uhr

Lazio Rom - SSC Napoli 20.30 Uhr

Sonntag

Torino - AS Roma 18.00 Uhr

Bologna - SPAL 20.30 Uhr

Empoli - Cagliari 20.30 Uhr

FC Parma - Udinese Calcio 20.30 Uhr

Sassuolo - Inter Mailand 20.30 Uhr

Montag

Atalanta - Frosinone 20.30 Uhr

verschoben:

Milan - Genoa, Sampdoria - Fiorentina

Die „Gazzetta dello Sport“ sprach vom „verrücktesten Transfersommer seit vielenJahren“. Nicht nur Juve, das mit dem 112 Millionen Euro teuren Rekordtransfer Ronaldo den achten Meistertitel in Serie anstrebt, griff tief in die Tasche. Die 20 Vereine der Serie A gaben nach Berechnungen des Portals transfermarkt.de noch vor Ablauf der Wechselperiode am Freitagabend mehr als eine Milliarde Euro für neue Spieler aus. In den vergangenen Jahren stiegen die Summen zwar stetig, bisher aber nicht über die Milliardengrenze.

Turin verpflichtete neben Ronaldo auch den deutschen Nationalspieler Emre Can von Liverpool und Joao Cancelo von Inter Mailand. Leonardo Bonucci ist nach einer Saison beim AC Mailand ebenfalls zurück.

Mailänder Clubs rüsteten auf

Der Tabellenzweite SSC Neapel will in der kommenden Spielzeit mit demEx-Bayern-Coach Carlo Ancelotti einen neuen Angriff auf den ersehnten drittenScudetto seiner Geschichte starten. Unter Maurizio Sarri, den Club-Boss Aurelio de Laurentiis zum FC Chelsea ziehen ließ, begeisterte Napoli zwar mit Offensivfußball, für einen Titel reichte es aber nicht. Fast 30 Jahre nach dem letzten Meistertitel der Mannschaft umClub-Legende Diego Maradona weckt Ancelotti trotz einer enttäuschenden Vorbereitung bei den Fans große Träume.

Während bei Napoli Ex-Coach Ancelotti der prominenteste neue Name ist, rüsteten die Mailänder Clubs in diesem Sommer wie auch Juve wieder einmal auf. Milan holte Stürmer Gonzalo Higuaín aus Turin, Inter zahlte geschätzte 38 Millionen Euro Ablöse an ASRom für Radja Nainggolan. Der Titelkampf der Serie A könnte daher nach der Juve-Dominanz der vergangenen Jahre wieder mehr Spannung bieten - und Italien zum Serie-A-Auftakt inmitten der Trauer um die Opfer von Genua zumindest wieder mal ein paar andere Schlagzeilen bescheren.


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