Museum in Hannover feiert Wimmelbuch-Illustratorin Berner

Hannover (APA/dpa) - Ihre Wimmelbücher erscheinen in 22 Ländern, die Auflage hat nach Verlagsangaben bald die Marke von drei Millionen gekna...

Hannover (APA/dpa) - Ihre Wimmelbücher erscheinen in 22 Ländern, die Auflage hat nach Verlagsangaben bald die Marke von drei Millionen geknackt: Die in München lebende Rotraut Susanne Berner gehört zu den bekanntesten Illustratorinnen in Deutschland. Aus Anlass ihres 70. Geburtstags am 26. August präsentiert das Museum Wilhelm Busch in Hannover unter dem Titel „Sammel & Surium“ Bilder und Bücher aus 40 Jahren.

Die Auswahl der Werke und das Abtauchen in die Vergangenheit sei ihr nicht leicht gefallen, sagte Berner am Freitag. „Jetzt hängt es hier, ist ein Stück weg von mir und ich kann es genießen.“ Die gebürtige Stuttgarterin veröffentlichte ihr erstes eigenes Buch mit fast 50 Jahren. Zunächst machte sie sich mit der Gestaltung von etwa 800 Buch-Umschlägen und der Illustration literarischer Texte einen Namen. Ihre Wimmelbücher erzählen anhand von rund 50 Figuren ohne Worte Geschichten aus der fiktiven Kleinstadt Wimmlingen. Die Schau in Hannover ist von diesem Samstag an bis zum 4. November zu sehen.

Vor elf Jahren löste Berner einen kleinen Kunst-Skandal aus. In einem ihrer Wimmelbücher für Kinder sollte vor dem Erscheinen in den USA bei einer Akt-Statue der kaum sichtbare Penis wegretuschiert werden. Rotraut Susanne Berner lehnte die Zensur ab, der Vertrag platzte. Das wurde dann doch unzensiert inklusive Mikro-Penis, einem weiblichen Akt und sogar ein paar Rauchern von einem anderen US-Verlag herausgebracht. Die Szene des Anstoßes ist in ihrem neuen Buch „Sammel & Surium“ (Gerstenberg Verlag) abgedruckt, das parallel zur gleichnamigen Ausstellung erscheint.

Kinder lieben nicht nur Berners Wimmelbücher, sondern auch ihre bei Hanser erscheinenden Abenteuer des Hasen Karlchen. Ihre Bücher beschreiben Alltägliches mit Poesie, Tiefgang und einen hintergründigen Humor. Sie sei eine späte Autorin, was vielleicht ihrem vorsichtigen Naturell entspricht, sagt die vielfach ausgezeichnete Illustratorin. Erst im Alter von 47 Jahren verfasste sie ihren ersten eigenen Text.

Der Tod ihres Mannes Armin Abmeier 2012 habe sie auch in eine Schaffenskrise geführt, sagt Berner. Am Herzen liegt der Künstlerin die Herausgabe der „Tollen Hefte“, die sie nach dem Tod ihres Mannes übernommen hat. Aus den Heften, die Schriftsteller und Zeichner zusammenbringen, stammt auch ihre jüngste Arbeit in der Schau, „Schlaraffenbauch“, eine Illustration der Gedichte des Österreichers Michael Hammerschmid.

Als Kind der 1950er ist sie inspiriert von Erich Kästners Illustrator Walter Trier. Zudem verehrt sie den Schöpfer von „Max und Moritz“. „Mein Vater hat mir damals Comics verboten, aber Wilhelm Busch erlaubt“, erzählt sie.

„Dem einfachen Strich geht eine lange Phase von Arbeit voraus“, sagt Berner. Um Charaktere zu entwickeln und nicht immer die gleichen Gesichter zu zeichnen, setzt sie sich ins Café und schaut Menschen an oder studiert Fotobücher. In den Wimmelbüchern ist auch ihr Mann Armin als Buchhändler verewigt. Die Figur Susanne ist der Autorin zumindest in einem Punkt ähnlich: „Ich verliere auch immer meine Mützen und Hüte, selbst wenn ich sie im Taxi auf dem Schoß halte.“

(SERVICE - Internet: https://www.karikatur-museum.de)


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