Auf einen Eiskaffee und Kuchen ins Hospiz

Seit Juli kann man im Erdgeschoß des Hospizhauses Hall im öffentlichen Café seinen Cappuccino trinken. Ein besonderes Projekt von Ehrenamtlichen.

© Stegmayr

Von Markus Stegmayr

Hall –Die Situation ist ganz und gar nicht alltäglich. Da, wo Menschen ihre letzten Tage verbringen, denkt man an viel, aber nicht an einen gemütlichen Plausch bei selbstgebackenem Ribiselkuchen. Das möchte Angelika Heim, die Leiterin des Bereichs Ehrenamt im Hospizhaus, gerne ändern. Dazu gebraucht sie einen Begriff, der in diesem Kontext an diesem Ort sonst zu wenigen Menschen einfällt: Normalität. Diese soll sich anfänglich und nach fast zwei Monaten Café-Betrieb vor allem für die Hospiz-Patienten und deren Angehörige einstellen. Sie sollen „ganz selbstverständlich“ hier im Café Getränke bestellen, Kuchen essen und natürlich, falls dies gewollt ist, Gespräche finden.

Noch ist die Frequenz von außen recht niedrig, was sicherlich auch dem heißen Sommer geschuldet ist. Angelika Heim und Helga Edenhauser, die für die Koordination der Ehrenamtlichen zuständig ist, wünschen sich, dass das Café-Publikum in Zukunft aber noch weit bunter ist. Man hat dazu etwa die nahe UMIT im Blick oder auch einfach nur Vorbei­spazierende. Auch das Café-Team, derzeit bestehend aus acht Ehrenamtlichen, soll ab September Zuwachs bekommen. Mit Oktober strebt man dann eine Erweiterung der Öffnungszeiten an – und will von Montag bis Freitag von 13.30 bis 17.30 Uhr offen halten. Für den potenziellen Gästeansturm ist man aber jetzt schon gerüstet und hat die Café-Pforten von Montag bis Mittwoch im selben Zeitraum geöffnet.

Ein ganz normales Café will man dann aber doch nicht sein. Eine fixe Speise- oder Getränkekarte existiert nicht, die Ehrenamtlichen bieten an, was gerade an Selbstgebackenem oder Gespendetem vor Ort verfügbar ist. Das kann einmal, zumal wenn Helga Edenhauser Dienst hat, ein Eiskaffee sein, in ein paar Tagen eine Sachertorte. Auch fixe Vorstellungen, wie der Blumenschmuck auszusehen hat, gibt es nicht. „Manchmal bringt eine Ehrenamtliche Blumen mit, manchmal gehen wir vor der Öffnung einfach hinters Haus und schneiden dort Blumen ab“, sagt Heim. Das genau sei auch das Schöne und das Besondere am Hospizcafé: „Wir haben jeden Tag andere Persönlichkeiten da, was alles sehr bunt macht.“

Bunt und vielseitig sind auch die Gespräche, die sich im Café ergeben. „Oft tiefsinnig und vertraulich“, meint Edenhauser, aber manchmal auch „banal“, wie Heim ergänzt. Manchmal werde auch einfach nur nach dem Kuchenrezept gefragt, fügt sie an. Wichtig finden beide dabei, dass nicht die Krankheit der Café-Gäste im Mittelpunkt steht. „Erst so ergeben sich viele schöne Momente, die nichts mit der Krankheit des Menschen zu tun haben“, führt Heim aus. Der Mensch als Ganzes stehe im Mittelpunkt.

Die Zukunftswünsche der beiden sind jedenfalls eindeutig. „Die Leute sollen keine Schwellenangst haben“, wünscht sich Edenhauser künftig Gäste von nah und fern aus verschiedensten Kontexten. Auch Heim erhofft sich, dass mehr Menschen „erste Schritte setzen, sich das Hospizcafé anschauen und bei uns im Haus ein wenig hineinspüren“. Gelingt das, dann könnte sich das Hospizcafé tatsächlich zu einem mehr oder weniger „normalen“ Café entwickeln, mit besonderem Fokus aber auf Gastfreundschaft, Achtsamkeit und Aufmerksamkeit. Schließlich sind die Mitarbeiter vor Ort keine Vollblut-Gastronomen oder ausgebildeten Kellner, sondern haben allesamt eine Ausbildung im Bereich der ehrenamtlichen Hospizbegleitung vorzuweisen. Was wiederum in jedem Fall ein Alleinstellungsmerkmal am umkämpften Café-Markt ist.


Kommentieren


Schlagworte