Imran Khan - Vom Cricket-Star und Playboy zum Regierungschef Pakistan

Islamabad (APA/AFP) - Der pakistanische Populist und ehemalige Cricket-Star Imran Khan hat es geschafft: Am Samstag legte er im Präsidentenp...

Islamabad (APA/AFP) - Der pakistanische Populist und ehemalige Cricket-Star Imran Khan hat es geschafft: Am Samstag legte er im Präsidentenpalast in Islamabad den Amtseid als Regierungschef des Atomstaats mit 207 Millionen Einwohnern ab.

Der 65-Jährige steht vor großen Herausforderungen. Das Land ist nicht nur mit großen Sicherheitsproblemen angesichts militanter Islamisten konfrontiert. Pakistan machen auch eine hohe Arbeitslosigkeit, grassierende Inflation, Korruption, eklatante Mängel bei der Wasser- und Energieversorgung und rasantes Bevölkerungswachstum zu schaffen.

Das von Khan verkündete „Neue Pakistan“ verkörpert das Ende jahrzehntelanger Herrschaft durch die einander an der Regierung abwechselnden Parteien Muslim-Liga-Nawaz (PML-N) und Pakistanische Volkspartei (PPP), immer wieder unterbrochen durch Perioden, in denen das Militär an der Macht war.

Bei der Parlamentswahl Ende Juli war Khan mit seiner Partei Tehreek-e-Insaf (PTI/Bewegung für Gerechtigkeit) siegreich, die bis dahin immer nur eine Handvoll Sitze im Parlament erringen konnte. Die absolute Mehrheit errang sie allerdings nicht. Daher muss sich die Khan-Partei mit kleineren Parteien und unabhängigen Kandidaten zusammentun.

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Die Gegner des neuen Regierungschefs attackieren ihn als „Taliban Khan“, der sich mit islamistischen Gruppen verbündet habe und vom mächtigen Militär unterstützt werde. Seine Anhänger verehren ihn hingegen als Reformer, der energisch gegen die Korruption kämpft und soziale Wohltaten verteilt.

Der aus einer reichen Familie in Lahore stammende Khan studierte an den besten Universitäten Pakistans und Großbritanniens. Mit 19 Jahren wurde er Mitglied der pakistanischen Cricket-Nationalmannschaft. 1992 führte er das Nationalteam als Kapitän zur Weltmeisterschaft. Noch heute verehren ihn deshalb Millionen Pakistanis.

Nach Khans Rückzug aus dem Profisport folgten Jahre als Playboy. Dabei blieb ihm vor allem die Londoner Boulevardpresse auf den Fersen. Zwischen 1995 und 2004 war er mit der britischen Filmproduzentin und Polit-Aktivistin Jemima Goldsmith verheiratet. Sie konvertierte für ihn zum Islam, das Paar bekam zwei Kinder. Eine 2015 mit der Journalistin Reham Khan geschlossene zweite Ehe dauerte nur einige Monate.

Anfang 2018 ehelichte Khan seine Beraterin Bushra Maneka, heute als Bushra Bibi bekannt. Sie war bei der Hochzeit vollverschleiert - ein Zeichen des religiösen Konservatismus. Auch bei der Vereidigung ihres Mannes am Samstag war sie tief verschleiert und senkte sittsam den Blick.

Khan näherte sich in seinen politischen Positionen in den vergangenen Jahren mehr und mehr radikalislamischen Positionen an. Er wirbt für einen Dialog mit gewaltbereiten Rebellen und seine Partei ist mit dem Religionsführer Sami ul Haq verbunden, der auch als „Vater der Taliban“ bekannt ist. In dessen Koranschulen wurden einst spätere Taliban-Größen wie Mullah Omar ausgebildet. Zuletzt verkündete Anfang des Monats auch die mit Al-Kaida verbundene Gruppe Harkat-ul-Mujahideen ihre Unterstützung für Khans PTI.

In Pakistan gilt Khan dennoch vielen schlicht als Reformer, der den Menschen in dem Land einen „Islamischen Wohlfahrtsstaat“ verspricht. Auch die Mittelschicht, die genug hat von der weitverbreiteten Korruption und der Günstlingswirtschaft im Lande, findet sich in seinen Slogans wieder. Hoch angerechnet wird ihm auch, dass er nach seiner Sportlerkarriere eine Universität und Krankenhäuser bauen ließ.

Im Wahlkampf sprach sich Khan aber auch für den Erhalt der umstrittenen Gesetze zur Gotteslästerung aus, wofür im Extremfall sogar die Todesstrafe verhängt werden kann. Für einen Aufschrei in liberalen Kreisen sorgte zudem seine Aussage, der Feminismus habe „die Rolle der Mutter herabgesetzt“.


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