Fischereiverband distanziert sich von Strafanzeigen im Stanzertal

Dass einzelne Fischer eine „Muren-Entschädigung“ per Anzeige einfordern, ärgert den Landecker Revierausschuss. Projekt „Tiroler Urforelle“ geplant.

© Wenzel

Von Helmut Wenzel

Landeck –„Die Sicherheit der Menschen im Siedlungsraum Stanzertal hat klaren Vorrang gegenüber Befindlichkeiten einzelner Fischer“, erklären die Verbandsfunktionäre Franz Siess (Obmann Bezirksrevierausschuss Land­eck) und Andreas Egger (stellvertretender Obmann) aus gegebenem Anlass. „Dass die Rosanna nach den Muren in Schnann und Pettneu ausgebaggert werden muss, sollte eigentlich nachvollziehbar sein. Wir haben es mit Gefahr im Verzug zu tun.“

In Kreisen der Angler bekannt geworden, dass wegen der abschnittsweise „toten Gewässer“ Anzeigen an die Behörde gemacht wurden – auch schon bei früheren Ereignissen, wenn Fischpopulationen bei hoher Konzentration von Sedimenten (Schmutzwasser) verendeten. Nach den jüngsten Muren seien tote Forellen bei Strengen angeschwemmt worden. Ein ähnliches Szenario habe es 2016 bei der Mühlbach- und Lattenbachmure im Raum Grins und Pians gegeben.

Details zu den Strafanzeigen und Namen würden aus Datenschutzgründen nicht preisgegeben, sagten die beiden Revierchefs. „Wie auch immer: Wir distanzieren uns von derartigen Anzeigen.“ Auch LH Günther Platter hatte sich bei einem Lokalaugenschein in Schnann darüber geärgert, die TT berichtete.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen wolle man den betroffenen Fischereipächtern mit Besatzmaßnahmen helfen. Erst kürzlich habe man für die Rosanna eine Ausnahmebewilligung von der BH Landeck bekommen, um größere fangfähige Forellen einsetzen zu können. Das wäre nach dem Tiroler Fischereigesetz ansonsten verboten, erläuterten Egger und Siess. Freilich könne es Monate dauern, bis in den von Muren betroffenen Abschnitten wieder Nahrung vorhanden ist.

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Für Fischerei-Schäden wie nach den jüngsten Muren gebe es keine Versicherung, wissen die beiden Funktionäre. „Und bisher gibt es auch keine Unterstützung der öffentlichen Hand.“ Sehr wohl habe man entsprechende Ansuchen gestellt.

Vor diesem Hintergrund greife man auf Mittel des Bezirksausschusses zurück. „Das Geld kommt aus dem Erlös der Fischerunterweisungen, die wir ehrenamtlich machen“, schildern die beiden Funktionäre.

Inzwischen bereitet der Revierausschuss das Projekt „Tiroler Urforelle“ für 2019 vor. „Wir möchten, dass sie in den Gewässern bezirksweit wieder heimisch wird“, erklären Siess und Egger. Die hochwasserresistente Urforelle galt bis vor wenigen Jahren als ausgestorben. Jetzt wird sie in Thaur gezüchtet.


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