„Wahrheit ist nicht Wahrheit“: Trump-Anwalt sorgt für Aufsehen

Nach den „alternativen Fakten“ von Kellyanne Conway stellt die Administration von US-Präsident Donald Trump einmal mehr ihr eigentümliches Verhältnis zur Realität unter Beweis. Diesmal amüsiert und entsetzt Trump-Anwalt Giuliani mit der Feststellung, dass Wahrheit nicht unbedingt Wahrheit sei.

Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani.
© Reuters

Washington – US-Präsident Donald Tump ist bekannt dafür, es mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen. Schon seit seiner Amtseinführung wird fast täglich auf falsche Behauptungen aus dem Mund des Republikaners verwiesen. Die viel diskutierte standhafte Behauptung, es seien so viele Menschen wie noch nie zuvor bei der Ablegung seines Amtseides anwesend gewesen – trotz eindeutiger Beweise für das Gegenteil – war nur eine in einer Serie von Unwahrheiten. Der Washington Post zufolge, die die Äußerungen des Präsidenten unter die Lupe nimmt, äußerte Trump bis Anfang August dieses Jahres 4299 falsche Behauptungen in nur 558 Tagen.

Immer wieder wird augenscheinlich, wie die Mitarbeiter Trumps bemüht sind, mit diesem Verhalten umzugehen und ihren Chef zu verteidigen. Trump-Beraterin Kellyanne Conway prägte in diesem Zusammenhang den Ausspruch von „alternativen Fakten“. Die Botschaft: Fakten sind nichts feststehendes, sondern stehen zur Diskussion.

Giuliani stellt Wahrheit in Frage

Rudi Giuliani, Ex-Bürgermeister von New York und nunmehriger Anwalt von Donald Trump, dürfte nun in die Fußstapfen Conways treten. Nachdem Conway das Konzept von „Fakten“ in Frage stellte, folgt Giuliani nun und zweifelt „Wahrheit“ an.

Bei einem TV-Interview wurde Giuliani zu den Ermittlungen von Sonderermittler Robert Mueller befragt. Auf die Frage, ob er eine direkte Befragung von Trump durch Mueller hinauszögere, verteidigte sich Giuliani: Er werde es nicht zulassen, dass Trump eine „Falle“ gestellt werde, um Meineid zu begehen. Wenn man sage, Trump habe nichts zu verbergen und müsse nur die Wahrheit erzählen, dann sei das „dumm“. Denn das sei nicht unbedingt die Wahrheit. Moderator Chuck Todd warf daraufhin ein: „Wahrheit ist Wahrheit“. Woraufhin Giuliani widersprach: „Wahrheit ist nicht Wahrheit“.

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Todd verzweifelte dabei sichtlich und zeigte sich zeitgleich amüsiert über die Äußerungen Giulianis. Er fragte den Anwalt, ob er realisiert habe, was er eigentlich gerade gesagt habe: „Wahrheit ist nicht Wahrheit!? Das wird ein böser Meme werden ...“

Giuliani rechtfertige sich damit, dass der ehemalige und von Trump gefeuerte FBI-Chef James Comey eine andere Version eines Gespräches erzähle als Trump. „Was ist dann die Wahrheit? Können Sie es mir sagen?“ (mats)


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