Griechenland - Zweifel an Krisenfestigkeit bleiben

Wien (APA) - Griechenland wurde am Montag aus dem Hilfsprogramm entlassen. Zweifel an der Nachhaltigkeit der Situation bleiben aber. Lisa Mi...

Wien (APA) - Griechenland wurde am Montag aus dem Hilfsprogramm entlassen. Zweifel an der Nachhaltigkeit der Situation bleiben aber. Lisa Mittendrein von Attac Österreich warnt davor, dass Griechenland die Auflagen nicht einhalten kann, „weil sie völlig unrealistisch sind“. Guntram Wolff, Direktor des Bruegel-Institutes in Brüssel, hat „große Zweifel“, dass internationale Investoren ins Land kommen werden.

Das Land brauche aber Investoren, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Wolff sagte im „Mittagsjournal“, dass er davon ausgehe, dass Griechenland sich einige Jahre „durchwursteln“ werde, aber bei der nächsten schärferen Rezession „wird es wieder krachen“. Die Rückzahlung der Schulden sei zwar momentan leicht gemacht worden, der Schuldenberg hänge aber wie ein Damokles-Schwert über Griechenland, „das wissen die internationalen Investoren“. Daher sei fraglich, ob ausreichend Stabilität entstanden sei. Die EU habe die Chance verpasst, großzügiger zu sein.

Einig sind sich Mittendrein und Wolff, dass der Schuldenschnitt für Griechenland nicht gekommen ist, weil das politisch nicht erwünscht war. Von einem Rettungsprogramm für Griechenland zu sprechen sei „eigentlich wahnsinnig irreführend“, so Mittendrein im „Morgenjournal“. Man habe vor allem die europäischen Banken gerettet. Diese wären wohl kollabiert, hätte Griechenland die Schulden nicht zurückgezahlt. Das habe man nicht zugelassen, „aber statt die Banken direkt zu retten ... hat man das über den Umweg Griechenland gemacht und das war auf keinen Fall in irgendeiner Form eine sinnvolle Lösung. Man hat Menschen bezahlen lassen für die Krise des europäischen Bankensektors und für die Probleme der Eurozone, die damit nichts zu tun haben“. Mittendrein forderte einen Schuldenschnitt.

Auch Wolff sagte, hätte es einen Schuldenschnitt gegeben, dann hätten die Finanzminister der Euroländer in ihre Parlamente gehen und zugeben müssen, dass Beträge abgeschrieben werden müssen. Das hätte einen Nettotransfer vom Steuerzahler nach Griechenland bedeutet.

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