Frühere Synagoge in Gänserndorf: Warten auf Prüfung durch Denkmalamt

Gänserndorf (APA) - Rund um die frühere Synagoge in Gänserndorf ist die Prüfung zur Frage des Denkmalschutzes durch das Bundesdenkmalamt (BD...

Gänserndorf (APA) - Rund um die frühere Synagoge in Gänserndorf ist die Prüfung zur Frage des Denkmalschutzes durch das Bundesdenkmalamt (BDA) noch im Laufen. Man warte das Ergebnis ab, hielt Bürgermeister Rene Lobner (ÖVP) am Montag fest. Vorher werde es keinen Abbruch geben.

Die Initiative Denkmalschutz hatte in der Vorwoche gewarnt, dass der Bürgermeister mit dem Nachweis „Gefahr im Verzug“ unter gewissen Voraussetzungen die im Eigentum der Gemeinde befindlichen Gebäude ohne Zustimmung des BDA abbrechen dürfe. „Dies setzt voraus, dass ‚Gefahr für höherwertige Rechtsgüter besteht, vor allem bei Gefahr für Leben und Gesundheit von Menschen‘, was mit ‚Einsturzgefahr‘ bei leer stehenden und vor Zutritt gesperrten Gebäuden allein kaum zutreffen wird“, hieß es in der Aussendung. „Nach den Erfahrungen in Niederösterreich läuten bei uns die Alarmglocken“, sagte Markus Landerer von der Initiative Denkmalschutz und verwies auf Beispiele von Gebäudeabrissen vor einigen Monaten in Kaumberg und vor drei Jahren in Türnitz (jeweils Bezirk Lilienfeld).

Lobner wies die „Mär“, dass vor einer Entscheidung des BDA ein Abriss des desolaten, vormals als Musikschule genutzten Gebäudes drohen könnte, gegenüber der APA „auf das Schärfste“ zurück. Fakt sei, dass nach einer Begehung durch Historiker des BDA ein Bausachverständiger hinzugezogen worden sei. Aufgrund eines unabhängigen Gutachtens sei ein Betretungsverbot wegen u.a. Schimmelbefalls und statischer Mängel verhängt und dies dem BDA übermittelt worden.

Das Bundesdenkmalamt hatte die ehemalige Synagoge wegen „Gefahr in Verzug“ unter Schutz gestellt. Die Prüfung laufe noch und werde „vordringlich“ behandelt, hieß es am Donnerstag auf Anfrage. Laut Lobner hatte das BDA ursprünglich bis Ende Juli Bescheid geben wollen.

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Die Synagoge in der Bahnstraße 60 wurde laut der Initiative Denkmalschutz 1889 vom Architekten Jakob Modern erbaut und 1908 um das Rabbinerhaus erweitert. Eine baubehördliche Überprüfung der beiden Gebäude ergab laut „NÖN“, dass das Rabbinerhaus einsturzgefährdet sei, weshalb ein Betretungsverbot ausgesprochen worden sei. Die schwer desolate Synagoge dürfe ebenfalls nicht mehr betreten werden, auch wenn hier (noch) keine Einsturzgefahr besteht, hieß es in einem Bericht. Geplant ist anstelle der ehemaligen Synagoge ein Parkplatz und ein kleiner Park mit einer Gedenktafel als „Ort des Erinnerns“.

„Das geplante Vorhaben hat nicht das Geringste mit Antisemitismus zu tun, sondern beruht auf dem dringenden Bedarf an Abstellflächen im Herzen unserer Bezirkshauptstadt zwecks Belebung und Attraktivierung des Zentrums“, hatte LAbg. Bürgermeister Rene Lobner (ÖVP) vor einigen Wochen in einem offenen Brief betont. Der Entschluss, das Gebäude abzureißen, „wurde bereits vor 20 Jahren unter dem damaligen Bürgermeister sehr konkret und schlussendlich 2014 unter meinem Bürgermeistervorgänger beschlossen. Der Beschluss wurde kürzlich erneuert und soll demgemäß umgesetzt werden“, war darin zu lesen. „Mit dem ursprünglichen Gebäude von 1889 hat das heutige Objekt nichts mehr gemein“, betonte Lobner in dem Schreiben und verwies auf mehrere Umbauten.

Das Vorhaben sei damals auch mit der Kultusgemeinde abgesprochen worden, so Lobner. Die aktuellen Diskussionen darüber würden bei der Bevölkerung auf Kopfschütteln stoßen. Seit 2001 gebe es eine Gedenktafel, die künftig einen würdevollen Platz erhalten soll. Ein kleiner Park werde Möglichkeit für einen Gedenkstein bieten.

Kritik am geplanten Abriss war auch von den Gänserndorfer Grünen, einer Historikerin und dem Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit gekommen.


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