Immer mehr Tiroler wenden sich an Patientenanwalt

Im Vorjahr gab es zehn Prozent mehr Vorsprachen als noch 2016. Von den 1526 bearbeiteten Fällen betreffen 516 die Krankenanstalten.

(Symbolfoto)
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Von Benedikt Mair

Innsbruck –Wer krank ist, durchlaufe gleich mehrere Krisen auf einmal, sagt Birger Rudisch: „Es tauchen Fragen auf wie: Wie läuft die Therapie ab? Wie lange dauert sie? Welche Auswirkungen hat das auf mein Leben?“ Gehe im Behandlungszimmer noch dazu etwas schief, seien viele mit den Nerven am Ende. Rudisch muss es wissen, immerhin ist er Leiter der Tiroler Patientenvertretung – oft auch Patientenanwaltschaft genannt – und hat tagtäglich mit solchen Fällen zu tun.

„Im letzten Jahr ist die Zahl der Vorsprachen sogar enorm gestiegen. Um zehn Prozent im Vergleich zu 2016“, zitiert Rudisch aus der Statistik. Im Jahr 2017 verzeichnete die Patientenvertretung insgesamt 1526 Geschäftsfälle, 516 davon betrafen die verschiedenen Tiroler Krankenanstalten. Immer noch hoch sind die Anfragen zu freiberuflichen Ärzten – 152 im vergangenen Jahr –, obwohl die Patientenanwaltschaft dafür eigentlich nicht zuständig ist.

„Kaum jemand wendet sich an uns, weil er sich vorher bei Dr. Google schlau­gemacht hat", so Birger Rudisch.
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Zurückzuführen ist das laut dem Leiter der Stelle nur bedingt auf eine Hochsensibilisierung, ausgelöst durch das Internet. Eher sei es der gestiegene Bekanntheitsgrad der Einrichtung. „Kaum jemand wendet sich an uns, weil er sich vorher bei Dr. Google schlaugemacht hat. Jeder, der bei uns vorspricht, hat sein Leiden, es gibt keine Querulanten. Selbst wenn es nur Probleme wegen der Wartezeiten, unfreundlichen Personals oder beispielsweise des Entlassungsmanagements betrifft.“

Während die Patientenvertretung immer mehr Fälle zu bearbeiten hat, ist bei den Tirol Kliniken – als größte medizinische Einrichtung im Land – die Zahl der Beschwerden rückläufig. „Seit 2015 zeichnet sich dieser Trend ab. Nicht nur im Hinblick auf Beschwerden, sondern auch die Summe des geforderten Schadensersatzes sinkt“, berichtet Sprecher Johannes Schwamberger. Ein­e Entwicklung, die ob „steigender Patientenzahlen und stets mündiger werdenden Patienten bemerkenswert ist“. Durchschnittlich erhalte man jährlich 150 Beschwerden wegen angeblicher Behandlungsfehler. Viele Patienten reichen ihre Beschwerden auch über privat organisierte Anwälte ein, was den Unterschied zwischen sinkenden Zahlen bei Klinik und steigenden bei Patientenanwaltschaft erklärt.

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Und wie Rudisch bestätigt, sei die Forderung eines Schadensersatzes meist wirklich nur das allerletzte Mittel: „Viel­e Patienten wollen einfach nur Erklärungen, vielleicht eine Entschuldigung. Erst wenn dann die Ablehnung der Ärzte dazukommt, was nicht selten der Fall ist, wollen es viele wissen. Und fordern Schadensersatz.“ Dabei würden die Summen niemals „amerikanische Dimensionen“ erreichen. Durchschnittlich werden in Tirol pro Fall 8000 Euro ausbezahlt, maximal zwischen 35.000 und 70.000 Euro.

Die gesunkene Zahl an Schadensersatzzahlungen bei den Tirol Kliniken ist laut Sprecher Schwamberger damit zu erklären, dass man gelernt hab­e, die Patientenwünsche zu respektieren: „Wir haben das Beschwerdemanagement überarbeitet, weil wir gesehen haben, dass Entschuldigungen oft Wunder wirken.“


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