Untreue Frau eingesperrt: Schwiegermutter verurteilt

Die Frau hat laut Anklage die Schwiegertochter in der Wohnung eingesperrt, während der Vater und die beiden Söhne deren Liebhaber krankenhausreif prügelten. Die Schwiegermutter wurde zu acht Monaten teilbedingt verurteilt, der gehörnte Ehemann ist flüchtig.

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© Thomas Böhm / TT

Wels – Im Prozess gegen eine oö. Familie mit türkischen Wurzeln hat die Mutter am Montag im Landesgericht Wels acht Monate teilbedingt ausgefasst. Sie habe laut Anklage ihre Schwiegertochter in der Wohnung eingesperrt, während der Vater und die beiden Söhne deren Liebhaber krankenhausreif geprügelt haben sollen. Der gehörnte Ehemann ist flüchtig, der Prozess gegen die zwei anderen Männer wurde vertagt.

Anfang Juni hatte ein 32-Jähriger aus Bad Schallerbach (Bezirk Grieskirchen) - ein Sohn der Verurteilten - herausgefunden, dass ihn seine 31-jährige Frau offenbar betrügt. Daraufhin soll er mit dem Handy seiner Ehepartnerin eine Nachricht an seinen Nebenbuhler geschickt und sich in ihrem Namen mit ihm verabredet haben, so die Anklage. Seine Frau habe er, bewacht von seiner Mutter, zu Hause eingesperrt, während er sich mit seinem Bruder und seinem Vater auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt gemacht habe. Dort angekommen sollen die drei dem 52-jährigen Liebhaber aufgelauert und ihn verprügelt haben.

Gemäß Anklage sind sie mit einem Baseballschläger und einer Stahlrute auf ihr Opfer losgegangen. Im Raum steht auch, dass sogar eine Pistole im Spiel war. Der Liebhaber erlitt bei der Attacke schwere Verletzungen, u.a. Rissquetschwunden und mehrere Knochenbrüche im Gesicht. Die eingesperrte Ehefrau hatte mittlerweile über WhatsApp Alarm geschlagen. Die Exekutive befreite sie aus der Wohnung.

Die Staatsanwaltschaft legt der Mutter Freiheitsentziehung und den Männern absichtlich schwere Körperverletzung, gefährliche Drohung sowie Verstöße gegen das Waffengesetz zur Last. Der Verteidiger sieht hingegen nur ein „Beziehungsdrama mit türkisch-migrantischem Hintergrund“. Alle drei Beschuldigten wurden aus der U-Haft vorgeführt. Nach dem Ehemann wird noch gefahndet. Er wird in der Türkei vermutet. Dorthin war nach der Tat auch sein Bruder gereist - als er wieder zurückkam klickten am Flughafen München die Handschellen. Die Mutter wurde in U-Haft genommen, als sie sich auf der Bezirkshauptmannschaft Grieskirchen einen Pass ausstellen lassen wollte.

Am Montag waren die Beschuldigten, das Opfer und Zeugen am Wort. Die Mutter bestritt die Vorwürfe. Wie aus dem Gerichtsakt hervorgeht, soll die Schwiegertochter aber eine Audio-Aufnahme auf ihrem Handy haben, auf der die Angeklagte zu ihr sagt: „Wenn du meine Tochter wärst, hätte ich dich schon umgebracht.“ Der Vater, dessen Aussagen häufig wechselten, gab sich bei seiner Einvernahme ebenfalls unschuldig. Er habe seine Söhne davon abgehalten der Schwiegertochter etwas anzutun und sei ihnen nur nachgefahren, um zu schlichten. Der verprügelte 52-Jährige beschuldigte ihn aber klar, auch auf ihn eingeschlagen zu haben.

Die Frau wurde bereits am Montag vom Gericht wegen Freiheitsentziehung nicht rechtskräftig zu acht Monaten, davon zwei unbedingt, verurteilt. Im Fall der beiden Männer will das Gericht noch ein Gutachten zu den DNA-Spuren auf der Stahlrute in Auftrag geben und einen Zeugen ausfindig machen, der die Tat beobachtet haben soll. Der Unbekannte dürfte die Täter gestört und dem Opfer die Flucht ermöglicht haben. Ein neuer Termin stand vorerst nicht fest. (APA)


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