Fed-Kritik von Trump - Ökonom: „Historisch sehr ungewöhnlich“

Berlin/Washington (APA/Reuters) - US-Präsident Donald Trump hat den Kurs der Notenbank Fed kritisiert. „Ich bin nicht davon begeistert, dass...

Berlin/Washington (APA/Reuters) - US-Präsident Donald Trump hat den Kurs der Notenbank Fed kritisiert. „Ich bin nicht davon begeistert, dass er (Fed-Präsident Jerome Powell) die Zinsen erhöht. Nein, ich bin nicht begeistert“, sagte Trump in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Vielmehr sollte sich die Fed zurückhalten und ihm „etwas helfen“. Ökonomen sagten in ersten Reaktionen:

Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt:

„Historisch ist das sehr ungewöhnlich. In den sechziger, siebziger Jahren war es noch üblich, dass sich Washington massiv in die Geldpolitik einmischt. Das Resultat kennen wir: eine hohe Inflation. Seit Präsident Clinton galt eigentlich die unausgesprochene Regel, dass der Präsident die Notenbank-Politik nicht kommentiert. Mit dieser Regel hat Trump gebrochen.

Ursprünglich haben Trump und die Republikaner die Fed wegen ihrer lockeren Geldpolitik kritisiert. Nun kommt ein opportunistischer Schwenk. Trump befürchtet nun offenbar, dass höhere Zinsen der US-Konjunktur schaden können. Sein Finanzminister muss ebenfalls höhere Zinsen zahlen.“

Der Präsident prägt das Meinungsklima im Land. Wenn beträchtliche Teile der Wähler gegen die Unabhängigkeit der Zentralbank sind, kann sich dem keine Zentralbank der Welt auf Dauer entziehen. Dann findet sich die Zentralbank unter dem Einfluss der Politik wider. Wenn sich das ändert in Amerika, dann hat die Fed langfristig Gegenwind.

Kurzfristig mögen Trumps Äußerungen wenig Auswirkungen haben, weil die meisten Führungspositionen der Fed besetzt sind oder sich im Ernennungsprozess befinden - und dass mit Zentristen und Vertretern des Mainstreams. Die personelle Unabhängigkeit sollte noch ein paar Jahre verhindern, dass die Unabhängigkeit der Fed unter die Räder kommt. Sollte es Trump aber gelingen, eine zweite Amtszeit zu bekommen, könnte die Unabhängigkeit in fünf bis zehn Jahren erodieren, wenn er ihm genehme Leute platziert. Dann kann sich die Fed dem Druck nicht mehr entziehen. Langfristig ist das gefährlich.“

Holger Schmieding, Chefvolkswirt Berenberg Bank:

„Trumps Kommentare halte ich für bedeutungslosen Lärm. Anders als in Fragen der Handels- und Außenpolitik, wo man seine Aussagen ernster nehmen muss, kann er Entscheidungen der Fed nicht beeinflussen. Selbst der von ihm ernannte Powell wird sich nicht reinreden lassen.“

~ WEB http://www.federalreserve.gov/ ~ APA095 2018-08-21/09:44


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