Andenken an eine temporäre Heimat

Über Comics machen Patrick Bonato und Isabel Peterhans in der Galerie der Stadt Schwaz fremde Welten erlebbar.

© Thomas Schrott

Von Barbara Unterthurner

Schwaz –Dass dem Comic nach wie vor ein komischer, ja oft banaler Ruf vorauseilt, hat wohl einerseits mit der Begrifflichkeit an sich zu tun, andererseits auch mit unserer geografischen Verortung.

In den USA oder in Japan ist der Comic längst zur eigenständigen literarischen Gattung herangewachsen und wird gerade mit dem Terminus „Graphic Novel“ als komplexere Erzählung in Buchform nochmal abgegrenzt vom klassischen Comic-Heftchen oder Zeitungscartoon. Die Besonderheit der Gattung aber bleibt das Zusammenspiel von Text und Bild.

Ein Verhältnis, das aber keineswegs einem strengen Regelwerk unterworfen ist: Immer wieder fassen Comic-Künstler die Genregrenzen sehr weit, überschreiten sie und öffnen sich damit auch in Richtung bildender Kunst.

Ein Ausloten dieses Systems steht auch beim Tiroler Patrick Bonato und der Schweizerin Isabel Peterhans auf dem Programm, die derzeit mit der Ausstellung „Souvenir“ (kuratiert von Nadja Ayoub) in der Stadtgalerie Schwaz residieren.

Bis vor Kurzem waren die Residenzen der beiden Künstler noch weit über die Kontinente verteilt: Kolumbien, Senegal oder Mexiko waren Stationen ihrer großen Reise. Von der die beiden mit persönlichen Erinnerungen und umso persönlicheren Souvenirs zurückgekehrt sind. Die sie nun auch bereit sind zu teilen: in Form von Skizzenheften, Zeichnungen und vor allem Comics. Alle Mitbringsel sind auf dieser Suche nach einer (wenigstens) temporären Heimat entstanden. Denn ein­e Auseinandersetzung über die Kunst machte aus den Besuchern, den Touristen Bonat­o und Peterhans, mehr.

Sie übersetzten kulturelle Eigenheiten ihrer aktuellen Heimat in ihre Zeichnungen oder erzählen den Alltag über persönliche Geschichten. Bonato etwa entwickelte im Senegal die Figur des „Toubab“, übersetzt der „Weiße“, der mit der Vorstellung des Weißen aus der Kolonialzeit nicht mehr viel gemein hat. Der heutige „Toubab“, ein klassischer Afrika­tourist, fühlt sich in dieser ihm fremden Welt verloren.

Die Gegenseite beleuchtet Isabel Peterhans, die in ihren Zeichnungen aus St. Louis im Senegal die Landschaft in klassischen Postkartenformaten zum Thema macht. Im Gespräch mit Einheimischen erfährt sie Geschichten, die sich hinter den Postkartenmotiven verbergen. Säuberlich aufbereitet liegen sie nun für den Besucher bereit. Und lassen ihn eintauchen in dies­e fremde Welt, von der die Mitbringsel der beiden Illustratoren so feinsinnig berichten.

Ausstellung

Galerie der Stadt Schwaz. Franz-Josef-Straße 27, bis 8. September. Mi—Fr 12—18 Uhr, Sa 10—15 Uhr.


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