Das neue Berliner Schloss im Schlussspurt

Berlin (APA/dpa) - Friedrich der Große hielt nicht viel von seinem Großvater. Er sei „eitel und glanzsüchtig“ gewesen und habe einen Hang zu...

Berlin (APA/dpa) - Friedrich der Große hielt nicht viel von seinem Großvater. Er sei „eitel und glanzsüchtig“ gewesen und habe einen Hang zu „verschwenderischem Prunk“ gehabt, schrieb der Nachfahre über Friedrich I. (1657-1713), den ersten preußischen König. Dem Repräsentationsbedürfnis des Herrschers verdankt Berlin den Schlüterhof, ein herausragendes Meisterwerk des Barock.

Am Wochenende können Besucher bei den Tagen der offenen Baustelle im wiederaufgebauten Berliner Schloss erstmals wieder ein Gefühl für die einstige preußische Pracht bekommen. Drei Fassaden wurden originalgetreu rekonstruiert, nur die westliche Seite bietet mit ihrer modernen Betonoptik einen spannungsreichen Gegensatz.

„Kieke, staune, wunder Dir!“ heißt das Motto des Publikumswochenendes. Und es wird das letzte sein, wie die Verantwortlichen ankündigen. Denn im kommenden Jahr soll hier unter dem Namen Humboldt Forum das neue Museums- und Kulturzentrum in der Mitte Berlins öffnen - zumindest ein erster Teil.

„Wir sind zuversichtlich, mit einem klugen Baumanagement die noch ausstehenden Arbeiten rechtzeitig abschließen zu können“, sagt Hans-Dieter Hegner, Bauvorstand der verantwortlichen Stiftung, am Dienstag bei einer Baustellenbegehung. Auch mit den Gesamtkosten von rund 600 Millionen Euro liege man im Plan. „Das Budget reicht. Wir werden es nicht reißen.“

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Eine Lücke gibt es noch bei den Spenden. Von den zugesagten 105 Millionen Euro zur Rekonstruktion der historischen Fassaden fehlen noch 20 Millionen. „Wir werden nicht aufhören, bevor wir das Geld zusammenhaben - solange der liebe Gott mich lässt“, sagt Wilhelm von Boddien (76), der Vorsitzende des Fördervereins und Mitinitiator des Projekts.

Ein ansehnliches Sümmchen dürfte am Samstag durch das Benefizkonzert der Berliner Philharmoniker hereinkommen. Das weltberühmte Orchester spielt unter Leitung seines künftigen Chefdirigenten Kirill Petrenko Richard Strauss und Beethovens 7. Sinfonie. Der Eintritt pro Person kostet schlappe 295 Euro. Die Einnahmen für fast 1.500 Tickets sollen dem Schloss zugutekommen. „Ausverkauft“, melden die Veranstalter.

Das Humboldt Forum versteht sich nach eigenem Programm als „Ort der Weltkulturen“. Schwerpunkt werden die ethnologische und die asiatische Sammlung der Berliner Museen sein. Zudem sind zahlreiche Sonderausstellungen und Kulturveranstaltungen geplant. Wie viel von dem Haus - so groß wie etwa drei Fußballfelder - dann tatsächlich im nächsten Herbst eröffnet wird, will Bauvorstand Hegner noch nicht so recht verraten. „Das ist wie beim Weihnachtsmann“, sagt er. „Wenn Sie alle Geschenke vorher wissen, freuen Sie sich nicht mehr darauf.“


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