Kulturherbst: Monet, Bruegel und „Haus der Geschichte“-Eröffnung

Wien (APA) - Monet und Bruegel der Ältere sind die Stars des Ausstellungsherbsts in Wien, mit der Eröffnung des Hauses der Geschichte Österr...

Wien (APA) - Monet und Bruegel der Ältere sind die Stars des Ausstellungsherbsts in Wien, mit der Eröffnung des Hauses der Geschichte Österreich (hdgö) in der Neuen Burg erreicht das Gedenkjahr 2018 seinen Höhepunkt. Aber auch Erwin Wurm, das Jahr 1968 und die Schönheit begegnen den Besuchern in den kommenden Wochen und Monaten in den heimischen Museen.

Am 10. November ist es soweit: Dann eröffnet das Haus der Geschichte Österreich seine Tore mit der Ausstellung „Aufbruch ins Ungewisse - Österreich seit 1918“ zum Republiksjubiläum, in der anhand von sieben Themen 100 Jahre österreichische Geschichte abgehandelt werden. Nach mehreren Diskussionen um den Standort und einer Redimensionierung bespielt Direktorin Monika Sommer nun eine drei große Säle umfassenden Zimmerflucht; wie es nach der Ausstellung mit dem hdgö weitergeht, ist noch offen.

Doch bereits in den Wochen davor wird Wien zum Anziehungspunkt für Kunstfreunde: Mit einem programmierten Publikumserfolg startet die Albertina in den Ausstellungsherbst. Erstmals öffnet das Haus für die Schau „Claude Monet“ seine Tore dafür schon um 9 Uhr Früh. In der ersten umfassenden Präsentation der Werke des französischen Impressionisten (1840-1926) seit über 20 Jahren in Österreich finden sich 100 Gemälde von über 40 Leihgebern aus der ganzen Welt, darunter Spätwerke, die in seinem Garten in Giveny entstanden sind. Bevor ab 21. November das zeichnerische Alltagswerk von Erwin Wurm unter dem Titel „Peace & Plenty“ in der Albertina einzieht, präsentiert man ab 12. Oktober rund 130 Werke der amerikanischen Streetphotography-Ikone Helen Levitt (1913-2009) sowie ab 26. Oktober eine Personale des georgischen Malers Niko Pirosmani (1862-1918), in der man auf die Entdeckung des „Helden der Avantgarde“ setzt.

Mit der weltweit ersten großen monografischen Ausstellung zu Pieter Bruegel dem Älteren (um 1525/30-1569) setzt das Kunsthistorische Museum (KHM) ab 2. Oktober auf einen sicheren Publikumsmagneten. Anlass ist der bevorstehende 450. Todestag des niederländischen Meisters, von dem nur knapp über 40 Gemälde erhalten sind, von denen das KHM mit zwölf Tafeln die größte Sammlung besitzt. Der Filmemacher Wes Anderson und seine Frau Juman Malouf treten ab 6. November auf den Plan, wenn sie unter dem Titel „Spitzmaus Mummy in a Coffin and Other Treasures“ eine Ausstellung mit Objekten und Werken aus der KHM-Sammlung kuratieren. Im Rahmen der Ausstellungsreihe waren bereits Ed Ruscha und Edmund de Waal in Wien zu Gast.

Vor einem Jahr eröffnete das Weltmuseum Wien nach seiner Renovierung mit gleich vier Ausstellungen, ab 18. Oktober gibt es mit „Verhüllt, enthüllt!“ eine neue Sonderschau, in der das Thema Kopftuch aus historisch-kultureller Sicht seit den Anfängen des Christentums betrachtet wird. Das laufende Schiele-Gedenkjahr zu dessen 100. Todestag schlägt sich ab 19. Oktober auch in der Orangerie im Unteren Belvedere nieder, wo der Schiele-Bestand des Hauses gezeigt wird, der u.a. mit der „Wally“ aus dem Leopold Museum ergänzt wird. Bereits ab 28. September ist im Unteren Belvedere die erste große Einzelpräsentation der bolivianisch-amerikanischen Künstlerin Donna Huanca in Österreich zu sehen, das Belvedere 21 widmet sich ab 7. September der US-Künstlerin Polly Apfelbaum mit „Happiness Runs“ und ab 19. September in einer Gruppenausstellung dem „Wert der Freiheit“.

Den „Eigensinn der Dinge“ verhandelt das KunstHausWien ab 13. September in der Schau „Stillleben“, die nicht nur die historischen Entwicklungslinien des Genres, sondern auch zeitgenössische Ausprägungen bishin zu Harun Farocki präsentiert. Mit der ersten umfangreichen Retrospektive des Österreichers Ernst Caramelle, die alle Werkphasen von 1974 bis in die Gegenwart umfasst, und der Gruppenausstellung „Malerei mit Kalkül“ zur Neoavantgarde der 1960er und 1970er bestreitet das mumok den Herbst (beide ab 30. November). Das Leopold Museum, das im November wegen der beginnenden Bauarbeiten für die sogenannte Libelle, den geplanten Dachaufbau, geschlossen bleibt, adaptiert ab 29. September seine Jubiläumsschau zu Egon Schiele. Unter dem Titel „Reloaded“ präsentiert man als punktuelle „Injektionen“ Werke von u.a. Louise Bourgeois, Sarah Lucas und Elisabeth von Samsonow.

Die Secession startet mit Anthea Hamilton, Anne Speier und dem generationenübergreifenden Duo James Richards & Leslie Thornton (ab 14. September) in den Herbst. In der Kunsthalle Wien geht die Ausstellung „Antarktika“ ab 25. Oktober der Entfremdung und deren grundlegendem Muster einer „Beziehung der Beziehungslosigkeit“ nach, wobei die Metapher der Kälte Pate steht. In der Dependance am Karlsplatz richtet man ab 19. September die erste Einzelausstellung des 1970 geborenen französischen Künstlers Saadane Afif in Österreich aus. Ein „multimediales Plädoyer für die Lust am Schönen“ erwartet die Besucher des MAK - Museum für angewandte Kunst ab 24. Oktober in „Beauty“: Die Objekte und Installationen von Stefan Sagmeister, der vor drei Jahren mit seiner „Happy Show“ begeisterte, und Jessica Welsh „durchfluten“ dabei nahezu das gesamte Haus.

Dem laufenden Gedenkjahr widmet sich das Wien Museum am Karlsplatz mit der ab 25. Oktober laufenden Schau „Die erkämpfte Republik. 1918/19 in Fotografien“ und zeigt dabei, wie sehr das Medium der Fotografie die großen politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen im Kampf um die junge Demokratie begleitet und auch geprägt hat. „Europas beste Bauten“ stellt das Architekturzentrum Wien (Az W) ab 23. August in den Fokus, in der Galerie widmet man sich ab 20. Oktober dem Werk Roland Rainers (1910-2004) und dessen Rolle in der NS-Zeit.

Die nun 50 Jahre zurückliegende Epochenwende 1968 steht im Zentrum der Schau „Wer war 1968?“ im Linzer Lentos, wo man dem Echo dieser Zeit in Oberösterreich nachgeht und eine Zusammenschau von Kunst, Architektur, Musik, Film und Literatur vorstellt. „Congo Stars“ nennt sich die große Herbstausstellung im Kunsthaus Graz: Ausgangspunkt der Schau ist der vielfach ausgezeichnete Roman „Tram 83“ des in Graz lebenden Schriftstellers Fiston Mwanza Mujila. Angekündigt ist eine Konfrontation der „Peinture Populaire“ mit Positionen kongolesischer Gegenwartskunst. Mit über fünfhundert Arbeiten bildet Oskar Kokoschkas druckgrafisches Werk eine zentrale Gruppe in der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg, das ab 10. November in einer Ausstellung am Mönchsberg gezeigt wird. Das Kunsthaus Bregenz widmet sich in seiner Herbstausstellung ab 20. Oktober dem Werk der britischen Künstlerin Tacita Dean.

(A V I S O - Die heutige Ausstellungsübersicht ist der dritte Teil einer losen Serie von Herbstvorschauen, die bis zur kommenden Woche alle Sparten abdecken wird.)


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